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I. Unsinn

Das, was Wittgenstein noch für Unsinn hielt, worüber man schweigen muss, ist bei mir ausnahmslos. Wir können über nichts reden, ohne als Unsinn zu erkennen, weil wir zu den Dingen und zum Handeln, eine differente Beziehung haben. Sei es zu den realen Dingen, sei es zu den gedachten Dingen. Es mag auch sein, das Sprechen ein Handeln ist, aber eben nur ein Ersatz, und somit kein Sinn selbst. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein Goldstück auf den Tisch lege, oder nur sage, dass ich jetzt ein Goldstück auf den Tisch lege oder gelegt habe. Eine Verbindung zwischen beidem zu knüpfen, sagt ebenso nichts als Unsinn.

II. Reden

Für meine Theorie besteht kein Problem darin, alles Sprechen als Unsinn zu sehen, ebenso wenig wie für Parmenides, alles als nichts zu sehen. Warum sollten wir, wie der frühe Wittgenstein noch andachte, von Dingen reden, die wir einsehen? Sicher konnte er erklären, wie eine Eisenbahn funktioniert. Welch ein Unsinn. Wenn ein Banker oder Versicherungsagent erklärt, wie man ein Vermögen macht. Welch ein Unsinn (wenn es Sinn machte, würde er es keinem sagen). Es macht wohl Sinn, solange Unsinn zu reden, bis daraus ein Sinn zu erkennen ist (nur für einen selbst) und immer weiter.

III. Erfahrung

Es besteht die Ansicht, dass wir nur wahr über unsere Erfahrungen reden können. Das ist richtig. So reden wir. Unsere Erfahrungen sind die bewegten Schatten auf der Höhlenwand und nur diese sind für uns real. Wer die Höhle verlassen hat und die Dinge gesehen hat im Licht, dm sagen wir er sagt Unsinn und bringen ihn um. So gesehen kommen wir aus diesem Dilemma Unsinn nicht hinaus. Natürlich macht die große Rede, das bedeutende Buch, das ganze Leben Sinn. Aber nur für den der es annimmt als seinen Sinn. Der Unsinn ist natürlich auch dieser Widerspruch, indem ein Wissenschaftler behauptet, es mache sehr wohl Sinn und ich muss ihm recht geben, denn für ihn kann es schon Sinn machen und für andere einen anderen Sinn. Bei der Sprache haben wir ein immer Werdendes zu denken, welches niemals zum Sein gelangt. Es ist schwierig über die Dinge nachzudenken und noch schwieriger etwas herauszufinden, aber es ist unmöglich, sich für alle verständlich zu machen.

 

 

SCHWAIGEN&NICHTSZ
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FREUDE - AUTOR
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Sprache und Satz Sprachphilosophie

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Schwaigen oder Nichtsz,

Das ist hier die Frage.

 

 

Manfred H. Freude

Schwaigen

&   Nichtsz

 

Schwaigen oder Nichtsz,

das ist hier die Frage.

 

 

Das Denken zum Sprechen bringen.

(Nenne es Reden, wenn Du willst.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer dieses Buch freundlich gelesen hat, kann a posteriori intuitiv, aufrecht und selbstbewusst sagen,

dass er weiß, dass er nichts weiß, und nichts wissen wird, ohne diesem, dass er weiß!

 

 

Einleitung:

Undeutliches Nachdenkliches schweigendes.

Ich verlasse mit meiner Theorie, die keine ist, und auch keine Hypothese, das Gefängnis meiner Sprache, dass nur kärglich möbliert ist. Auch reicht nicht meine Vorstellung zu dem, was man denken, oder auch nicht denken kann, und meine Bewunderung gilt Jenen, die bereits wissen, was ich damit sagen will. Ich rede, also denke ich (nicht), spreche dunkel, also bin ich (und mein Leben ist doch reichlich). Wenn ich rede, habe ich bereits gedacht oder denke nach. Was Sprechen heißt, bezieht sich auf unser Denken. Damit wir unsere Rede verstehen, müssen wir bereit sein zu verstehen, was geredet wurde und nicht was gesagt oder geschrieben wurde. Es geht um die Bedeutungslosigkeit des gesprochenen Wortes in ganzen Sätzen. Das ausgesprochene Wort ist bereits ein Artefakt. Die Reinigung als eine Katharsis, dient nicht dem Menschen. Sie dient vielmehr der Reinigung der Sprache. Kein abweichen von der normalen Sprache. Wir reden so klar, wie wir denken, dass wir verstanden werden könnten. Beim Sprechen geht der Sprecher immer von der Unwissenheit seiner Zuhörer aus. Das heißt er versucht sich „verständlich“ auszudrücken. Was wir, von Welt wissen, wissen wir über unser Sprechen. Aber nicht so, dass wir das Sprechen so übernehmen, wie wir zum Beispiel ein Lexikon übertragen würden. Wir sind in eigenen Einbildungen gefangen. Aus diesem Gefängnis kommen wir nicht mehr heraus. Es gibt einfach nichts Einfaches. Wenn wir die Worte der Sprache als einfach betrachten, so sind sie Nichts, etwas, vom Nichts im Nichts, eine ausgesprochene Leere. Kein Verständnis, wo wir uns missverständlich ausdrücken, was wir aber so nicht sagen wollten. Der Andere interpretiert eine völlig andere, neue Version. Das Reden wird beendet, weil man auf diese Weise nicht weiterkommt. Besserwisserisches Sprechen, zu allem und jedem. Aber in der Sprache entsteht nur das Eine. Die Leere, das Nichtsz. Schwaigen erfüllt den Raum. Melancholie ist nach aller Erfahrung. Schwaigen ist das Restrisiko der Sprache. Gänzlich ist das Nichtaussagbare bei aller Rede nicht auszuschließen. Weil es, wie ich behaupte, im Schwaigen nicht darauf ankommt, wie ich spreche und dass ich etwas ausdrücke; sondern auf das Prinzip: warum ich so spreche, das muss der Hörer beachten.

 

 

 

 

 

 

 

Die Geschichtlichkeit der Literatur beruht nicht auf einem post festum erstellten Zusammenhang literarischer Fakten, sondern auf der vorgängigen Erfahrung des literarischen Werkes durch seine Leser. Dieses dialogische Verhältnis ist auch die primäre Gegebenheit für die Literaturgeschichte.

H. R. Jauss, Literaturgeschichte als Provokation der Literaturwissenschaft.

 

 

 

Schwaigen oder Nichtsz,

dass ist hier die Frage?

 

 

Vorrede

Was ich unter Schweigen (Schwaigen) verstehe, ist ein aktueller Begriff. In der Sprachphilosophie und Sprachwissenschaftstheorie werden Entwicklungen weitergeschrