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I. Unsinn

Das, was Wittgenstein noch für Unsinn hielt, worüber man schweigen muss, ist bei mir ausnahmslos. Wir können über nichts reden, ohne als Unsinn zu erkennen, weil wir zu den Dingen und zum Handeln, eine differente Beziehung haben. Sei es zu den realen Dingen, sei es zu den gedachten Dingen. Es mag auch sein, das Sprechen ein Handeln ist, aber eben nur ein Ersatz, und somit kein Sinn selbst. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein Goldstück auf den Tisch lege, oder nur sage, dass ich jetzt ein Goldstück auf den Tisch lege oder gelegt habe. Eine Verbindung zwischen beidem zu knüpfen, sagt ebenso nichts als Unsinn.

II. Reden

Für meine Theorie besteht kein Problem darin, alles Sprechen als Unsinn zu sehen, ebenso wenig wie für Parmenides, alles als nichts zu sehen. Warum sollten wir, wie der frühe Wittgenstein noch andachte, von Dingen reden, die wir einsehen? Sicher konnte er erklären, wie eine Eisenbahn funktioniert. Welch ein Unsinn. Wenn ein Banker oder Versicherungsagent erklärt, wie man ein Vermögen macht. Welch ein Unsinn (wenn es Sinn machte, würde er es keinem sagen). Es macht wohl Sinn, solange Unsinn zu reden, bis daraus ein Sinn zu erkennen ist (nur für einen selbst) und immer weiter.

III. Erfahrung

Es besteht die Ansicht, dass wir nur wahr über unsere Erfahrungen reden können. Das ist richtig. So reden wir. Unsere Erfahrungen sind die bewegten Schatten auf der Höhlenwand und nur diese sind für uns real. Wer die Höhle verlassen hat und die Dinge gesehen hat im Licht, dm sagen wir er sagt Unsinn und bringen ihn um. So gesehen kommen wir aus diesem Dilemma Unsinn nicht hinaus. Natürlich macht die große Rede, das bedeutende Buch, das ganze Leben Sinn. Aber nur für den der es annimmt als seinen Sinn. Der Unsinn ist natürlich auch dieser Widerspruch, indem ein Wissenschaftler behauptet, es mache sehr wohl Sinn und ich muss ihm recht geben, denn für ihn kann es schon Sinn machen und für andere einen anderen Sinn. Bei der Sprache haben wir ein immer Werdendes zu denken, welches niemals zum Sein gelangt. Es ist schwierig über die Dinge nachzudenken und noch schwieriger etwas herauszufinden, aber es ist unmöglich, sich für alle verständlich zu machen.

 

 

SCHWAIGEN&NICHTSZ
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FREUDE - AUTOR
FREUDE - AUTOR

WAHRHEIT zur FREUDE und Philosophie

WAHRHEIT zur FREUDE – WAHRHEIT-DICHTUNG-PHILOSOPHIE Manfred H. Freude Softcover 12,95 € Sprache: Deutsch ISBN: 9783844220292 Seiten: 104 Altersempfehlung: keine Erscheinungsdatum: 19.03.2012 Schl

 

WAHRHEIT zur FREUDE –

WAHRHEIT-DICHTUNG-PHILOSOPHIE

Manfred H. Freude

Softcover 12,95 €

Sprache: Deutsch

ISBN: 9783844220292

Seiten: 104

Altersempfehlung: keine

Erscheinungsdatum: 19.03.2012

Schlagworte: Wahrheit, Sprache, Philosophie, Dichtung und Wahrheit, Deutsch

 

 

Die Wahrheit lügen.
Wir müssen die Wahrheit lügen. Anders können wir den Begriff der Wahrheit nicht erfassen. Sprachlich können wir belügen, darin der Sprache immer unsere Gedanken verbergen. Gerade dies aber öffnet uns das Denken. Das Erkennen von Sprache und Schrift ist stets ein Versuch von Bedeutung. Wir lieben das, was wir versprechen. Gerade diese Liebe macht uns blind. Blind für jede Wahrheit. Auch der wahre Text wird durch ein Wort verraten. Damit fällt die Wahrheit. Wird Opfer. Das Opfer wird zum Neubeginn. Durch Lüge und Verrat wird die Wahrheit so zur heiligen Märtyrerin. Dies könnte man für einen erotischen Vorgang der Dichtung halten. Wir entfernen uns von der Wirklichkeit. Gerade die Lügen öffnen unseren Blick auf Wahrheit, die erscheint. Wenn die Wahrheit besiegt und der Verräter gefasst ist, beweist sich die Wahrheit in ihrer Stärke. Sprache als die Wahrheit, steht im Verrat zwischen Judas und Petrus. Die Welt ist alles, was die Lüge ist. Wenn wir die Fenster schließen, schließen wir auch unsere Augen vor der Wahrheit. Wir bleiben mit unseren Lügen im Haus. Die Schwierigkeit, heute Wahrheit zu beschreiben, liegt bei unserem Verlust der Naivität. Bei unseren Bildern und Texten wird die Wirklichkeit zur Lüge und zur alltäglichen Sprache. Wer die Wahrheit nicht für sich selbst erkennt, hat diese nicht verdient. Die Dinge sind nicht das was sie zu sein scheinen. Eine Kathedrale ist kein Bauwerk. Wer das glaubt, ist ein Ignorant. Wer ohne Interessen ist, zerstört alle Werke durch sein Bloßes anschauen. So werden Kathedralen auch nicht von Architekten gebaut, sondern von Dichtern . Alles, was eine Lüge ist, lenkt nur von einer Wahrheit ab. Die Lüge hat keine Wahrheitsbedingung, denn sie ist bedingungslos wahr. Jeder Richter, versucht nur Lügen zu erkennen. An Wahrheit verschwendet er nicht im entferntesten Gedanken. An Wahrheit kann man höchstens glauben. Aber man sollte den Irrtum vermeiden. Der Philosoph liebt die Wahrheit und kennt ihre Probleme. Wenn er sie wüsste, wäre die Philosophie am Ende. Doch schon die Dichter wussten, was die Götter taten. Lügen, stehlen, ehebrechen, und sich gegenseitig betrügen. Das waren Homer und Hesiod, dass nur des Menschen Schimpf und Schande, das was Lüge und Wahrheit ist, nur abstrakte Werte sind. So zeigt die Logik bei Xenophanes, dass die Lüge schön ist, denn wenn der Dichter sie verkündet, ist es nicht mehr die Wahrheit. Nur wer die Wahrheit sagt, aus seinem Standpunkt, der hat bereits gelogen

 

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WAHRHEIT zur FREUDE

 

Die Philosophie sucht nach (der) Wahrheit - und hat bis heute nur eine vage Menge, miteinander streitender Wahrheiten, gefunden. Jeder Mensch hat jede Menge Wahrheit, und jeder verkörpert, objektiv seine eigene Wahrheit. Zwischen Wahrheit und Wahrheit besteht eine tiefe Kluft, die zunächst unüberwindbar scheint. Aber es scheint auch nichts zu geben, was das menschliche Gehirn nicht überwinden könnte. Die Wahrheit ist also lediglich das, was wir selbst denken. Aber Achtung. Nicht das was wir denken zu denken, sondern das was wir nicht wissen, dass wir es wissen. Alles was wir reden und ausdrücken, ist schon nicht mehr wahr. Weder für uns, noch für den Anderen, der es einer Prüfung unterzieht. Wir können es allerdings für wahr halten, oder es für wahr ausgeben, oder noch, soviel dazu darstellen, dass es anscheinend wahr sein könnte. Wir könnten ein Buch darüber schreiben, und so gesehen, sind alle Bücher irgendwie Romane. Der Schriftsteller hat die Handlung, so oder so, schon erlebt oder einmal gehört, und sie scheint wahr zu sein; aber seine Geschichte ist natürlich völlig frei erfunden, und an den Haaren herbeigezogen. Selbst ein performativer Akt ist niemals wahr, und eine Handlung, wie eine Eheschließung, ist nur aufgrund konventioneller, kultureller Vereinbarungen bindend wahr. Wir dürfen dann einfach nicht denken. Sobald wir denken, müssen wir erkennen, dass eine Hochzeit nur Firlefanz ist. So, wie wir das tragen des Kopftuches, oder verschiedene Beerdigungsriten, nicht verstehen können. Alle Dinge, die wir aussprechen, nehmen wir aber aus guten Gründen für wahr. Boris Groys, der das Buch über die Einführung in die Antiphilosophie schrieb, wurde in Ost-Berlin geboren. Hier musste ihm doch wohl schon aufgefallen sein, dass für West-Berlin eine völlig andere Wahrheit galt. Was ist das überhaupt, ein Anti? Sitzen alle im gleichen Boot und sind dann Antiruderer oder was? Kommt Groys am Ende doch zu keinem Ergebnis, was die Antiphilosophie ist, so gibt es zwei Wahrheiten. Erstens, er schrieb ja nur eine Einführung in die Antiphilosophie, oder zweitens, ihm fiel auch, bei seinen Recherchen keine weitere Lösung ein, es gibt eben eine Philosophie und eine Antiphilosophie. Wie beim Parmenides gibt es das Eine, das ist, und das Eine, das nicht ist. Doch dessen Göttin behauptete schon, die Menschen sind blöde, weil sie MEINEN mit WISSEN verwechseln. Nun gibt es aber eine Lösung für Herr Groys. Das ist nicht die ungeschriebene Lehre des Platon, über die man nicht schreiben könnte, und auch nicht Wittgensteins, worüber man nicht reden kann. Über beides müsste man schweigen. Es ist das, was in der Weiterentwicklung der kantischen Vernunft, oder besser in deren Entwicklung, sowie in den Sprachtheorien Wittgensteins, Austins, Russels, zu kurz greift. Man besitzt die beiden Möglichkeiten, entweder man redet oder man schweigt. Man könnte in jeder Form Wahrheit herausholen. Die Philosophie ging dahin, dass sie auf der anderen Seite das Schweigen als ein Reden interpretierte und das es das Eine, nennen wir es Letztbegründung oder besser nur X, nicht gibt. Und darüber kann man auch nichts aussagen. Diese Konsequenzen kann man heute nicht mehr so halten. Lassen sie es mich so sagen: Wir sagen nie etwas unberührt. Alles was wir sagen oder nicht sagen, ist nichts. Die Wahrheit kennen wir letztlich wie v. a. selbst nicht. Wir schreiben ein Buch, sagen wir über Antiphilosophie, wir wissen hierüber sehr viel und können sehr viel schreiben. Aber wir wissen eigentlich nichts, und was viel interessanter ist, wir sagen und schreiben auch nichts, denn wir müssen uns diese Sätze selbst interpretieren und der Leser (was wir womöglich auch noch beabsichtigen) muss aufgrund unseres Buches sich seine eigenen Gedanken machen. Selbst interpretieren und denken. Das heißt, wir können mit einem Wort, einem Satz oder einem Buch eigentlich nichts anfangen. Es sagt uns Nichts, es ist wie eine Raufasertapete. Erst wenn wir uns damit beschäftigen, unser Vorwissen herauskramen, weiter informieren, können wir aus den Brubbeln auf der Raufasertapete einen Sinn entwickeln. In dieser Zeit aber entsteht eine zeitliche Differenz, von Sekunden bis zu Jahren. Dieses nenne ich Schweigen (Schwaigen). Wir können selbst nicht erkennen, was wir sagen, wir müssen es interpretieren. Boris Groys erklärt es dahin gehend, dass es zweieiige Zwillinge sind, die Philosophie und die Antiphilosophie. In jedem Ding steckt auch das Antiding, wie auch in jedem Reden das Schweigen implizit enthalten ist. Es ist aber das, dass beide vom gleichen Stamm sind (eine geniale Metapher). Das Reden ist nämlich das Schweigen! Sowie das Hören ebenso das lautlose Nichts ist! Und doch entsteht aus beidem, aus Schweigen und aus Nichts, so etwas wie Denken und Welt, mit allem was der Fall ist, ein steter Nachschub im Warenhaus der Ideen. Wahrheit ist, was der Fall ist. Wahrheit hat man nicht und sagt man nicht. Wahrheit muss man erst erkennen durch Prüfung. Es ist nach Austin nicht so, das unsere Sinne getäuscht wurden, wenn wir etwas falsch erkennen, als vielmehr haben unsere Sinne etwas falsch erkannt! Wir glauben, wenn wir etwas wahrnehmen, dass wir es wahrnehmen, weil wir es erkennen. Wenn wir, als ein Beispiel das hierhin passt, das Wort hermeneutisch so lesen, als hätten wir es hermetisch gelesen. Wir haben uns also einfach verlesen. So gehen wir davon aus, dass dieses falsche Wort, richtig war. Wie können wir dann erkennen und sagen, das richtige Wort sei wahr, wenn wir nicht einmal sicher sein können, dass wir uns nicht verlesen haben? Wir können also niemals sicher sein, ob wir das Richtige sagen. Wie können wir dann ernsthaft etwas sagen? Alles, was wir sagen, muss unser Verstand erst einmal prüfen, ob und wie wir, etwas wahrnehmen. Das Wahre ist ständig im Streit zwischen Schweigen und Nichts. Der Augenzeuge hat etwas gesehen, aber das, was er gesehen hat, sind nur Sinnesdaten und er kann sprachlich nur aus diesen Sinnesdaten schöpfen.

 

Erkenntnistheorie:

Ist der Satz wahr oder nicht wahr?

Es gibt keine sinnvolle wahre Sätze, es gibt nur einfach Sätze, es besteht keine Frage von wahr und falsch, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Eine Lösungsmöglichkeit, man löst die Frage mit Schlüssen, oder die Lösungsmöglichkeit, ein Lachen (Lachen ist immer einzeln, nicht wie weinen, niesen, hören, sehen, sprechen usf. die immer noch ein Zusätzliches z. B. das Denken voraussetzen) ist das überall und immer, immer nur einzeln, hier und dort, nicht gleichzeitig beim Frager und beim Objekt. Die Theorie lautet, die Feststellung ist nur ein leerer Satz. Sollte man die Frage stellen: Ist dieser Satz wahr oder falsch, setzt dies schon ein Nachdenken und im Grunde auch eine Antwort voraus. D. h.: Die Antwort ist wahr, so stelle ich wiederum eine Behauptung auf, die gleichwohl sinnlos ist und keine Beantwortung erfordert. Weder besteht ein Wahrheitsanspruch, noch ist dies ein sinnvoller wahrer Satz. Man kann diese Frage oder Aussage nur durch (Popper) falsifizieren, beantworten; d. h. ich kann nur feststellen das oder ob die Behauptung falsch ist. Niemals, dass sie richtig ist. Auch dann nicht, wenn ich alle Möglichkeiten von falsch ausgeschöpft habe. Eine weitere Frage ist diese nach der Lüge. Dichterlüge? Lügt der Dichter? Kann ein Dichter lügen? Diese Frage nach der Moral wird seit jeher den Dichtern vorgeworfen. In der Presse: Es gibt nichts mehr zu berichten, was Schlagzeile machen könnte. Schon gar nicht die Wahrheit ist für den Leser interessant. Es müssen Lügen sein, erfundene Schlagzeilen. Nur über das, was nicht sein kann, was nicht sein darf, wird Interesse geweckt. Jeder Mensch ist Dichter und dichtet sich seine Welt zurecht. Am Morgen liest er seine Zeitung. Die darin enthaltene Story hörte er bereits im Radio. Am Vorabend berichtete man darüber im Fernsehen. Wer nun denkt er wäre Erstleser dieses Zeitungstextes, ich meine, wer denkt er ginge völlig ohne Vorwissen an diesen Text (wie im Übrigen an jeden Text), denn ohne dieses Vorwissen, würde man seinen Verstand ausschalten, der irrt. Was aus der Zeitung spricht, ist nur subjektiv. Oder genauer, es ist objektiv, wird aber nur subjektiv wahrgenommen. Es ist sehr einfach. Begegnet uns ein Chinese, und spricht uns in seiner Landessprache zu, so verstehen wir seine Sprache nicht, aber immerhin werden wir etwas verstehen. Im einfachsten Fall verstehen wir Nichts. Wir verstehen, dass wir nichts verstanden haben, also haben wir etwas verstanden. Nämlich das, wenn einer zu uns, in einer uns unverständlichen Sprache spricht, wir nichts verstehen. Hätte er allerdings geschwiegen, so hätte er in jedem Fall zu uns gesprochen, das hieße, wir hätten verstanden, das ist ein Chinese, dessen Sprache verstehen wir nicht. Was ist das Schweigen? Das Schweigen ist kein Verschweigen, weder Absichtliches noch ein Unabsichtliches. Man schweigt von etwas, das man nicht weiß, dass man etwas verschweigt. Man sagt, aber man sagt etwas nicht. Man sagt nichts, was man denkt und verschweigt. Oder da ist nichts, man weiß nichts. Kann also auch nichts sagen, denn über nichts kann man auch nichts sagen. Da ist aber etwas, man versucht darüber zu reden. Man beginnt, darüber zu reden. Alexander von Humboldt begegnet dem Urwald, er ist beeindruckt von seiner Größe und der Artenvielfalt. Er erkennt, dass er alles wohl niemals erfassen wird. Er beginnt mit dem ersten Blatt, das er zeichnet, das er sorgfältig zwischen zwei Seiten presst. Mit diesem Darstellen des ersten Blattes verschweigt er gleichzeitig die unendliche Artenvielfalt. Über bestimmte Themen will man nicht reden, darum palavert man über belanglose Dinge. Es geht aber nun darum, dass man grundsätzlich verschweigt, und zwar Dinge, die man nicht ausdenkt, die man nicht ausformuliert die man nicht ausformulieren kann. Mit jedem Aussprechen der Historiker und der Archäologen können diese nicht erkennen, dass sie mit der Sprache nicht die Vergangenheit erklären, sondern die Vergangenheit verschweigen. Alle Dichter und Denker beschäftigte dieses Thema, auf der einen oder anderen Weise. Auch wenn ihnen nicht einmal die Frage bewusst war, was mehr spricht, die Rede oder das Schweigen. Welche Rede und welches Schweigen hätte ihre Frage heißen müssen. Dieses gleicht der Frage nach Ebbe und Flut. Man kommt zu dem Ergebnis, dass die Flut immer wieder zurückkommt. Es ist aber das Wasser, das bei Ebbe zurückgeht. Wir zitieren einen Satz zum Thema Fußnote: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dann geben wir die Fußnote an: aus § 1 Grundgesetz. Ein sehr guter, richtiger Satz. Wahrer, schöner, bedeutender Satz. Sicher dies alles. Aber spricht der Satz auch aus sich? Der gleiche Satz bei einer Beerdigungsfeier, in einem Glückskeks, der Satz auf einer Plakatwand oder einer Todesanzeige? Er besitzt Referenz und Objekt. Ist also ein richtiger Satz. Wer spricht an, wer ist angesprochen? Das Volk ist angesprochen, weiß, dass es angesprochen ist. Woher? Aus dem Schweigen, aus dem nicht Gesagten. Aus dem Wissen. Es spricht die Bundesregierung, sie spricht an. Sie zitiert das Grundgesetz. Sie verweist auf das Grundgesetz. Ohne nachzudenken, erkenne ich den Sinn aus meinem Unterbewusstsein. Ich weiß, dass ich angesprochen bin. Kann ich mir die Situation der Anwendung dieses Satzes vorstellen, so habe ich mich von diesem Satz bereits entfernt. Der Satz ist nicht meine Vorstellung. Wie bei den Speisen muss ich die einzelnen Komponenten nachvollziehen, schmecken. Gibt es einen Grund für die Regierung mir diesen Satz nun vorzustellen? Zwischen meinen Vorstellungen und denen der Regierung, diesen Satz vorzustellen, bleiben Welten, die erst erarbeitet werden müssen. Welten, die der Fall sind und entfernt von einem Satz liegen. Die auch nicht aus diesem Satz hervorgehen. Die außerhalb der Bedeutung dieses Satzes liegen. Was bedeutet hier: Grundgesetz als eine Fußnote? Im öffentlichen Verkehrsmittel greift ein, in jeder Hinsicht minderbemittelter Mann, eine andere Person an. Wir fahren dazwischen: „Bitte lassen sie diesen Mann in Ruhe“. Wir tun unsere Pflicht. Wir sind stolz, wir haben sehr recht, das Gesetz ist hinter uns. Wir verheimlichen uns selbst gegenüber, dass wir keinen Gedanken verschwenden, aus welchen sozialen Problemen und Brennstoffen der Angreifer einer solchen Handlung fähig war. Wenn wir etwas Schönes sehen, verheimlichen wir das Hässliche, wenn wir etwas Böses sehen, verheimlichen wir das Gute, wenn wir das Gute sehen, verheimlichen wir das Böse. Mit jedem Wort, mit jedem Satz, verheimlichen wir. Mit der Fußnote unterstellen wir. Wir unterstellen, mit dem Aufstellen der Fußnote, dass der Leser nicht weiß, dass der Satz aus dem Grundgesetz ist. Das Erkennen des Schwaigens erlöst uns von dem Glauben an das Wort. Das Wort, das uns veranlasst zu einem Gedankensprung hinüberzugehen, aber, woher, wohin? Sprache bleibt dem Sprecher fremd. Das Sprechen ist die Erfahrung von etwas, das dem Ich radikal fremd bleibt. Meine Idee versucht eine Brücke der Übersetzung vom „letzten Menschen“, zum „Philosophenkönigübermenschen“. Die wissenschaftliche Sprache scheint mir eine Art Obskurterrorismus nach Derrida zu sein. Sie ist unverständlich und wer sie nicht versteht, ist ein Idiot. Das ist Obskurantismus. Dieses Idiot ist der Terrorismus. So scheint es doch, dass auch der größte Unsinn, Quatsch einer Rede oder Schrift die verworren daherkommt, doch am meisten durchdacht sein kann. Der gesunde Menschenverstand ist objektiv. Er ist selbstbewusst. Das Bewusstsein jedoch ist zerrissen, offen und subjektiv für das Absolute. Offen für die Metaphysik. Sprache und Sprechen sind ein Wollen, ein Sprechenwollen, dieser Ausdruck. Jedes Sprechen vermag das Gedachte zu nennen durch seinen Willen. Solange wir denken, sprechen wir nicht, und wenn wir sprechen, denken wir nicht. Man kann das Sprechen auf das Genaueste historisch interpretieren, ohne zu erkennen, was wohl der Gedanke hinter der Sprache war.

Der Gedanke des Denkers, den dieser zur Sprache bringen will, wird vom anwesenden Sein her gedacht. Der Gedanke, der sich selbst zur Sprache bringen will, bleibt hinter dem Sprechen verborgen. Dieser Bezug, den der Denker noch zum Anwesen des Gedankens fühlt, ist die Abwesenheit seines Willens, der sich nunmehr selbst will. Die Sprache ist nicht von einem Sein her geschaffen. Vielmehr von einem Dunkelnichts spricht sie unhörbar ohne eine Stimme.

 

Das Schweigen ist nicht Sprache des Schweigens.

Das Schweigen ist in der Rede, ist nicht das Phänomen als Möglichkeit sich besonderer Erfahrung zu öffnen, indem es spricht. Diese These, dass Schweigen Erfahrungen mit sich bringt, dass es hier etwas zu wissen gibt, das was man meint, wenn man von Schweigen redet. Von Schweigen reden, das soll es geben, ebenso wie das Schweigen reden soll. Meine Theorie besagt, dass wenn geredet wird, nicht die Rede spricht, vielmehr das Schweigen redet. Hier bekommt der Wortlaut, „die Sprache des Schweigens ist nicht das Schweigen der Sprache“, eine völlig neue Bedeutung. Die Rede spricht durch das Schweigen. Nicht die Auffassung Clemens von Brentanos: >ein beredetes tiefes Schweigen<, dass dieses Schweigen Sprache hat. Hier bekommt der Satz eine neue, andere, widersprüchlichere Bedeutung. Es ist nämlich beides möglich. Das Schweigen hat Sprache und die Sprache hat Schweigen. Keine Metapher, keine Mythologie. Sprache vollzieht sich nicht als artikulierte Rede, vielmehr zeigt sich im Artikulierten, was man meint. Was der Sprecher und was der Zuhörer meint, beides. Sprache enthüllt, teilt mit, verkündet. Aber was? Nicht das Offene. Sie enthüllt das Schweigen. Sie teilt nicht mit, was sie mitteilt, sie teilt mit, was sie nicht ganz aussprechen kann, noch das, was sie denken kann, denn wenn sie denkt, denkt sie ebenfalls nur sie denkt. Man weiß es, (Binsenweisheit) warum sollte man darüber sprechen. Warum soll man überhaupt sprechen? Man schweigt, aber man schweigt laut vor sich hin, man will sich mitteilen, darum spricht man, dass der Andere etwas davon mitbekommt, dass er sich seine eigene Meinung bilden kann. Man verkündet etwas, und wenn man Glück hat, entsteht ein Ereignis. Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen man wirklich einer Meinung sein kann. Dieses Nebeneinander. Es kann auch ohne Worte geschehen. Der Moment in Goethes Werther, wo einer nur sagt „Klopstock“ und beide haben sofort begriffen. Das Schweigen in dem Wort Klopstock ist so groß, dass es ganze Bücherregale füllen könnte. Was bliebe hier weiter zu sagen? Gewiss könnte man noch viele Worte finden, aber man würde das Verstehen nur noch zerstören. Das Schweigen ist das Wesentlichere über einer beredeten Sache, als ein Reden über die Sache. Es ist hier nicht die Sprache des Schweigens, vielmehr das Schweigen in der Sprache, im Wort. Man fasst hier gerade dieses Schweigen in Worte. Nicht, dass man wie es auch geschieht, sagt, im Schweigen sind die Worte. Das hieße, sich in das anwesende Geheimnis versammeln, aber es muss hier bedeuten, sich im anwesenden Wort, im Geheimnis wieder zu finden. Wir verstummen hierbei nicht, vielmehr beginnen wir den Dialog. Die Freiheit zu denken ist wichtiger als die Wahrheit. Ich habe als Sprecher recht, aber die anderen können auch recht haben. Der Widerspruch, den Aristoteles in seinem Lehrer, Platon sieht, ist das Wahrscheinliche und nicht die Wahrheit. Die Kraft eines Textes liegt alleine in seiner Interpretation. Der Zuhörer als Interpret kann nicht anders als interpretieren. Platonisch ist hier, der Interpret und der Autor vertauschen ihre Rollen. Der Interpret wird selbst zum Autor. Als Zuhörer wird er selbst zum Sprecher. Es zählen hier die Vernunft und der Glaube nicht, es ist und bleibt die Dichtung. Wenn jemand schweigt, so sagt man auch dass er, damit etwas ausdrückt, etwas sagt. Will man aber das, was er nicht sagt, in Worte fassen, so könnte man gerade das nicht ausdrücken, was er mit seinem Schweigen sagen will. Das liegt wohl daran, dass das Gesagte immer aus dem Schweigen spricht. Zum Wesen diese Schweigens gehört, das man zwar darüber sprechen kann und muss, das die Fülle des Schweigens und die Differenz zwischen dem Schweigen des Redners und des Zuhörers es unmöglich machen, alles auszudrücken und zusammenzukommen. Reden findet über das nicht gesagte Nichtsagen statt. Daher passiert es auch, wenn wir zu viel reden, und uns zu sehr vom Schweigen entfernen, wir verstummen. Dieses Schweigen hat also nichts mit Stille zu tun. Nicht mit dem einsamen Rufer in der Wüste. Vielmehr mit dem, sich zu Wort melden. Was wir wissen müssen, steht in den Büchern. Diese werden in der Schule durch die Lehrer vermittelt. Wenn aber ein Schüler aufmüpfigerweise nachfragt. Wie ist das denn, wie stehen sie dazu, wird dieses Schweigen aufgebrochen. Vielleicht mahnt man dann zur Stille mit dem Argument, das tut hier nichts zum Unterricht. Es ist auch nicht so, dass das Schweigen in unserer Welt so selten geworden ist. Dieses klösterliche Schweigen. Vielmehr ist im ständigen Lärm und Hochbetrieb der Sprachen, eine Leere, die erst verarbeitet werden muss. Die Zeit des Sortierens ist eine Zeit von Schweigen. Wenn man so will, sortieren die Medien ständig, und als Zucker geben sie die News hinzu. Weiter weiß man nichts. Das wäre alles Schwaigen. Hierbei sagt Kierkegaard >das Erste, das man tun muss, ist dies: Schaffe Schweigen<. Hier denkt er wohl eher, dass man zuhören soll. Wir können zwar zuhören, wenn jemand schweigt, aber das wäre ein Monolog. Zuhören, was einer verschweigt, was einer schweigt, kann man nur im Dialog. Man muss reden, darauf kommt es an. Wittgensteins Schweigeprozession ist tot. Man kann das Schweigen, wie man bisher sagte, hören mit den Ohren, mit den Augen, mit Nase und Mund und mit dem Herzen. Zum Schweigen aber kommen wir nur durch Reflexion im Nachdenken. Wenn Nikolaus von Kues nun berichtet, dass ihm im Schweigen der Betrachtung, Gott in seinem Herzen antwortet, so mag dies allein für Nikolaus von Kues zutreffen. Das muss jeder selbst wissen, ob er dies als Selbstgespräch oder Dialog betrachtet. Wir als Menschen entfernen uns zwar immer mehr vom Wort; indem wir nachdenken, finden wir im Wort das, was uns ausmacht, für uns. Wir kommen also durch alle Informationen näher zu uns. Dieses Reden und Sprechen ruft uns zu uns zurück, wir öffnen uns zu eigener Beachtung. Freudesatz: Das Wort stirbt, ehe es ausgesprochen ist. Das Schwaigen der Lämmer, dasselbe Schreien im Anblick des Todes, das von Menschen gemachte Schreien das seit der Geburt, dieses immerzu erneut >Sprechenmüssen<. Warum, dann diese Stille. Dieses Schweigen. Dieser förmliche Widerspruch, das, was uns am wahrscheinlichsten scheint, ist nicht die Wahrheit. Besser scheint es frei zu sein, als die Wahrheit zu besitzen. Einige glauben die Wahrheit ist im Wort, aber die Wahrheit enthält das Wort. Die Kraft eines Textes verliert sich innerhalb der Interpretation. Der Interpret wird zum Autor, er vertauscht die Position.

 

Das Sprachspiel ist keine Treppe.

Das Gedicht darf sich seine Dunkelheit bewahren, nein es muss sich vom Schatten des Menschen lösen und als ein sprachloses Schweigen ins Licht treten, aus allen Finsternissen. Buchstäblich trennt es sich von dem zuvor zitierten, wortwörtlichen Gerede. Gegen das mittelbare Verstehen für dieses Unmittelbare verbinden des Grundes vom Menschen zum Menschlichen. Das Schweigen ist unerkennbar, unaussprechbar und also nicht wahr. Darüber sollte man nicht nachdenken, noch ihm Nachspüren. Allerdings muss man wissen, dass es immer bei jeder Rede und jedem Sprechen, jedem Wort, bereits darin enthalten ist. Wenn aber das Zweideutige, funktionierend zwischen dem Diskurs und dem Ereignis, also diese Differenz, der Abstand zum Nichts des Schweigens verschwinden, bleibt etwas als von einem Datum her Gedachtes, was die wahre Wirklichkeit ist, unartikuliert! Das die Dunkelheit des schweigenden Nichts, die Einzige wahre Wirklichkeit ist. Heraklit: „Zu hören, verstehen Sie, nicht noch zu sprechen“. Die Sprache aber ist das Recht des Menschen, das er geltend zu machen hat. Alleine die Kraft des Sprechens, so ist meine These zu verstehen, fließt aus der Anerkennung der Notwendigkeit der Phänomene, zu denen die Sprache Distanz bezieht.


Meine Gedichte haben mit Philosophie zu tun, meine Lyriktheorie hat mit der Philosophie zu tun, meine Theorien haben mit dem Schwaigen zu tun, meine Philosophie hat mit schweigen zu tun, meinen Dichtung hat mit schweigen zu tun.

 

Inwieweit aber kann man das Bewusstsein eines Menschen, sein Denken, mit ihm in Zusammenhang bringen?

Das Sprechen erkenne ich wie es Bergson mit dem Surfer sieht, der versucht, und immer wieder versucht, eine Welle zu reiten bis zum Ende. So stirbt auch der Satz, das Wort und das Buch mit ihrem Verstummen.

Fotos

 

NEUERSCHEINUNG

In Hardcover, Softcover und als E-Book

Das philosophische Werk:

SCHWAIGEN & NICHTSZ –

Die unerhörte Wende

   

Autor: Manfred H. Freude

Kategorie: Wissenschaft Philosophie und Geisteswissenschaften

Preis: 69,85 €

Kundenbewertung:     

Hardcover | Wissenschaft | 480 Seiten s/w | ISBN: 978-3-8442-1662-2

Deutsch | Altersempfehlung: ab 18 Jahren | Erscheinungsdatum: 15.02.2012

Schlagworte:

Philosophie, Geisteswissenschaft, Sprachphilosophie, Germanistik,

Diese Theorie des Schwaigen Was kann ein Dichter sagen? Von Manfred H. Freude Kann ein Dichter überhaupt etwas sagen und wie kann er es sagen? Die Sprache ist der unaufhörlich fließende Fluss in den man nie zweimal steigt. Das unbewegte Ich fordert mit Wiedererinnern und Apriori die Wahrheit. Sprache ist fließend. Wir haben dahin gehend erkannt, dass wir denkend schauen (Theorein), dass Dinge, die wir sehen, eigentlich erst in unserem Kopf gebildet werden. Wir müssen nun umdenken, das nicht wie wir bisher zu beweisen versuchten, die Dinge in unserem Kopf in die Sprache abbilden, sondern, das wir die Schrift und die Sprache ebenfalls durch hören, über das Sehen denkend erfasst werden. Es ist doch wissenschaftlich nicht nachzuvollziehen, das ein Wissenschaftler denkt, seine Sprache wäre präziser als die Aussage eines welken Blattes. Dichterlüge? Lügt der Dichter? Kann ein Dichten lügen? Diese Frage nach der Moral wird seit jeher Dichtern vorgeworfen. In der Presse:!

  Es gibt nichts mehr zu berichten, was Schlagzeile machen könnte, bisher aus einem machen könnte. Schon gar nicht die Wahrheit ist für den Leser interessant. Es müssen Lügen sein, erfundene Schlagzeilen. Nur über das was nicht sein kann, was nicht sein darf wird Interesse geweckt. Jeder Mensch ist Dichter und dichtet sich seine Welt zu Recht. Am Morgen liest er seine Zeitung. Die darin enthaltene Story hörte er bereits im Radio. Am Vorabend berichtete man darüber im Fernsehen. Wer nun denkt er wäre Erstleser dieses Zeitungstextes, ich meine, wer denkt er ginge völlig ohne Vorwissen an diesen Text, ohne dieses Vorwissen, würde man seinen Verstand ausschalten, der irrt. Was aus der Zeitung spricht ist nur subjektiv. Oder genauer, es ist objektiv, wird aber nur subjektiv wahrgenommen. Es ist sehr einfach. Begegnet uns ein Chinese, und spricht uns in seiner Landessprache zu, so verstehen wir seine Sprache nicht, aber immerhin werden wir etwas verstehen. Im einfachste!

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 haben, also haben wir etwas verstanden. Nämlich das, wenn einer zu uns in einer uns unverständlichen Sprache spricht wir nichts verstehen. Hätte er allerdings geschwiegen, so hätte er in jedem Fall zu uns gesprochen, das hieße, wir hätten verstanden, das ist ein Chinese, dessen Sprache verstehen wir nicht. Was ist das Schweigen? Das Schweigen ist kein Verschweigen, weder Absichtliches noch ein Unabsichtliches. Man schweigt von etwas, das man nicht weiß dass man etwas verschweigt. Man sagt, aber man sagt etwas nicht. Man sagt nichts, was man denkt und verschweigt. Oder da ist nichts, man weiß nichts. Kann also auch nichts sagen, denn über nichts kann man auch nichts sagen. Da ist aber etwas, man versucht darüber zu reden. Man beginnt darüber zu reden. Alexander von Humboldt begegnet dem Urwald, er ist beeindruckt von seiner Größe und der Artenvielfalt. Er erkennt, dass er alles wohl niemals erfassen wird. Er beginnt mit dem ersten Blatt das er zeichnet dass er s!

 orgfältig zwischen zwei Seiten presst. Mit diesem Darstellen des ersten Blattes, verschweigt er gleichzeitig die unendliche Artenvielfalt. Über bestimmte Themen will man nicht reden, darum palavert man über belanglose Dinge. Es geht aber nun darum, das man grundsätzlich verschweigt und zwar Dinge die man nicht ausdenkt, die man nicht aus formuliert die man nicht ausformulieren kann. Mit jedem Aussprechen, der Historiker und der Archäologe können nicht erkennen, das sie mit der Sprache nicht die Vergangenheit erklären sondern die Vergangenheit verschweigen. Alle Dichter und Denker beschäftigte dieses Thema auf der einen oder anderen Weise. Auch wenn ihnen nicht einmal die Frage bewusst war, was mehr spricht, die Rede oder das Schweigen. Welche Rede und welches Schweigen hätte ihre Frage heißen müssen. Des gleicht der Frage nach Ebbe und Flut. Man kommt zu dem Ergebnis, das die Flut immer wieder zurückkommt.

 

SCHWAIGEN & NICHTSZ –

Die unerhörte Wende

  

Autor: Manfred H. Freude

Kategorie: Wissenschaft Philosophie und Geisteswissenschaften

Preis: 7,99 €

Dateiformat: PDF

Deutsch | Altersempfehlung: ab 18 Jahren | Erscheinungsdatum: 15.02.2012

Schlagworte: Philosophie, Geisteswissenschaft, Sprachphilosophie, Germanistik,

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Die unerhörte Wende

  

Autor: Manfred H. Freude

Kategorie: Wissenschaft Philosophie und Geisteswissenschaften

Preis: 59,85 €

 

Ausführliche Beschreibung:

Sprachspiel, Sprechakttheorie und Privatsprache.

Allgemein sprechen wir bei einem Sprachspiel von „allgemeinen“ Äußerungen. Es sind also keine eindeutigen Äußerungen. Trotzdem soll die Sprache, Regeln folgen; so wie ein Spiel, ebenfalls Regeln befolgt. Aber ist die Regel, das, was ein Spiel ausmacht, im Gegensatz zur Sprache? Folgen wir nicht richtiger eher Richtlinien? Innerhalb eines praktischen Zusammenhangs versteht man jede Äußerung als Sprachspiel. Klären wir nicht, dass es bei einem Spiel einen Sieger gibt. Ich erwähne hier vorsätzlich nicht den Verlierer. Die ... weiterlesen »

 

Softcover | Wissenschaft | 480 Seiten s/w | ISBN: 978-3-8442-1887-9

Deutsch | Altersempfehlung: ab 18 Jahren | Erscheinungsdatum: 16.02.2012

Schlagworte:

Philosophie, Geisteswissenschaft, Sprachphilosophie, Germanistik, Literatur

 

SCHWAIGEN & NICHTSZ –

Die unerhörte Wende

  

Autor: Manfred H. Freude (Autor)

Kategorie: Wissenschaft Philosophie und Geisteswissenschaften

Preis: 7,99 €

 

Beschreibung:

Sprachspiel, Sprechakttheorie und Privatsprache.

Allgemein sprechen wir bei einem Sprachspiel von „allgemeinen“ Äußerungen. Es sind also keine eindeutigen Äußerungen. Trotzdem soll die Sprache, Regeln folgen; so wie ein Spiel, ebenfalls Regeln befolgt. Aber ist die Regel, das, was ein Spiel ausmacht, im Gegensatz zur Sprache? Folgen wir nicht richtiger eher Richtlinien? Innerhalb eines praktischen Zusammenhangs versteht man jede Äußerung als Sprachspiel. Klären wir nicht, dass es bei einem Spiel einen Sieger gibt. Ich erwähne hier vorsätzlich nicht den Verlierer. Die ... weiterlesen »

Dateiformat: PDF

Deutsch | Altersempfehlung: ab 18 Jahren | Erscheinungsdatum: 16.02.2012

Schlagworte:

Philosophie, Geisteswissenschaft, Sprachphilosophie, Germanistik, Literatur

 

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Die Ganze Wahrheit

Von Manfred H. Freude 

 

Die Philosophie auf der Suche nach [der] Wahrheit - hat bis heute nur eine vage Menge, miteinander streitender Wahrheiten gefunden. Jeder Mensch hat eine Menge Wahrheit und jeder verkörpert, objektiv seine eigene Wahrheit. Zwischen Wahrheit und Wahrheit besteht eine tiefe Kluft, die zunächst unüberwindbar scheint. Aber es scheint auch nichts zu geben, was das menschliche Gehirn nicht überwinden könnte. Die Wahrheit ist also lediglich das, was wir selbst denken. Aber Achtung, nicht das was wir denken zu denken, sondern das was wir nicht wissen, das wir es wissen. Alles was wir reden und ausdrücken ist schon nicht mehr wahr, weder für uns noch für den anderen, der es einer Prüfung unterzieht. Wir können es allerdings für wahr halten, oder es für wahr ausgeben, oder noch soviel dazu erzählen, dass es anscheinend wahr sein könnte. Wir könnten ein Buch darüber schreiben und so gesehen sind alle Bücher irgendwie Romane. Der Schriftsteller hat die Handlung so oder so schon erlebt oder einmal gehört und sie scheint wahr zu sein; aber seine Geschichte ist natürlich völlig frei erfunden und an den Haaren herbeigezogen. Selbst ein performativer Akt ist niemals wahr und eine Handlung, wie eine Eheschließung, ist nur aufgrund konventioneller, kultureller Vereinbarungen bindend wahr. Wir dürfen dann einfach nicht denken. Sobald wir denken, müssen wir erkennen, dass eine Hochzeit nur Firlefanz ist, so, wie wir das Tragen des Kopftuches, oder verschiedene Beerdigungsriten, nicht verstehen können. Alle Dinge, die wir aussprechen, nehmen wir aber aus guten Gründen für wahr. Boris Groys, der das Buch über die Einführung in die Antiphilosophie schrieb, wurde in Ost-Berlin geboren. Hier musste ihm doch wohl schon aufgefallen sein, dass für West-Berlin eine völlig andere Wahrheit galt. Was ist das überhaupt, ein Anti? Sitzen alle im gleichen Boot und sind dann Antiruderer oder was? Kommt Groys am Ende doch zu keinem Ergebnis, was die Antiphilosophie ist, so gibt es zwei Wahrheiten. Erstens, er schrieb ja nur eine Einführung in die Antiphilosophie oder zweitens ihm fiel auch, bei seinen Recherchen keine weitere Lösung ein, es gibt eben eine Philosophie und eine Antiphilosophie. Wie beim Parmenides gibt es das eine das ist und das eine das nicht ist. Doch dessen Göttin behauptete schon, die Menschen sind blöde, weil sie MEINEN mit WISSEN verwechseln. Nun gibt es aber eine Lösung für Herr Groys. Das ist nicht die ungeschriebene Lehre des Platon, über die man nicht schreiben könnte, und auch nicht Wittgensteins, worüber man nicht reden kann, über beides müsste man schweigen. Es ist das, was in der Weiterentwicklung der kantischen Vernunft, oder besser in deren Entwicklung, sowie in den Sprachtheorien Wittgensteins, Austins, Russel, zu kurz greift. Man besitzt die beiden Möglichkeiten, entweder man redet oder man schweigt. Man könnte in jeder Form Wahrheit herausholen. Die Philosophie ging dahin, dass sie auf der anderen Seite das Schweigen als ein Reden interpretierte und das es eine nennen wir es Letztbegründung oder besser nur X, nicht gibt und darüber kann man auch nichts aussagen. Diese Konsequenzen kann man heute nicht mehr so halten! Lassen sie es mich so sagen:  Wir sagen nie etwas ganz. Alles was wir sagen oder nicht sagen ist nichts. Die Wahrheit kennen wir letztlich wie o. a. selbst nicht. Wir schreiben ein Buch, sagen wir über Antiphilosophie, wir wissen hierüber sehr viel und können sehr viel schreiben. Aber wir wissen eigentlich nichts und was viel interessanter ist, wir sagen und schreiben auch nichts, denn wir müssen uns diese Sätze Selbstinterpretieren und der Leser (was wir womöglich auch noch beabsichtigen) muss aufgrund unseres Buches seine eigenen Gedanken machen. Selbst interpretieren und denken. Das heißt, wir können mit einem Wort, einem Satz oder einem Buch eigentlich nichts anfangen. Es sagt uns Nichts, es ist wie eine Erfurter Raufasertapete. Erst wenn wir uns damit beschäftigen, unser Vorwissen herauskramen, weiter informieren, können wir aus den Brubbeln auf der Raufasertapete einen Sinn entwickeln. In dieser Zeit aber entsteht eine zeitliche Differenz, von Sekunden bis zu Jahren. Diese nenne ich Schweigen (Schwaigen). Wir können selbst nicht erkennen, was wir sagen, wir müssen es interpretieren. Boris Groys erklärt es dahin gehend, dass es zweieiige Zwillinge sind, die Philosophie und die Antiphilosophie. In jedem Ding steckt auch das Antiding, wie auch in jedem Reden das Schweigen implizit enthalten ist. Es ist aber das, das beide vom gleichen Stamm sind, eine geniale Metapher. Das Reden ist nämlich das Schweigen! Sowie das Hören ebenso das lautlose Nichts ist! Und doch entsteht aus beidem, aus Schweigen und aus Nichts, so etwas wie Denken und Welt, mit allem was der Fall ist, ein steter Nachschub im Warenhaus der Ideen. Wahrheit ist, was der Fall ist, Wahrheit hat man nicht und sagt man nicht, Wahrheit muss man erst erkennen durch Prüfung. Es ist nach Austin nicht so, das unsere Sinne getäuscht wurden, wenn wir etwas falsch erkennen, als vielmehr haben unsere Sinne etwas falsch erkannt! Wir glauben, wenn wir etwas wahrnehmen, das wir es wahrnehmen, weil wir es erkennen. Wenn wir aber als ein Beispiel das hierhin passt, das Wort hermeneutisch so lesen, als hätten wir hermetisch gelesen. Wir haben uns also einfach verlesen. So gehen wir davon aus, dass dieses falsche Wort, richtig war. Wie können wir dann erkennen und sagen, das richtige Wort sei wahr, wenn wir nicht einmal sicher sein können, dass wir uns nicht verlesen haben? Wir können also niemals sicher sein, ob wir das Richtige sagen. Wie können wir dann ernsthaft etwas sagen? Alles, was wir sagen, muss unser Verstand erst einmal prüfen, ob und wie wir, etwas wahrnehmen. Das Wahre ist ständig im Streit zwischen Schweigen und Nichts. Der Augenzeuge hat etwas gesehen, aber das, was er gesehen hat, sind nur Sinnesdaten und er kann sprachlich nur aus diesen Sinnesdaten schöpfen. Wenn wir, was wir uns erinnern, besprechen, wird es verändert und es verändert, ob es wahr ist oder falsch. Wenn wir es aber behalten, also nicht aussprechen können, haben wir keinen Maßstab mehr, ob es wahr ist oder falsch. Worte sind weder wahr noch falsch. Erst wenn wir sie aussprechen, aneinanderrgereiht zu Sätzen und urteilen, können wir entscheiden ob an ihnen etwas Wahrheit ist.

Dichtung verändert, indem sie gelesen wird, so auch ob sie wahr oder falsch ist; Dichtung lügt immer. Wenn man sagt, was ein Gedicht alles nicht bedeutet (also was alles nicht falsch ist), findet überhaupt keine Interpretation statt.

Das Nichtsz und der Unsinn haben keine Wahrheitsbedingungen. Denn sie sind bedingungslos wahr (Kontradiktion: unter keiner Bedingung wahr). Sie sind Ohnsinn. Unsinn heisst auch lächerlich, Karrikatur und bedeutungslos. Verstand kennt keine Wunder und keinen Glauben. Wenn auch jemand sagt, man sei ein Narr, so ist es doch nicht weniger als Crassus zu Domitius sagt, der über seinen toten Fisch mehr Tränen vergoss als dieser zum Tod seiner Frauen. Der heilige Antonius von Padua glaubte es sei sinnvoller den Fischen zu predigen als den Menschen. Worte, die nicht natürlich sind, also künstlich (Artefakte), verlieren ihren Sinn im Ausgesprochenen.

 

Erkenntnistheorie: Ist der Satz wahr oder nicht wahr

Es gibt keine sinnvollen wahren Sätze, es gibt nur einfach Sätze, es besteht keine Frage von wahr und falsch, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Eine Lösungsmöglichkeit man löst die Frage mit Schlüssen, oder die Lösungsmöglichkeit, das Lachen (das Lachen ist immer einzeln, nicht wie weinen, niesen, hören, sehen, sprechen usf. die immer noch ein Zusätzliches z. B. das Denken voraussetzen) ist das überall und immer, immer nur einzeln, hier und dort, nicht gleichzeitig beim Frager und beim Objekt. Eine Theorie lautet, es besteht keine Frage von wahr und falsch, die Feststellung ist nur ein leerer Satz, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Sollte man die Frage stellen: Ist dieser Satz wahr oder falsch, setzt dies schon ein Nachdenken und im Grunde auch eine Antwort voraus. D. h. sage ich: Die Antwort ist wahr, so stelle ich wiederum eine Behauptung auf, die gleichwohl sinnlos ist und keine Beantwortung erfordert, weder besteht ein Wahrheitsanspruch, noch ist dies ein sinnvoller wahrer Satz. Man kann diese Frage oder Aussage nur durch (Popper) falsifizieren, beantworten; d. h. ich kann nur feststellen das oder ob die Behauptung falsch ist. Niemals das sie richtig ist. Auch dann nicht, wenn ich alle Möglichkeiten, von falsch ausgeschöpft habe. Eine weitere Frage ist diese nach der Lüge. Dichterlüge? Lügt der Dichter? Kann ein Dichten lügen? Diese Frage nach der Moral wird seit jeher Dichtern vorgeworfen. In der Presse: Es gibt nichts mehr zu berichten, was Schlagzeile machen könnte, bisher aus einem machen könnte. Schon gar nicht die Wahrheit ist für den Leser interessant. Es müssen Lügen sein, erfundene Schlagzeilen. Nur über das, was nicht sein kann, was nicht sein darf, wird Interesse geweckt. Jeder Mensch ist Dichter und dichtet sich seine Welt zu Recht. Am Morgen liest er seine Zeitung. Die darin enthaltene Story hörte er bereits im Radio. Am Vorabend berichtete man darüber im Fernsehen. Wer nun denkt er wäre Erstleser dieses Zeitungstextes, ich meine, wer denkt er ginge völlig ohne Vorwissen an diesen Text, ohne dieses Vorwissen, würde man seinen Verstand ausschalten, der irrt. Was aus der Zeitung spricht, ist nur subjektiv. Oder genauer, es ist objektiv, wird aber nur subjektiv wahrgenommen. Es ist sehr einfach. Begegnet uns ein Chinese, und spricht uns in seiner Landessprache zu, so verstehen wir seine Sprache nicht, aber immerhin werden wir etwas verstehen. Im einfachsten Fall verstehen wir Nichts, wir verstehen, dass wir nichts verstanden haben, also haben wir etwas verstanden. Nämlich das, wenn einer zu uns, in einer uns unverständlichen Sprache spricht, wir nichts verstehen. Hätte er allerdings geschwiegen, so hätte er in jedem Fall zu uns gesprochen, das hieße, wir hätten verstanden, das ist ein Chinese, dessen Sprache verstehen wir nicht. Was ist das Schweigen? Das Schweigen ist kein Verschweigen, weder Absichtliches noch ein Unabsichtliches. Man schweigt von etwas, das man nicht weiß, dass man etwas verschweigt. Man sagt, aber man sagt etwas nicht. Man sagt nichts, was man denkt und verschweigt. Oder da ist nichts, man weiß nichts. Kann also auch nichts sagen, denn über nichts kann man auch nichts sagen. Da ist aber etwas, man versucht darüber zu reden.  Man beginnt, darüber zu reden. Alexander von Humboldt begegnet dem Urwald, er ist beeindruckt von seiner Größe und der Artenvielfalt. Er erkennt, dass er alles wohl niemals erfassen wird. Er beginnt mit dem ersten Blatt, das er zeichnet, dass er sorgfältig zwischen zwei Seiten presst. Mit diesem Darstellen des ersten Blattes verschweigt er gleichzeitig die unendliche Artenvielfalt. Über bestimmte Themen will man nicht reden, darum palavert man über belanglose Dinge. Es geht aber nun darum, dass man grundsätzlich verschweigt, und zwar Dinge, die man nicht ausdenkt, die man nicht aus formuliert die man nicht ausformulieren kann. Mit jedem Aussprechen, der Historiker und der Archäologe können nicht erkennen, dass sie mit der Sprache nicht die Vergangenheit erklären, sondern die Vergangenheit verschweigen. Alle Dichter und Denker beschäftigte dieses Thema auf der einen oder anderen Weise. Auch wenn ihnen nicht einmal die Frage bewusst war, was mehr spricht, die Rede oder das Schweigen. Welche Rede und welches Schweigen hätte ihre Frage heißen müssen. Des gleicht der Frage nach Ebbe und Flut. Man kommt zu dem Ergebnis, das die Flut immer wieder zurückkommt. Es ist aber das Wasser, das bei Ebbe zurückgeht. Fußnote, wir zitieren einen Satz zum Thema Fußnote: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dann geben wir die Fußnote an: aus § 1 Grundgesetz. Ein sehr guter, richtiger Satz. Wahrer, schöner, bedeutender Satz. Sicher dies alles. Aber spricht der Satz auch aus sich? Der gleiche Satz bei einer Beerdigungsfeier, in einem Glückskeks, der Satz auf einer Plakatwand oder einer Todesanzeige. Er besitzt Referenz und Objekt. Ist also ein richtiger Satz. Wer spricht an, wer ist angesprochen? Das Volk ist angesprochen, weiß das es angesprochen ist. Woher? Aus dem Schweigen, aus dem nicht gesagten. Aus dem Wissen.  Es spricht die Bundesregierung, sie spricht an. Sie zitiert das Grundgesetz. Sie verweist auf das Grundgesetz. Ohne nachzudenken, erkenne ich den Sinn aus meinem Unterbewusstsein. Ich weiß, dass ich angesprochen bin. Kann ich mir die Situation der Anwendung dieses Satzes vorstellen, so habe ich mich von diesem Satz bereits entfernt. Der Satz ist nicht meine Vorstellung. Wie bei den Speisen muss ich die einzelnen Komponente nachvollziehen, schmecken. Gibt es einen Grund für die Regierung mir diesen Satz nun vorzustellen? Zwischen meinen Vorstellungen und denen der Regierung diesen Satz vorzustellen, sind Welten, die erst erarbeitet werden müssen. Welten, die der Fall sind und entfernt von diesem Satz liegen. Die auch nicht aus diesem Satz hervorgehen. Die außerhalb der Bedeutung dieses Satzes liegen. Was bedeutet hier: Grundgesetz als Fußnote? Im öffentlichen Verkehrsmittel greift ein in jeder Hinsicht minderbemittelter Mann eine andere Person an. Wir fahren dazwischen: Bitte lassen sie diesen Mann in Ruhe. Wir tun unsere Pflicht. Wir sind stolz, wir haben sehr recht, das Gesetz ist hinter uns. Wir verheimlichen uns selbst gegenüber, dass wir keinen Gedanken verschwenden, aus welchen sozialen Problemen und Brennstoffen der Angreifer einer solchen Handlung fähig war. Wenn wir etwas Schönes sehen, verheimlichen wir das Hässliche, wenn wir etwas Böses sehen, verheimlichen wir das Gute. Mit jedem Wort, mit jedem Satz, verheimlichen wir. Mit der Fußnote unterstellen wir. Wir unterstellen, mit dem Aufstellen der Fußnote, das der Leser nicht weiß, das der Satz aus dem Grundgesetz ist. Das Erkennen des Schwaigen erlöst uns von dem Glauben an das Wort. Das Wort, das uns veranlasst zu einem Gedankensprung hinüberzugehen, aber, woher, wohin? Sprache bleibt dem Sprecher fremd. Das Sprechen ist die Erfahrung von etwas, das dem Ich radikal fremd bleibt. Meine Idee versucht eine Brücke der Übersetzung vom „letzten Menschen“, zum „Philosophenkönigübermenschen“.

Die wissenschaftliche Sprache scheint mir eine Art Obskurterrorismus nach Derrida zu sein. Sie ist unverständlich und wer si nicht versteht, ist ein Idiot. Das ist Obskurantismus. Dieses Idiot ist Terrorismus.

So scheint es doch, das auch der größte Unsinn, Quatsch einer Rede oder Schrift die verworren daherkommt, doch am meisten durchdacht sein kann. Der gesunde Menschenverstand ist objektiv. Er ist selbstbewusst. Das Bewusstsein jedoch ist zerrissen, offen und subjektiv für das absolut, offen für die Metaphysik. Sprache und Sprechen sind ein wollen, ein Sprechenwollen, dieser Ausdruck. Jedes Sprechen vermag das Gedachte zu nennen durch den Willen. Solange wir denken, sprechen wir nicht, und wenn wir sprechen, denken wir nicht. Man kann das Sprechen auf das Genaueste historisch interpretieren, ohne zu erkennen, was wohl der Gedanke hinter der Sprache war.

Der Gedanke des Denkers, den dieser zur Sprache bringen will, wird vom anwesenden Sein her gedacht. Der Gedanke, der sich selbst zur Sprache bringen will. Dieser Bezug, den der Denker noch zum Anwesen des Gedankens fühlt, ist die Abwesenheit seines Willens, der sich nunmehr selbst will. Die Sprache ist nicht von einem Sein her geschaffen. Vielmehr von einem Dunkelnichts, spricht sie unhörbar ohne eine Stimme.

Das Schweigen ist nicht die Sprache des Schweigens.

Das Schweigen ist in der Rede, ist nicht das Phänomen als Möglichkeit sich besonderer Erfahrung zu öffnen in dem Es spricht. Die These, dass Schweigen Erfahrungen mit sich bringt, das es hier etwas zu wissen gibt, das was man meint, wenn man von Schweigen redet. Von Schweigen reden, das soll es geben, ebenso wie das Schweigen reden soll. Meine Theorie aber besagt, das wenn geredet wird nicht die Rede spricht, vielmehr das Schweigen redet. Hier bekommt der Wortlaut, die Sprache des Schweigens ist nicht das Schweigen der Sprache eine völlig neue Bedeutung. Die Rede spricht durch das Schweigen. Nicht die Auffassung Clemens von Brentanos: >ein beredetes tiefes Schweigen<, dass das Schweigen Sprache hat. Hier bekommt der Satz eine neue, andere, widersprüchlichere Bedeutung. Es ist nämlich beides möglich. Das Schweigen hat Sprache und die Sprache hat Schweigen. Keine Metapher, keine Mythologie. Sprache vollzieht sich nicht als artikulierte Rede, vielmehr zeigt sich im Artikulierten, was man meint. Was der Sprecher und was der Zuhörer meint, beides. Sprache enthüllt, teilt mit, verkündet. Aber was? Nicht das Offene. Sie enthüllt das Schweigen. Sie teilt nicht mit, was sie mitteilt, sie teilt mit, was sie nicht ganz aussprechen kann, noch das, was sie denken kann, denn wenn sie denkt, denkt sie ebenfalls nur sie denkt. Man weiß es, warum soll man darüber sprechen. Warum soll man überhaupt sprechen? Man schweigt, aber man schweigt laut vor sich hin, man will sich mitteilen, darum spricht man, dass der andere etwas davon mitbekommt, das er seine eigene Meinung sich bilden kann. Man verkündet etwas, und wenn man Glück hat, entsteht ein Ereignis. Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen man wirklich einer Meinung sein kann. Dieses Nebeneinander. Es kann auch ohne Worte geschehen. Der Moment in Goethes Werther, wo einer nur sagt „Klopstock“ und beide haben sofort begriffen. Das Schweigen in dem Wort Klopstock ist so groß, dass es ganze Bücherregale füllen könnte. Was bliebe hier weiter zu sagen? Gewiss könnte man noch viele Worte finden, aber man würde das Verstehen nur noch zerstören. Das Schweigen ist das Wesentlichere über die beredete Sache als ein Reden über die Sache. Es ist hier nicht die Sprache des Schweigens, vielmehr das Schweigen in der Sprache, im Wort. Man fasst hier gerade dieses Schweigen in Worte. Nicht, dass man, wie auch geschieht, sagt, im Schweigen sind die Worte. Das hieße sich in das anwesende Geheimnis versammeln, aber es muss hier bedeuten sich im anwesenden Wort im Geheimnis wiederfinden. Wir verstummen hierbei nicht, vielmehr beginnen wir den Dialog. Die Freiheit zu denken ist wichtiger als die Wahrheit. Ich habe als Sprecher recht, aber die anderen können auch recht haben. Der Widerspruch, den Aristoteles in Platon sieht ist das Wahrscheinliche und nicht die Wahrheit. Die Kraft eines Textes liegt alleine in seiner Interpretation. Der Zuhörer als Interpret kann nicht anders als interpretieren. Platonisch ist hier, der Interpret und der Autor vertauschen ihre Rollen. Der Interpret wird selbst zum Autor. Als Zuhörer wird er selbst zum Sprecher. Es zählen hier die Vernunft und der Glaube nicht, es ist und bleibt die Dichtung. Wenn jemand schweigt, so sagt man auch das er damit etwas ausdrückt, etwas sagt. Will man aber das, was er nicht sagt, in Worte fassen, so könnte man gerade das nicht ausdrücken, was er mit seinem Schweigen uns sagen will. Das liegt wohl daran, dass das Gesagte immer aus dem Schweigen spricht. Zum Wesen diese Schweigens aber gehört, das man zwar darüber sprechen kann und muss, das die Fülle des Schweigens und die Differenz zwischen dem Schweigen des Redners und des Zuhörers es unmöglich machen alles auszudrücken und zusammenzukommen. Reden findet über das nicht gesagte Nichtsagen statt. Daher passiert es auch, wenn wir zu viel reden und uns zu sehr vom Schweigen entfernen, wir verstummen. Dieses Schweigen hat also nichts mit Stille zu tun. Nicht mit dem einsamen Rufer in der Wüste. Vielmehr mit dem sich zu Wort melden. Was wir wissen müssen, steht in den Büchern. Diese werden in der Schule durch den Lehrer vermittelt. Wenn aber ein Schüler aufmüpfigerweise nachfragt. Wie ist das denn, wie stehen sie dazu Frau Lehrerin, wird dieses Schweigen aufgebrochen. Vielleicht mahnt sie dann zur Stille mit dem Argument, das tut hier nichts zum Unterricht. Es ist auch nicht so, dass das Schweigen in unserer Welt so selten geworden ist. Dieses klösterliche Schweigen. Vielmehr ist im ständigen Lärm und Hochbetrieb der Sprachen eine Leere, die erst verarbeitet werden muss. Die Zeit des Sortierens ist eine Zeit von Schweigen. Wenn man so will sortieren die Medien ständig und als Zucker geben sie die News hinzu. Weiter weiß man nichts. Das wäre alles, Schweigen. Hierbei sagt Kierkegaard >das Erste, das man tun muss, ist dies: Schaffe Schweigen<. Hier denkt er wohl eher, dass man zuhören soll. Wir können zwar zuhören, wenn jemand schweigt, aber das wäre ein Monolog. Zuhören, was einer verschweigt, was einer schweigt, kann man nur im Dialog. Man muss reden, darauf kommt es an. Wittgensteins Schweigeprozession ist tot. Man kann das Schweigen wie man bisher sagte hören, mit den Ohren, mit den Augen, mit Nase und Mund, mit dem Herzen. Zum Schweigen aber kommen wir nur durch Reflexion im Nachdenken. Wenn Nikolaus von Cues nun berichtet, das ihm im Schweigen der Betrachtung Gott in seinem Herzen antwortet, so mag dies allein für Nicolaus von Cues zutreffen. Das muss jeder selbst wissen ob er dies als Selbstgespräch oder Dialog betrachtet. Wir als Menschen entfernen uns zwar immer mehr vom Wort; in dem wir nachdenken finden wir im Wort das, was uns ausmacht für uns. Wir kommen also durch alle Informationen näher zu uns. Dieses Reden und Sprechen ruft uns zu uns zurück, wir öffnen uns zu eigener Beachtung. Freudessatz: Das Wort stirbt, ehe es ausgesprochen ist. Das Schwaigen der Lämmer, dasselbe Schreien im Anblick des Todes, das von Menschen gemachte Schreien das seit der Geburt, dieses immerzu erneut >sprechenmüssen<. Warum, dann diese Stille. Dieses Schweigen. Dieser förmliche Widerspruch, das, was uns am wahrscheinlichsten scheint, ist nicht die Wahrheit. Besser scheint es frei zu sein als die Wahrheit zu besitzen. Einige glauben die Wahrheit ist im Wort, aber die Wahrheit enthält das Wort. Die Kraft eines Textes verliert sich innerhalb der Interpretation. Der Interpret wird zum Autor, er vertauscht die Position.

 

Das Sprachspiel ist keine Treppe.

Das Gedicht darf sich seine Dunkelheit bewahren, nein muss sich vom Schatten des Menschen lösen und als ein sprachloses Schweigen ins Licht treten aus allen Finsternissen. Buchstäblich trennt es sich von dem zuvor zitierten wortwörtlichen Gerede. Gegen das mittelbare Verstehen für dieses Unmittelbare verbinden des Grundes vom Mensch zum Menschlichen. Das Schweigen ist unerkennbar, unaussprechbar und also nicht wahr. Darüber sollte man nicht nachdenken, noch ihm Nachspüren. Allerdings muss man wissen, dass es immer bei jeder Rede und jedem Sprechen, jedem Wort, bereits darin enthalten ist. Wenn aber das Zweideutige, funktionierend zwischen dem Diskurs und dem Ereignis, also diese Differenz, der Abstand zum Nichts des Schweigens verschwinden, bleibt etwas als von einem Datum her Gedachtes, was die wahre Wirklichkeit ist, unartikuliert! Das die Dunkelheit des schweigenden Nichts, die Einzige wahre Wirklichkeit ist. Heraklit: „Zu hören, verstehen Sie, nicht noch zu sprechen“. Die Sprache aber ist das Recht des Menschen, das er geltend zu machen hat. Alleine die Kraft des Sprechens, so ist meine These zu verstehen, fließt aus der Anerkennung der Notwendigkeit der Phänomene, zu denen die Sprache Distanz bezieht.

 

Erklärung einer Lösung näherzukommen

Verstanden, Erklären, Augenzeugen, Inszenierung.

Wir haben keinen verstanden, Goethe nicht verstanden, Bob Dylan nicht verstanden, John Lennon nicht verstanden, Platon, Aristoteles, Jesus, Buddha, alle nicht verstanden. Aber erklären, ja erklären können wir schön und erklären lassen, erklären über erklären. Das Erklärte noch erklären, du weißt ja. Weißt du? Tisch, weißt du, kennst du! Wir verstehen immer etwas. Etwas verstehen wir immer. Aber was verstehen wir? Wir wissen es nicht! Wir sind völlig ahnungslos. Tappen im Dunkel. Sehen nur Schatten an den Wänden. Menetekel interpretieren wir falsch. Und kommen wir einmal ans Licht, wir wissen es nicht. Es ist hell, aber vor lauter Licht sehen wir nichts. Da muss etwas sein, wir haben alles gesehen, wir glauben wir könnten es beschreiben, aber wir sind schlechte Zeugen. Wir wissen es nicht. Trug der König Kleider oder nicht? Keiner ist sich sicher. Wir können uns niemals sicher sein. Nichts weißt du und du weißt nicht einmal, dass du nichts weißt. Du gibst dich souverän. Wer am meisten blufft, erhält den Job. Du frisierst deine Bewerbung, dein Aussehen, deine Sprache. Es bewirbt sich ein Anderer. Du bleibst zu Hause, du schickst deinen Bruder. Gepimpt zur Vorstellung. Anders kommst du nicht an. Es stellten sich nur Menschen vor meinte der Chef. Suchte er Marionetten, Maschinen? Aber bitte ohne Herz, ihr Herz können sie zu Hause lassen. Herz schadet jedem Unternehmen. Zu anfällig! Reagiert sofort auf jede Kleinigkeit. Zu sensibel, empfindsam eben. Du sprichst, aber der dich hört ist schon ein Anderer. Wir erblicken zum ersten Mal die ganze Hässlichkeit eines Sonnenuntergangs. Sonnenuntergänge sind verdammt langweilig, glauben sie mir. Aber schön sind sie doch. Sicher, sicher. Schön, schön sind sie, ohne Frage. Aber für den Betrachter eine Grausamkeit. Es ist die Angst, die den Menschen sprachlos werden, lässt vor dem Untergang und der Erkenntnis, ob die Sonne wieder aufgehen wird? Angst ist der Motor unseres Lebens. Also was hierbei passiert, das ist schon vielen Menschen passiert. Nämlich, beim Sprechen, im Diskurs, glaubt man beim „Gegenüber“ mangelndes Interesse, wahrzunehmen. Diese Lückenbruchstelle, (Hiatushernie) als Differenz, Distanz eines Unterwegssein, der Sprache, schließt sich nicht … Wozu, wozu reden wir? Wir reden aus Angst, wir treffen Entscheidungen aus Angst und warten in Schweigen. Die Angst einflößende Macht der Sonne als Symbol von Grausamkeiten in der Geschichte wird in der Betrachtung ihres schönen Sonnenuntergangs, verklärt. Als romantische Schönheit suggeriert sie Frieden. Gleichwohl stellen sich dieserart Machthaber, Industriemagnaten, bildhaft dar. Diese Herrscher stellen sich dar, vor anderen Symbolen von Kreativität und Schönheit, die ihre wahre Einstellung und rigorose Politik verschleiert. Das Bild repräsentiert das Falsche als Werbung. Es verschweigt seine Wahrheit. Der Mörder wird verurteilt. Er schreibt in seiner Zelle über seine Tat einen Bestseller. Die Tat wird zum Erfolg. Die Geschichte hat sich verkehrt. Der Diktator, der Industriemanager, der Politiker, der Mächtige, der Herrscher, vor einer inszenierten Kulisse. Alles bleibt Theater. Das Theaterstück wird zum Regietheater. Der Berater stellt den Herrscherzwerg als Riesen dar, den Dämonen als Schaf. Das tödliche Medikament in gesunder, blühender Natur. Wir glauben was wir sehen, getäuscht. Was wir hören, sind nicht die richtigen Worte. Wir hören, was wir hören wollen und was einer sagen will! Wir hören nur Laute und Worte. Was wir hören und was wir hören wollen, setzen wir aus unserem Vorwissen zusammen. Was einer redet, setzt er aus seinem ihm zugänglichen Wissensschatz zusammen. Wir können den Sonnenuntergang nicht sehen, noch können wir ihn erklären. Entweder reden wir ihn schön oder wir reden ihn hässlich. Vielleicht können wir daher nicht anders, als ihn sprachlos zu betrachten. Der Sonnenuntergang vermittelt uns nicht die Welt, er stellt selbst Welt dar. Ich war dabei sagt der Augenzeuge. Was aber sagt er? Man kann nur annähernd versuchen, den Eindruck zu vermitteln. Ich bin ja ebenfalls nicht in der Lage zu vermitteln, was in letzter Konsequenz mit dem Schweigen gemeint ist, aber ich gebe ausreichend Beispiele und Erklärungen, dass dem bereitwilligen Leser eine gespiegelte Beurteilung möglich ist.

1.) Es ist nicht das Ungesagte und nicht das Unausgesprochene. Auch nicht das Verschwiegene und gar nicht das uns geläufige und bekannte Schweigen. Ich benutze das Wort in einem völlig anderen Sinn. Man muss zunächst beachten, dass man auf einer sprachtheoretischen Ebene ist.

2.) Zu jedem Satz gibt es ausschließlich Voraussetzungen und Zusammenhänge, die im Satz selbst nicht ausdrücklich zur Sprache kommen. Im Satz gibt es gar nichts außer, was man sich denkt, sowohl der Sprecher als auch der Hörer - das weiß man ja, und zwar ebenfalls nur durch Denken, nicht durch den Satz! Wenn man sagt, man steigt nicht zweimal in denselben Fluss, so weiß man das der Satz Unsinn ist, weil man weiß, dass der Fluss fließt. Das weiß der Sprecher und der Hörer. Wer das nicht einmal weiß, erkennt ohnehin den Satz als Unsinn. Und wer sagt diese Theorie wäre einfach zu verstehen hat sie vielleicht noch nicht ganz verstanden.

3.) Jeder muss sich zu jedem Satz seinen Teil denken, anders versteht er gar nichts! Jeder muss interessiert sein das ist keine Frage. Wir erleben ja immer wieder in der Werbung, in schönen Politikerreden, in den Aussagen des Arztes, Floskeln, Reklame, wo nichts mit gesagt ist. Dahin geht der Trend weltweit. Jeder kann bewerten wollen oder auch nicht. Was soll's? Aber ernsthaft, wie soll man anders ein gutes Buch angehen, eine gute Rede angehen? Da kann ich ja bei meiner Theorie behaupten, der Uninteressierte handelt richtig. Dem widersprechen ja alle bisherigen Theorien.

4.) Ich spreche auch nicht von Missverständnissen und Vorurteilen. Ich spreche überhaupt nicht von Aussagen. Natürlich habe ich ein Missverständnis, wenn die Kommunikation misslingt, vielleicht aus Vorurteilen. Aber beides wäre ja Beweis für meine These, das die Kommunikation vorher und nachher geschieht, also das es gar nicht auf das Sprechen ankommt! Es ist wirklich, egal ob in China ein Sack umfällt oder etwas gesagt wird. Es geht aber darum, das die Menschen sich an den Unsinn von Sätzen halten, statt an vorher, dem Denken des Redners, alles, was der Fall ist und nachher, dem Denken alles was der Fall ist. Dem weltweit reflektierten Satz (da gibt es massenhaft Beispiele) Yes we can!

5.) Ich gehe in meiner Theorie davon aus, dass wir „nur Blödsinn reden“. Wer sagt ich rede Blödsinn, beweist meine Theorie, wer sagt „was ich sage ist kein Blödsinn“ muss sich beweisen. Die Aussage gibt das nicht her. Wer sagt das wusste ich schon, bestätigt meine These, wusste es aber noch nicht. Wer sagt das stimmt nicht, weiß nicht, was er sagt. Er muss sich erklären, also stimmt meine Theorie.

6.) alle bisherigen Interpretationen von Reden und Schweigen, von Schweigen ist Gold etc. behandeln das Thema in einer differenten Form. Sie behaupten, man schweigt besser, als zu sprechen. Die Religion sagt, man muss glauben, man kann es nicht erklären. Und ich sage: Man redet immer Unsinn! Bitte um einen vernünftigen Satz: zum Beispiel: Ich weiß, dass ich nichts weiß! Was ist an dem Satz vernünftig? Nichts. Und nun sagt man, das weiß man doch. Was weiß man denn von dem Satz? Darin ist zweimal das Wort weiß und man weiß nichts! Was weiß einer der sagt ich weiß? Und dann sagt er noch, dass er nichts weiß! Was ist das: Weiß? Was sind Sätze, Worte, Buchstaben. Aber darum geht es nicht. Nun befass ich mich mit Unsinn!

7.) Bisher befasste man sich damit nicht und schwieg. Heute redet und schreibt man mehr Unsinn als in der Vergangenheit. Der perfekte Unsinn scheint der Renner zu sein. Die Wissenschaft schien ein Problem damit zu haben sich mit unerklärbaren Dingen und Dingen über, die man nicht spricht, so wie über Dinge über die man nicht sprechen kann, zu sprechen. Das ist nun zu Ende! Auch auf die Gefahr hin, dass noch keiner Reif für meine These ist: Wir reden nur Unsinn. Wer nun behauptet das sei Unsinn, bestätigt meine These oder hat sie verstanden.

 

Argumentation für das Schwaigen

Wer spricht schwaigt, das heißt, er sagt vieles nicht, das Verschwiegene (nichts was er verschweigt) ist im Sprechen; daraus folgt: Wer nicht spricht, spricht schon mit und wer spricht, spricht vieles nicht, wer aber redet, der sagt, - aber seine Rede besagt nichts; das was gesagt sein soll, wie auch das was nicht gesagt sein soll, lässt sich nicht aussprechen.

Nichts zu denken ist fast unerreichbar und damit auch das nicht zu sprechen; wir reden und sagen nichts, wir schweigen und reden fortwährend. Denken und Schwaigen sind eins, aber das Sprechen ist nicht identisch mit dem Denken.

 

Neben der Möglichkeit, wenn einer redet, zu denken, was er sagt, besteht auch die Möglichkeit zu denken, was er nicht sagt. Das heißt auch der Redner denkt, was er meint, aber sagt, was er denkt, dass es dem Zuhörer hilft.

Was wir nicht ausdrücken können, können wir nur im Sagen meinen; auch das was wir sagen können, können wir nur in Sätzen sagen, auch wenn wir es nicht meinen.

Entgegen der Aussage Nietzsches, „seine Zeit nicht mit verrotteten Gehirnen zu verschwenden“, ist es uns nicht gestattet, uns unsere Mitmenschen auszusuchen, nicht einmal unsere Eltern. Alles in der Welt ist im Fluss, parallel und simultan. Alles geschieht gleichzeitig, es gibt keine Probleme außer diesen, die in der Sprache sind. Wir können es nicht denken und daher können wir es nicht darstellen. Unendlich ist eigentlich alles, das ist das Problem. Räume die nur in Köpfen von Theoretikern existieren. Wie reden wir gleichzeitig über Unendlichkeit und Wirklichkeit?

Schweigen im Diskurs, also bei der Rede, hat immer erkenntnistheoretischen Charakter.

 

Das Nichts und das Schweigen

Je mehr sich der Inhalt eines Textes von seinem Ereignis ausdehnt, je mehr er sich verdünnt, je mehr das Wasser von der Quelle sich vermischt mit dem Wasser der Nebenflüsse, desto mehr müssen wir verdichten, hinsehen, anzeigen, offenbaren. Mallarmé schrieb: Nachdem ich das Nichts gefunden hatte, fand ich die Schönheit. Also nur im Verborgenen können wir etwas entdecken, finden. Nichts und Vernunft sind der Quell. Der Quell, aus dem die ganze Schöpfung herrührt. Die Geburtsstätte der geistigen Vernunft. Dichten ist das kunstblinde Verdichten zu vieldeutigem Nichtsein. Das Nichts fordert seine Form, aber die Form bleibt das Nichts, wie bei einem Krug der Wert in seinem Innern liegt und bei einem Rad nicht das äußere Rad, sondern das Loch in der Mitte, Belang besitzt. Das Ungesagte ist der wahre Stil der Dichtung. Es verlangt Verstand und Reflexion, den Wert der Sprache, und der Dichtung, zu entschlüsseln. Wie man bei einem Krug nicht an den Hohlraum denkt und bei einem Rad überhaupt nicht an eine Radnabe. So macht es auch keinen Wert, ob ein Dichter eine Privatsprache oder eine Sondersprache entwickelt. Dichten sei immer eine Sprache aus dem ungesagten Nichts, immer ein Quell. Es gilt, die Nähe des Unmöglichen, zu suchen. Zwischen dem Ereignis und der Sprache liegt das Nichts. Der Berg lässt die Wolke abregnen und lässt den Quell entspringen. Nicht mehr nur das Sprechen als ein höheres Wort von schwerer Verständlichkeit, sondern überhaupt ein Abweichen von jeder Normalität mit unauflösbarer Abhebung von der Alltagssprache. Es muss ungewöhnlich bleiben, um jeden Bezug, zu einem vergangenen Ereignis, abzuschwören. Der Leser muss innehalten und reflektieren, ob das Geschriebene, Sinn macht, oder ob er selbst etwas dazulernen muss? Er wird irritiert. Die Sprache liegt an der Grenze des Dunklen, am Rand einer Lichtung. Der Leser, der selbst im Licht steht, kann das kaum verborgene nur schwer erkennen. Anderseits ist der Blick aus dem Wald zum Hellen einer Lichtung hervorragend. Die Dinge werden aber weder getrennt noch verbunden. Wald und Lichtung werden Nebeneinander gefügt. Es ist die Grenze des Schweigens. Das Schweigen reicht in das Verschwiegene, das nicht ausgesprochene, das vernichtete und doch ist es im Sprechen immer vorhanden. Dichtung ist bei Mallarmé ein schweigender Aufflug ins Abstrakte. Die Worte aber verlöschen mit ihrem Aussprechen. Sie treten wieder zurück ins Dunkel, ins Schweigen. Die Nähe des Schweigens aber bleibt die Grenze der Dichtung. In der Dunkelheit des Schweigens aber begegnen wir nur den Sternen, die wir kaum erreichen werden. Ich möchte hier nicht von der Dunkelheit der Dichtung reden, weil diese suggeriert, dass das Gedichtete nur schwer zu enträtseln wäre. Nein, ich rede von den Grenzfällen, bei denen die Sprache eröffnet wird und deutlicher als an jedem anderen Punkt zu erkennen ist. Der sich an diesen Quellen erfrischt hat sicher höchsten Genuss. Das Schweigen ist nicht das nicht mehr verstanden werden wollen Mallarmés. Das Schweigen ist gerade das, was bei allen Texten, auch denen der hermetischen Dichter, verstanden wird. Man versteht nicht das Ereignis, da hat man noch nicht gelebt. Oder wie alt war man, als der Meder kam? Das ist bereits 2.500 Jahre her. Aber wovon sprechen, der Redner und der Dichter. Entweder ist das auch vergangen, bei der Vorbereitung der Rede, oder es weist in die Zukunft. Was bleibt, ist das Verschwiegene. Was liegt im Dunkel. Welche Informationen nehmen wir, zu den uns bereits vorhandenen, mit. Aus diesem Schweigen bilden wir unsere Bedeutung, wir produzieren den Text weiter. Was bleibt von der Schlacht der Meder gegen die Ionier, oder von der Rede des Sprechers, es ist der Sinn, dem man ihm beimisst. Der Zuhörer bleibt anschließend nicht mit dem Schweigen zurück, sondern entflieht gleichsam mit dem Gehörten in das Schweigen.

Näherbestimmung einer Entwicklung im Begriff des Schweigens.

Schweigen ist hier die Mitteilung – Handlung – Richtung - Veredlung der Sprache.

Man will sprechen, kann aber nicht. Die Zeit, die das Ich braucht, um zur Sprache zu kommen, braucht dieses ich, um an das Du als Gleichartiges Ich heranzutreten. Das Ich will nicht und kann nicht dem Du entgegenwirken dem Es immer fremd bleiben wird. Diese Kehre wird in der Copacobanischen Wende vorweggenommen. Es muss gleichsam eine neue Sprache erlernt werden, die das schreckliche dieser anderen Sprache ausblendet. Die Suche nach einer anderen Sprache, nach eines Anderen Sprache, nach einem anderen DU (nach Heidegger, nach Adorno) bleibt der Versuch mit der Sprache dem eigenen Gegenüber zu begegnen. Es sind dieselben Menschen, die nach erhabener Kunst streben und gleichzeitig die systematische Vernichtung der Menschen ausführen. Es ist das gleiche Sprechen der Menschen, denen das Schweigen nicht über diese Lippen geht. Auch in der Ästhetik: denn wenn mein Lied deine Lippen berührt, dann nur weil es Liebe empfängst. Das Lied spricht, kann aber nur von der Liebe empfangen werden. Bei Büchner heißt es: ach die Kunst! Setzt die Leute aus dem Theater auf die Gasse: Ach, die erbärmliche Wirklichkeit! … sie gehen ins Theater, lesen Gedichte und Romane, schneiden den Fratzen darin die Gesichter nach und sagen zu Gottes Geschöpfen: wie gewöhnlich! Celans doppelte Referenz korrespondiert deswegen im Gedicht mit einem komplexen intertextuellen Verfahren, das keine Namen nennt, sondern durch seine poetische Sprache das zu Bezeugende nur evoziert, eine spezifische Repräsentationskritik herausgearbeitet, die hier auch und vor allem Sprachkritik ist. Wenn es in der Sprache eine Regel gibt, nach der „das Sprachspiel“ sich verhält, dann erübrigt sich die Frage: warum die Worte so gebraucht werden. Warum das Wort „JA“ vor dem Standesbeamten, wenn das Wort STOP auf dem Verkehrszeichen doch eindeutig ist. Der Verkehrsteilnehmer funktioniert inner halb der Regel, ohne seine sozial oder anderweitige Stellung oder Zustand. Das Schweigen ist sich selbst bewusst. Es ist kein passives, sondern ein aktives Schweigen. Es spricht und zwar mit der Rede in der Sprache des Sprechens. Dieses Handeln von Sprache gibt im Sprechen im Begriff des Schweigens. Bei Celan spricht dieses Schweigen als das Schweigen der Natur, der Sprechende (bei Celan) der (Jude) Mensch ist. Wo Heidegger nicht sprach, vermochte auch Celan nicht das Unausgesprochene aus dem Gespräch zu lösen. Es blieb schweigen, ein Nichts. Man will sprechen, man betet, aber wer betet, der schweigt, der spricht zu niemand, den hört niemand, denn es ist dort niemand der ihn hört, da ist kein Gott mehr, denn Gott ist tot. Zeit und diese vielen unendlichen Ewigkeiten, in ihrem endlichen Schweigen in der begrenzten Rede geraten uns in eine falsche Kehle. Schweigend fällt jedes Wort ins hörende Ohr. Es ist denkbar, es ist vorstellbar, dieses beredete Schweigen lärmt.

 

Argumentation für das Schwaigen

Wer spricht schwaigt, das heißt, er sagt vieles nicht, das Verschwiegene (nichts was er verschweigt) ist im Sprechen; daraus folgt: Wer nicht spricht, spricht schon mit und wer spricht, spricht vieles nicht, wer aber redet, der sagt, - aber seine Rede besagt nichts; das was gesagt sein soll, wie auch das was nicht gesagt sein soll, lässt sich nicht aussprechen.

Nichts zu denken ist fast unerreichbar und damit auch das nicht zu sprechen; wir reden und sagen nichts, wir schweigen und reden fortwährend. Denken und Schwaigen sind eins, aber das Sprechen ist nicht identisch mit dem Denken.

 

Neben der Möglichkeit, wenn einer redet, zu denken, was er sagt, besteht auch die Möglichkeit zu denken, was er nicht sagt. Das heißt auch der Redner denkt, was er meint, aber sagt, was er denkt, dass es dem Zuhörer hilft.

Was wir nicht ausdrücken können, können wir nur im Sagen meinen; auch das was wir sagen können, können wir nur in Sätzen sagen, auch wenn wir es nicht meinen.

Ich kann nur sprechen, indem ich mich des Mediums der Sprache bediene. “So-gibt es keine Sprache jenseits der Rede, der Schrift oder der gestischen Artikulation. Alle Theorien, welche Medien als äußerliche Vehikel und Träger ihrer Botschaft begreifen, verfehlen gerade diese nicht-instrumentelle Dimension: Sie behandeln Medien so, als ob sie Instrumente seien.“ So schreibt es Sybille Krämer. Das Medium als ein Apparat äußerlich einer Botschaft, hervorgerufen durch ein Artefakt, einem handelnden Werkzeug. Hingegen ist Wittgenstein (PU) der Ansicht: „Wir sollen mit der Idee brechen – Sprache funktioniere immer auf eine Weise, diene immer dem gleichen Zweck: Gedanken zu übertragen.“ Dieses Übertragen scheint mir immer ein Übersetzen. Bei dem Übersetzen entstehen „Fehler“. Diese Fehler werden sofort sowohl vom Sprecher als auch vom Rezipienten neu interpretiert. Wir benutzen Sprache als verbale oder nichtverbale Tätigkeit des Handelns. Von einem der schweigt erkennen wir nach einiger Zeit als Zeichen nonverbaler Mitteilungen seinen Ausdruck. Diese Mitteilungen erkennen wir auch während des Sprechens und zwar außerhalb und innerhalb der Sprache. Sprache ist heute nicht mehr, wie Platon im Phaidros noch lehrte ein Spiegel der Natur. Dass wir „nicht richtig sprechen“ können, besagt die Frage Wittgensteins „was es heißt einer Regel zu folgen“ Dieses kann der Sprecher nicht wissen. Er braucht die Korrektur oder die Anerkennung. Es gilt, die Differenz, zwischen Sprachsprechen, und sprachunabhängiger Hinterwelt, zu übersetzen. Dass wir Schreiben, heißt, wir entsprechen. Damit zeigen wir, die Möglichkeit, zwischen Schrift und Sprache, zu unterscheiden. Alles korrekte, grammatikal richtige, wissenschaftliche Sprechen ist nur einer Schrift nachgesprochen. Es ist nicht alleine höchste Kunst sich korrekt auszudrücken, vielmehr in diplomatischen (also auch sprachlich gebildeten) Kreisen die größte Kunst, gekonnt „Unklarheit“ in Verträgen auszudrücken. Im Traum oder Zweifel mag ich erkennen (Descartes) das Ich gewiss meiner Existenz als denkendes Subjekt sein kann. Nicht aber gewiss, dass ich ein sprechendes Lebewesen bin. Denken ohne Sprechen ist träumen. Sprechen ist ohne Denken. Was ist Denken? Ist das Herstellen eines Kunstwerks bereits Kunst? Ist das Sprechen bereits Sprache oder noch denken? Ein Hinschreiben bereits ein entsprechen, eine Medialisierung? Sprache diesseits oder jenseits der Rede ist nicht, also Nonsens. Wir entäußern uns, indem wir eine Rede schreiben. Ein Buch als Antwort und Idee über andere Bücher nur aus Angst. Wir haben Angst, das man vergessen könnte unser Da-Sein, unsere Stellung unsere Existenz. Wie können wir wissen, dass das was wir auszudrücken versuchen, richtig verstehen? Viele Philosophen gehen davon aus, man kann Worte so benutzen wie man will (Humpty Dumpty) Schwaigen als Sprache schließt längere Überlegungsgeschichte ein. Beim Sprechen nehmen wir an, das es wichtige und gerechtfertigte Absicht gibt. Viele wissenschaftliche Erkenntnisse haben den Punkt der Vernunft bereits überschritten, das gilt insbesondere für den Ruf nach Vernunft.

Zwischen dem Sprecher und dem Hörenden ist Liebe, die Liebe, die dem Sprechen anhaftet, hat das geschichtliche des Ereignisses zum Inhalt und wohnt im Gegenstand des Rezipienten. Liebe als eine Vielzahl von Fällen, die ihr Wirken in der Welt haben.

Wenn ich nun, wie die Klugen, glaubte, was wahr ist, sei wahr und was falsch ist, sei falsch, so sagte ich was einer mir sagt sei richtig und würde nicht überlegen, ob es auch falsch sein könnte. Es steckt natürlich um eine Wahrheit herauszufinden, viel Arbeit in einer Sache, und gerade aus dieser Arbeit finden sich viele neue Fragen, die wahr oder falsch sein könnten. Ich rede also und lasse es dabei, ich höre und verstehe etwas. Bewegt man sich doch immer in sich, in der Stadt und geht nur selten hinaus zum Tor über die Grenze. So lernt man doch in sich. Der Verliebte scheint mir verliebt in seinen eigenen Text und kann daher nicht objektiv urteilen. Wenn ich nun anerkennen würde, dass dieses oder jenes Buch, diese oder jene Rede wahr wäre, wie kann das sein, das ich vorherigen Bücher und Reden ebenfalls für wahr hielt? Man wird und kann alles aber immer noch wieder besser und präziser ausdrücken vielleicht?

Wenn wir unser Wissen unter wissenschaftlichen Bedingungen formulieren zu einem unter Wissenschaftlern gesunden Bonsant oder commen sense, wie soll aber etwas klar und verständlich ausgedrückt sein, ohne ein eigenes soziales System aufzubauen? Ein System an dieser Stelle, das sich nicht einmal einfach selbst weiter entwickeln kann? So würde es sich in der Theorie von Luhmann lesen. Ein soziales System ist keine Performation, vielmehr ist es eine Kommunikation. Was ist also nun die Frage: Ist Sprechen Performation oder Kommunikation? Autopoiesis als ein geschlossenes Feld in Form und Grenze. Ein Sprengkörper ist die Sprache, die lediglich zum Zeitpunkt der Explosion (Operation) funktioniert. Die Betrachtungsweise des Feldes allerdings erfolgt von innen oder von Außen. Es sind evolutionäre darwinsche Prozesse, die sich selbst entwickeln und nicht mehr aufzuhalten sind.

Es gibt Schwaigen! Da ist kein Zweifel.

Als ein Reden im Sinne von Erkennen. Was gesagt wird, ob alltagssprachig oder wissenschaftlich hermetisch, bleibt als Flüchtiges ohne Gegenwart unklar, Vage. Insofern kann man bei Sprache als Performanzhandeln, sprechen als Aufführung aber im Sinne von Schwaigen als Selbstherstellung reden. Nicht der Autor oder der Schauspieler erklären die Handlung, vielmehr stellt sich die Handlung selbst her. Nicht der Mensch wird gereinigt (bei Katharsis) vielmehr reinigt sich der Text, die Sprache. Nicht der Schauspieler spielt den König, vielmehr stellt sich der König selbst im Auge des Zuschauers als Autopoiesis her. Es schließt sich also nicht Wort für Wort, Satz für Satz oder Sprache für Sprache an, vielmehr Gedanken und Auffassungen an Gedanken und Auffassungen. Luhmann: „Der Mensch kann nicht kommunizieren, nur die Kommunikation kann kommunizieren.“  Sprechen als performativer Akt heißt, dass wir mit jedem Sprechen eine Handlung ausführen. Das mag ja so sehr richtig sein, aber wie sieht es in der Praxis aus? Ja sagen bei einer Eheschließung als ein performativer Akt? Das Handelnde aber ist nicht in der Sprache. Es liegt im gesamten Kontext eines Systems. Ein Vorgang, der sich autopoietisch, sich aus sich selbst heraus, entwickelt. Bezieht sich die Eheschließung aus sich selbst heraus und nicht aus einer Handlung zwischen Priester und Eheleuten.

Die Differenz zwischen dem Reden über ein Ereignis und dem Ereignis der Rede selbst, dem Sinnieren über das erzählte Ereignis als einem grenzwertigen Kommunikationsfeld, trägt nicht zu einem performativen Akt, im Sinne einer schaffenden Anforderung, bei. Welterklären heißt alles Erklären, was der Fall sein könnte. Das ist der Kritikpunkt, wie die universale Stärke der Schwaigentheorie! Es gibt keine konkreten Probleme, als nur Probleme, die aber nur als Probleme scheinen. Probleme als Gemachte sind nur beim Macher der Probleme zu lösen. Alles ist so simpel und einfach.

Soziale Systeme bestehen aus Kommunikation, auch wenn diese Kommunikation lediglich aus Grunzen oder dem Aneinanderreiben der Schnauzen besteht. Kommunikation produziert und reproduziert sich selbst. In diese selbstständigen Systeme versucht Wissenschaft, mit permanent neuen Theorien einzugreifen. Dies heißt Technik. In sozialen Systemen läuft Selbstreproduktion wie Kommunikation nach evolutionären Prozessen, wie es passt. Systemoperationen laufen nach dem stets gleichen Muster. Sie operieren nach algorithmischen Strukturen, die sich ständig weiterentwickeln. Es ist nicht Welt, was alles der Fall ist, vielmehr schaffen neue Fälle immer wieder neue Fälle und versprechen so neue Fälle und halten so eine Welt in Gang, dass in dieser Form nie von einer Welt gesprochen werden kann. Diese sozialen Systeme haben ein soziales Gedächtnis, das vorher und nachher analysiert, reflektiert, speichert und aufbaut. Dies ist ein typisch autopoietisches Verhalten. Ein Verhalten, das einer steten Copacobanischen Wende gleicht. Jede Änderung verändert nicht das System, vielmehr schafft es dieses neu. Autopoietische Systeme grenzen sich ab und erhalten sich durch Selbstreflexion.

Wir können Welt nicht erzeugen, weil die Erzeugung bereits weiterläuft. Das bedeutet: Jeder Gedanke, jeder Windhauch, jedes fallende Blatt ist seit dem Augenblick des Urknalls vorbestimmt. (Laplacesche Dämon) „Gedachtes Wesen von unvorstellbarer Intelligenz, das zu einem bestimmten Moment, den Zustand der physischen Welt vollkommen kennt.“ So ist das Schwaigen im Moment des Sprechens. Mit der Welterzeugung betritt die Ex Machina die Bühne. Die Deo ex Machina verbindet die Handlung mit dem Phänomen Welterzeugung als eine Vermischung. Alles wird Metaphysik. Alles ist Metaphysik, alles ist keine Metaphysik. Himmel und Erde dürfen sich nicht berühren. Nichts geschieht ohne die Kraft der Einbildung. Schlage eine Zeitung auf, schalte ein Radio ein, schalte ein Fernsehgerät ein, spreche mit jemandem etwas Sinnvolles. Was ich bedeutungslos fand, findet Bedeutung. Es zeigt sich, es eröffnet sich. Man kann die Bedeutung berechnen. Die Sprache ist abgrundtief, wie ein Brunnen, aber du wirst dich nur an wenige Male erinnern.

Noch vor Beginn des Medien und Technikzeitalters hatte jede Stimme ihren eigenen Ort. Sie war verortet am Ort ihrer Geburt und blickt dort bis zum Ort ihres Todes bis zu ihrem Grab. Der Dichter aber dessen Stimme vor dieser Zeit einem Ort entsprang, einem Ort entrissen wurde, der sie aber an gleicher Stelle verortete, festsetzte, aufbaute, für diese Stimme einen Tempel baute. Dieser dichter ist nun empfangen von der Globalisierung. Globalisierung bedeutet für das Gedicht, das es an keinem Ort entsprungen ist und keinem zugeortet wird, zu niemandem spricht, von niemandem adoptiert werden kann. Es schweigt das Wort. Das Wort, das zu niemandem spricht. Das Wort, das lediglich in den Gedanken im Zuhören, im Lesen des Wortes entsteht. Jenem Wort, das entsteht, noch ehe es gedacht wird. In der Stille des schweigenden Gedankens, als ein Wächter, der dort wacht auf die kommende, wichtige Botschaft. Der Wächter, der die Götter bittet, um eine Änderung. Um ein Ende seiner Mühe seines jahrelangen Wachdienstes. Der Ausschau hält nach dem verabredeten Fackelzeichen. Nach dem Feuerschein, der aus Troja Nachricht bringt und die Eroberung der Stadt verkünden soll. „zu Göttern fleh ich um Erlösung von der Pein meines jahrelangen Wächterdienstes“. Diesen Wachdienst hat der Verstand übernommen. Schweigend wacht er auf eine neue Idee. Aus den Mündern kommt nur das Rauschen der Flügel. Kommt nur das Rauschen aufgeschreckter Schwäne am Weiher. Aus den Mündern kommen lediglich Geräusche leerer Worte, leerer Worte die ihren Sinn zwischen Verstand und Sprache bereits verloren haben. Was wirklich geschaffen wird, schaffen die Dichter. Sie sind die Architekten gewaltiger Gebilde. Aber was sagen dazu die Götter? Für sie ist alles gut. Das leere Gerede und das Geschwätz und dem gegenüber die Erkenntnis und Ideen der Dichter und Philosophen. Diesen Ausgleich nennen sie Gerechtigkeit. Das Wort des Dichters zeigt als Monstranz den schweigenden Gott. Die Zeit der Valerios ist beendet.  In den stillen Maschinenhallen produzieren Maschinen Worte und Gedächtnis. Vervielfältigen diese wie Banknoten und verteilen diese ungleichmäßig über den ganzen Globus. Die Natur kehrt zurück zu ihren Göttern. Die Dichter finden wie die Entdecker neues Land. Aber Verstand und Götter erklären, dass dieses Land bereits vor ihnen war. Die Worte werden erhaben. Der Dichter stirbt, es gebiert das lyrische Ich. Was die Dichter suchen in diesen vermeintlich neu entdeckten Gebieten ist das Andere. Doch dieses andere ist weder neu noch modern. Noch finden wir in ihm eine Zukunft. Es eröffnet sich dem Rezipienten als von einem geistig, geistlichen Ursprung. Einer Schöpfung eines immer bewegten. Vergleichbar seinem Ursprung dem Wasser und glühender Lava. Ob Quelle, Fluss oder Meer, ob Wasserdampf, Wolke, Regen, Grundwasser und wieder Quelle. In allem finden wir das Gleiche, immer gleich wiederkehrende. Es ist immer nur die Wiederkehr, mit dem sich verändernden ursprünglichen. Wir treten immer wieder in den gleichen Fluss. Nur das, was unvergleichlich ist, oder was einmalig ist, ist das Einzigartige. Das Glück und Glücken in der Dichtung, das glückliche Heraufkommen einer Idee kann man nicht planen, noch denken. Diese geglückten Momente lassen sich nur ästhetisch-metaphysisch feststellen. Das geglückte Gedicht ist eine Erfahrung, eine exklusive Erfahrung des Einzelnen. Sollte diese geglückte Erfahrung sich bei den Einzelnen häufiger einstellen, so wird es zu einem geglückten Gedicht. Der Versuch des Dichters läuft darauf hinaus etwas darzustellen, was Nichts ist, nämlich Nichts das nicht darstellbare der Leere des Unsichtbaren. Die Strömung des Flusses oder die Temperaturschwankung der Jahreszeiten. Das Blühen oder Verwelken einer Blume. Den Wind. Wir befinden uns in einer Schöpfung. Mit jedem Gedicht schöpfen wir eine neue Welt, die wir noch beschreiben müssen. Wir müssen dieser Welt noch einen Namen geben. Wir brauchen für die Dinge einen Namen. Denn was begegnet uns beim Betrachten eines schönen Bildes anderes als im Lesen oder Betrachten eines Gedichtes? Wir benötigen für die Beurteilung einen neuen Namen. Wir erkennen im Bild wie im Gedicht Dinge, die wir nicht erkennen, erkennen das in beiden etwas ist, wo nichts sein kann. Es ist wichtig die Dinge zu betrachten, aber sie auch wirklich zu sehen. Wir erkennen beim Lesen des Gedichtes, das nichts was größer ist als das ganze Gedicht selbst. Das Nichts bedeutet auf das Bedeutende, während das deutende Nichts bedeutet. Die Idee für diese Bedeutung ist das Nichts. Das Objektive an Bedeutung in einem Gedicht ist eine Insel von Nichts. Die Bedeutung schafft. Das, was noch unbekannt ist, was wir nicht kennen, das Vage. Das Fließende, das Implizite. Das Apriori. Unser determiniertes Wissen, das dort in diesem Nichts etwas ist, das wir bedeuten können und wir einen Namen, einen Begriff zuordnen können. Nichts zu tun, einfach den Dingen einen Gedanken ihren Lauf lassen. Gelassen, nicht Handeln. Und damit aus jeder Entscheidung, tue dies, tue das, richtig oder falsch, zu entfliehen. Zu entfliehen in einen Eskapismus. Die Welt des kleinen Dichters. Die kleine Welt des großen Dichters. Wir haben sie endgültig verloren. Unsere eigene Welt wurde beschädigt. Wir tauschen sie ein gegen eine Welt, die für uns längst zu groß geworden ist.

Die Menschen werden Dichter, soweit die Menschen dichter zusammenleben desto größer wird der Wunsch gegenseitig Distanz zu gewinnen und sich voneinander abtrennen. Abzugrenzen der Sinne werden Schlauch, ihre Körper verpuppen sich. Sie ziehen in Container und Gitterboxen, um sich von den Geräuschen ihrer Umwelt abzugrenzen. Am Ende werden sie blind und taub. Gegensprechanlagen und Türspione helfen bei indirekter Kommunikation. Fertigpizza und Essen auf Rädern erledigen die Versorgung.

Schweigen ist nicht nichts. Also nicht das Nichts, wovon keine Rede ist. Worüber man nicht reden, kann darüber sollte man schweigen; man sollte also keinen Unsinn reden. Also dieses Schweigen, das man nicht aussprechen kann, ist aber für den Eingeweihten immer mitgesagt und für den nicht eingeweihten der sich ebenfalls ausdenkt, was wohl verschwiegen sein könnte. Gerade, wenn man über das eine Unaussprechliche etwas aussagt, redet man nur Unsinn. Gerade dieser Unsinn lässt Freiheit für Spekulationen. Aus diesen Spekulationen entsteht das Neue; die Geburtsstunde der Idee. Aus harmlosem Small Talk entsteht ein ernsthaftes Gespräch. Der Wissenschaftler der in seiner Rede bestimmten Passagen, die deutlicher in der Schriftlichkeit hervorkommen, weglässt, zum vermeintlich besseren Verständnis des Zuhörers, der diese Leerstellen erkennt, als das Verschwiegene. Kain tötet seinen Bruder Abel. Und Gott sagte zu Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Und Kain antwortete ihm: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ An dieser Stelle haben beide das Wichtige und wesentliche verschwiegen. Beide wussten, was mit Abel geschehen war. Das Schweigen ist an dieser Stelle, das, was hier ausgesagt wird. Die Rede ist von der Lüge, die Sprache eine künstliche, eine Kunstsprache, eine Sprache von der Kunst gefordert. Mit der Frage: „Wo ist dein Bruder Abel?“ und mit der Frage: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ lügen beide im kantischen Sinne. Hierbei schweigen beide, sie Schweigen, indem in dieser Differenz, in dem Diskurs, des toten Abel und dem Ereignis ihrer Frage und Antwort, dazwischen in der unüberbrückbaren Distanz, denn diese gehören alle zum Verständnis zusammen, das Unausgesagte, das nicht Ausgesprochene. Der Held im Zorn ist außer sich. Er redet außerhalb seiner natürlichen Sprache. Redet künstliches Zeug. Nicht mehr bei sich einen klaren Gedanken zu fassen wird hier im Zorn eine verständliche Rede verschwiegen. Der Held will nicht zurück zum Ausgang, zum Ursprung seines Zorns. Er überspringt das Verschwiegene. Das Schweigen hält sich in der Stille des verschwiegenen Raumes. Auch in den Klosterkammern des Schweigens. Ihre Gedanken aus diesen verschlossenen Kammern tragen das Schweigen hinaus. Ein Teil dieses Schweigens überschneidet sich. Es wird über Handlungen und Begegnungen hinausgetragen. In diesen Handlungen und Begegnungen erkennen sie das Verschwiegene. Noch ein Hinweis auf einen Aspekt des Schweigens: die an dieser Stelle –Gleichwertigkeit– eines Bücherschranks mit der eines laufenden Fernsehapparates gegenüber dargestellt. In diesem Bücherschrank als Objekt, in allen diesen Büchern, stehen geschriebene Worte, Sätze, Geschichten die permanent auf den Bewohner einströmen gegen die er sich nicht wehren kann er wird von den Buchtiteln, Buchrücken avisiert. Er schaut eine Reihe Buchrücken und dementsprechend laufen in ihm ganze Filme von Gedanken. Im Gegensatz dazu steht in einem Raum ein dauernd eingeschalteter Fernsehapparat. Es laufen hintereinander Programme aus aller Welt. Ohne dies besonders zu beachten, entsteht für den Bewohner eine Situation als hätte dieser Raum ein Fenster zur Welt. Auf Dauer ist es so als hätte er die ganze Welt bewohnt. Der laufende Fernseher hat den Effekt eines Fensters, in das der Bewohner ein Kissen legt, sich hinauslehnt und draußen das vorbeiströmende Treiben betrachtet. Beide schweigen, die Buchrücken des Bücherregals und der unbeachtet durchlaufende Fernsehapparat. Aber beide reden permanent. Wir können nicht sprechen, müssen schweigen, aber ohne dieses Schweigen denken wir dümmer. An diesen beiden Beispielen ist gesagt, dass hier nichts gesagt ist. Also keine Rede ist. Doch ist in diesem nicht gesagten eine ganze Welt.

Ich denke nicht, dass wer meine Erklärungen zum Thema Schweigen liest, dass man hierdurch schlauer wird, oder dass man sagen kann, man hat verstanden. Aber es ist so, dass dieses Schweigen mehr als etwas ist, worüber man nicht reden kann. Man sollte, über was man nicht reden kann – schweigen. Wir können nicht sprechen, müssen schweigen, aber ohne dieses Schweigen denken wir dümmer. Was aber möglich ist, wie dieses Buch beweisen soll, einige seiner Leser doch Schweigen verstehen. Man muss also für das Schweigen empfänglich sein und kann mit einiger Übung lernen, das Schweigen zu verstehen.

Schweigen oder nunmehr schwaigen? Was ist das Schwaigen? Es ähnelt Platons Fragen im Dialog: Was ist X. Worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen. Es geht in allen Texten immer um die X-Frage. Die Frage lautet: Was ist X? Dieses X ist uns zunächst nicht zugänglich. Es gibt zu den Texten weder eine Meinung, noch überhaupt Meinung, noch sind sie vergleichlich. Ein Text kann sich nur nach jahrelanger Liebe erschließen. Die Frage setzt voraus, dass es X, (hier das Schwaigen) gibt. Also heißt die Antwort: X ist wahr. Es gibt X. Nehme ich einen Gedanken. Er ist X, von dem wir nichts wissen, noch etwas kennen. Er ist das, was Parmenides „Eines“ nennt, und von dem wir nichts aussagen können. Wie Wittgenstein sagt, können wir darüber nicht sprechen. Der sokratische Platon stellt nun die Frage: Was ist X? Damit sagt er, dass es X gibt und fragt, was es ist. Wenn es also dieses X gibt, ist X auch wahr. Hieße auch: X ist etwas, das es gibt und wahr ist. Eine Rede oder Aussage ist genau dann wahr, wenn sie unter allen Bewertungen wahr ist. Das gilt auch für falsche Aussagen. Über alle möglichen Wahrheitszuweisungen ergibt sich immer Wahres. Unsere Kooperation ist im Sprechen. Der Lehrer hat nur Wahres mitzuteilen. Der Schüler präzisiert seinen Wahrheitsgrad, indem das Gesagte wahr wird. Er hört also weder explizit, noch implizit das Wahre. Der Kontext ist außersprachlich. Wer, wann, wie, wo, in welcher Absicht? Hinge der korrekte Gebrauch vager Prädikate nicht von internen Kontexten ab, wären wir sprachlich inkompetent. Heraklit sagt: Hier können wir nicht sprechen. Wie generieren wir aus dem Gesagten das Gemeinte? Das ist unsere Gretchenfrage. So lautet unsere Bedeutungstheorie. Worüber wir nicht sprechen können, darüber müssen wir schweigen. Worüber. Dieses “Worüber“, setzt bereits voraus, dass da etwas ist oder auch nicht, aber immerhin etwas. Das, was dort ist oder nicht ist, kann man auch denken. Über alles, was man denken kann, kann man auch sprechen. Wer ist nun „man“? Dieses „man“ scheint mir jeder zu sein, also wir alle. Das folgende „nicht“ kann sich auf dieses „worüber man“, wie auch auf das nachfolgende „sprechen kann“ beziehen. Hieße es nun, „worüber man nicht“, also sage ich hier einmal so wie Platons abstrakte „Ideen“? Hierüber kann man sehr wohl vorzüglich sprechen. Auch wenn man sie im Einzelnen nicht benennen kann. Hieße es: „nicht sprechen kann“, so ist es, das wir sehr wohl sprechen können und auch denken können, selbst wenn wir davon nur träumen könnten, kann man doch darüber sprechen. Nun antwortet Wittgenstein aber, „darüber muss man schweigen“. Es heißt also, man kann nichts Vernünftiges darüber aussagen. Was sollte das denn sein? Gibt es überhaupt vernünftige Aussagen? Das wären doch nur individuelle persönliche Beurteilungen. Wo wir nichts sagen können, müssen wir einen vernünftigen Satz produzieren. Selbst die Utopie können wir noch aussprechen. Es scheint mir eine Hybris, es gäbe auch einen vernünftigen Satz. Sollte der Sprecher einen unbekannten Code für seine Sprache verwandt haben, so kann der Hörer ihn zwar nicht verstehen, aber der Sprecher kann doch sprechen und er kann ebenfalls seinen Code ändern. Die Sprachkultur des Menschen liegt im Wesentlichen in der Natur, die in ihrer Stille zu uns spricht. Wer davon etwas wusste? Goethe! „Die Vögel schweigen im Walde“, wenn man ihnen richtig zuhört, hört man ihr Singen im Schwaigen, so, wie das Schwaigen des Waldes, über Wipfeln und über den Gipfeln. Ich gehe in meiner Theorie vom Schwaigen davon aus, dass wir nicht allein durch die Sprache erkennen, vielmehr in einem viel größeren Maß, im Sagenden unausgesprochenen Schwaigen. Das hieße auch gleichzeitig: Wir denken selbst. Diese These wird wohl keiner bestreiten? Der Sprache das Sprechen zu verbieten, wie es an dieser Stelle Wittgenstein tat, scheint mir ein großer Fehler. Er hat nicht richtig gehandelt. Die Philosophie ist eine Reflexion, wie die Sprache selbst. Ihr ein Ende zu setzen, scheint mir den Schierling mit der Petersilie zu verwechseln. Worüber man nicht schreiben kann, darüber sollte man lieber reden. Worüber man nicht sprechen kann, das ist letztendlich alles. An jeder Theorie bildet sich auch Kritik und Widerspruch. Wer viel sagt oder schreibt, öffnet sich bereits aller Kritik. Die Theorie ist nicht bewiesen, aber wir machen es so. Der Verstand aber ist gefordert nachzufragen, auch wenn er schweigen sollte. Die Vernunft schließt allgemein und kann auch auf Nonsens schließen. Die Vernunft bringt aber Ordnung in den Verstand. Worüber man nicht reden kann, darüber sollte man schweigen; man sollte also keinen Ohnsinn reden. Dabei sagte Wittgenstein noch: „Es schadet gar nichts, Nonsens zu reden, wenn man sich nur tief mit dem Unsinn einlässt.“ Also dieses Schweigen, das man nicht aussprechen kann, ist aber für den Eingeweihten immer mitgesagt und für den nicht eingeweihten, der sich ebenfalls ausdenkt, was wohl verschwiegen sein könnte. Doch ist Schweigen ein kommunikativer Akt. Aber es ist so, dass dieses Schweigen mehr als etwas ist, worüber man nicht reden kann. Man sollte, über was man nicht reden kann – schweigen. Wir können nicht sprechen, müssen Schwaigen, aber ohne dieses Schwaigen denken wir dümmer.

Es mag zwar Wahrheit geben, aber es gibt keine Wirklichkeit. Wirklichkeit ist auch das, was ich mir denke, was ich mir vorstelle. Was ich erträume, ist für mich Realität. Wenn der Wissenschaftler behauptet, es gäbe nur Wirklichkeit, so fragt sich, warum meine Träume nicht Wirklichkeit sein sollten, oder warum das nicht Wirklichkeit sein sollte, nur weil ich denke. Warum denn stiegen Goethe und Petrarca auf die Gipfel der Berge, um nichts zu hören als das Blut ihrer Adern und nichts mehr zu tun dort oben. Aber alles zu sehen und von oben herab zu überblicken. Es scheint, dass wir alle auf dieser Bühne des Lebens, nur als Statisten, ohne eine Sprechrolle hinübergehen, von einer Seite der Bühne zur anderen Seite. Während die großen Schauspieler einen kompletten Satz zu sagen haben. Aber wer schon hat dieses Vergnügen, eine Hauptrolle zu spielen? Sprechakttheorie insbesondere, wenn man einen wissenschaftlichen Anspruch stellt, geht von einer Aufrichtigkeit aus. Aber können wir immer sicherstellen, dass wir im Sprechakt aufrichtig sind, auch wenn wir dies wollen? Sagen wir immer die Wahrheit, sind wir ethisch und moralisch?  Können wir, im Sprachspiel, den gefoulten Mitspieler, bitten aufzustehen, wenn wir davon ausgehen, der Spieler habe nur simuliert?

 

Akademisches Wahrheitsproblem.

»Denn die Wahrnehmung, sofern sie jedes Mal auf dem eigenen Gebiete des Sinns bleibt, ist immer wahr, und so kommt sie allen lebenden Wesen zu, das Nachdenken dagegen kann auch falsch sein und kommt keinem Wesen zu, das nicht auch Vernunft besitzt. [...] dass aber Denken und Meinen nicht dasselbe ist, ist augenscheinlich. Jenes Verhalten liegt in unserer Macht, sobald wir wollen – denn man kann sich etwas vor Augen stellen, wie es die machen, die einen Gegenstand zum Behalten im Gedächtnis in ein Fach einreihen und ihn sich als Bild einprägen –, dagegen uns eine Ansicht zu bilden ist nicht in unserer Macht. Denn dabei gerät man notwendig entweder in den Irrtum oder erfasst die Wahrheit.« (Aristoteles, Über die Seele)

 

Das Wesen der Seele (Phaidros) oder ihr Fortleben im Jenseits (Phaidon), das sind Platons Jenseitsmythen, in welchen er Sokrates, das Schicksal der unsterblichen Seele nach dem Tod, beschreiben lässt. Im Tod löst sich die Seele vom Körper, das ewig Lebendige trennt und befreit sich von der nur durch seine Einwirkung belebten Materie. Ist dieses Jenseits, nun in der Vergangenheit, oder in der Zukunft? Wenn die Seele den Körper verlässt und in einen anderen Körper tritt, lebt sie hier weiter, oder beginnt sie von Neuem? Die Seele muss potenzielles Wissen aus ihrem Dasein vor der Entstehung des Körpers mitbringen. Weil sie vor ihrem Eintritt in einen Körper die Ideen an einem „überhimmlischen Ort“ (τόπος περουράνιος tópos hyperouránios) geschaut und daher Wissen in reinster Form besessen hat. Das Wissen scheint also vorhanden, aber geht es weiter voran oder beginnt es von vorne? Der Körper ist hierbei nur das „Gefäß“, die „Wohnstatt“ der Seele, aber auch verneinend ausgedrückt ihr „Grab“ oder „Gefängnis. Wir müssen zur Wahrheit kommen. So sagt Sokrates, wir müssen sorgen „für Einsicht aber und Wahrheit und für deine Seele, dass sie sich aufs beste befinde.“ Unsere moderne Gesellschaft ist nicht mehr auf Wahrheit orientiert und sie hat diese Suche längst aufgegeben. Wie könnte es sonst zu Immobiliencrash und Bankencrash und größeren technischen Umweltkatastrophen kommen? Wie könnte eine Bank oder ein Immobilienverkäufer schlechte und faule Werte verkaufen, wenn man hier eine philosophische Frage stellen würde? Wenn man hierbei, nach Wahrheit fragen würde? Es geht aber hier um die Nützlichkeit. Hierbei geht es genauer um die Gier. Aber auch bei wissenschaftlichen Bereichen, wie Technik oder Chemie, geht es nur noch um Nützlichkeit! Die Lehre beruht nur noch auf Hypothesen und das reicht ihnen. Wahrheit spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Das heißt auch, eine philosophische Frage ist hierbei nicht willkommen. Sichtbares unterscheidet sich von Unsichtbarem, rein Geistigem dadurch, dass Sichtbares (hier auch das Nützliche) zusammengesetzt und daher auflösbar ist, Unsichtbares (warum sollte man sich mit Wahrheit deren Wert nicht nachgewiesen ist beschäftigen) aber unauflösbar und unvergänglich ist. Der Nutzen liegt auf der Hand. Das Induktionsproblem erklärt sich, dass es bisher, immer gut gegangen ist. Es geht in der Globalisierung nur um das Nützlichkeitsproblem. Keinesfalls mehr um Wahrheitsprobleme. Die Universitäten sind nicht mehr an Wahrheit interessiert. Es geht ihnen um die Nützlichkeit ihrer Arbeit. Drittmittel, sind ist das heutige Ziel jeder universitären Leistung. Eine Wahrheit ist damit ausreichend bestätigt und nicht erforderlich. Die universitäre Lehre beruht (Induktionsproblem) nicht mehr auf apodiktischen Wahrheiten. Hypothesen reichen zur Exzellenz. Auch wenn diese nur vage sind, braucht es keinen Supervaluationismus. Warum brauchte Platon also diese Erklärung für die Unsterblichkeit der Seele. Da eine Erklärung, eine wissenschaftliche Behauptung nur apodiktisch über den Vergleich von Gleichem mit Gleichem erfolgen kann. Wir fragen aber nicht mehr warum ein Auto funktioniert und, wieso wir es eigentlich brauchen. Wir fertigen Auto auf Auto, weil es funktioniert und Nutzen bringt. Dies wird bei Atomkraftanlagen, Medizintechnik, Chemiewerken, Massentierhaltung, Großbanken, Staatskonzernen immer gefährlicher. Nicht, wieso, warum, weshalb wird gefragt. Es funktioniert, bringt Nutzen, bis es platzt. Die Vernunft muss als Wagenlenker die beiden sehr verschiedenartigen Pferde Willen und Begierde lenken und die Begierde bändigen, um als herrschende Kraft die Seele zur Erkenntnis zu führen, so Platon. Nichts weiter, sonst können wir weiter keine Kenntnis haben. Das Vernünftige zeigt sich in der Lust am Lernen und Erkennen des Wahren, nicht im wissenschaftlichen Streben nach Nutzen. Hierbei blieben Moral und Ethik zurück. Sie werden nun wissenschaftlich dem Nützlichen durch neue Gesetze angepasst. Ohne diese gleichbleibende lebende Substanz (Seele) ist die ewige Bewegung beendet. Es ist, wie mit Genprodukten, die noch einmal, und zwar, nur noch einmal, ausgesät und geerntet werden können. Sie sind sozusagen seelenlos. Würde man die Wahrheit betrachten, müsste man auf den Nutzen verzichten. Gegensätze können nicht zugleich anwesend sein; so ist Schnee mit Wärme unvereinbar. Und doch glauben wir, es ist alles im Griff. Dieses zu klären überlassen wir Faust und Mephisto.

 

Wahrheit und Solipsismus?

Auch wenn wir in Wahrheit immer den Anderen suchen und uns für Tiere halten, die lediglich in der Gemeinschaft leben können, so sind wir doch Einzelgänger und leben vom Grunde her alleine. So sind wir doch alle einzigartig. An dieser Stelle, wo wir mit anderen Menschen in ein Gespräch kommen, so erleben wir doch immer Zweifel und Differenzen. Wir bewegen uns im Miteinander in dyonysischen Räuschen. Während unser gesamtes Wissen doch nur ein Traum ist. Im Traum ist alles Real, ohne Fehler ist ein sicheres Wissen. Unsere Begegnung als eine Übereinstimmung in einem apollynischem Traum. Was heißt aus dieser Sicht, der gesunde Menschenverstand? Sollten dies wahnsinnige Vorstellungen sein? Der gesunde Menschenverstand ist doch der Verstand selbst. Sicheres Wissen kann ich auch nur dann haben, wenn ich träume. Das heißt nur in dem Zustand, in dem ich diesen träumenden Zustand, im Wachen, wie zum Beispiel im Verliebtsein, erreiche. Allein bleibt hier mir das sichere Wissen alleine. Es gibt nur mein ich und sonst nichts. Dieses gilt ebenso für alle anderen Ich. Ich kann also nicht persönlich diesen Standpunkt einnehmen, wenn alle anderen sich hierbei verweigern und bei ihrem eigenen Standpunkt stehenbleiben. Ich kann hierbei auch nicht mit einem Standpunkt von Platon oder Wittgenstein zurechtkommen, die hierbei einen Widerspruch sehen, und dann nicht mehr schreiben oder sprechen wollen. Wahrheit entsteht genau an diesem Punkt, an dem wir bei Uneinigkeit in den Sprachdiskurs treten müssen.

Wenn denken und Sein, dasselbe sein, dann müsste etwas, wie Sprechen anderes Sein. Eine nachträgliche Bezeichnung vom Denken von den inneren Gegenständen, wie wir sie und in welcher Art und Weise verwenden, verhalten wir uns in ähnlicher Weise, als hätte jeder von uns einen Käfer in seiner Schachtel. Jeder von Uns hat in seiner Brieftasche eine unterschiedliche Menge Geld. Was sollte also anders sein, als das wir glaubten jeder hätte einen anderen Käfer in seiner Schachtel. Dabei sprechen die meisten, als hätten sie einen Käfer und wissen jedoch genau, das ihre Schachtel leer ist. Was sollte also anders sein, als wenn jemand vom Annähen eines Knopfes erzählt, als hätte er eine Weltreise gemacht oder ein anderer spricht philosophisch über Ontologie. Was sollte bei diesen Gesprächen realistischer sein, als das jemand erzählt er sei am Morgen als ein Käfer aufgewacht? Freilich ist die Sache gewiss wahr, wenn ich in meiner Aussage davon ausgehe, dass ich Gedachtes wiedergebe. Dieses Gedachte, als eine Bezeichnung von Phänomenen, von Erscheinung, von Mathematischem. Anders verhält sich die Sache allerdings, wenn die Aussage sich auf Dinge an sich bezieht. Diese Dinge an sich bleiben daher immer wahr, da sie nie gedacht werden können. 

Wenn wir von dem Wahren sprechen, von der Wahrheit, so meinen wir zuerst das, was dem Wirklichen entspricht. Aber was war wirklich? Opfer und Täter haben von der Wirklichkeit eine unterschiedliche Auffassung und Meinung. Darum kann es nicht darum gehen, was hier vor Gericht wahr oder gerecht bedeutet. Hier müssen zuerst Sachverhalte geklärt werden. Diese sind ein reines menschliches Problem, eine ästhetische Sache. Alle Beteiligten bei einem Prozess wollen anschließend gut aussehen. Jeder der Anwesenden in einem Gerichtsaal ist durch das bestimmt, was er hier zu verbergen hat. Dies betrifft auch den Staatsanwalt und den Richter. Die alte Erklärung von Descartes als einer Richtigkeit und einer Gewissheit von Wahrheit ist nicht wie er noch behauptete offenbar, vielmehr ist sie verborgen.

 

 

© Manfred H. Freude, 10.10.2009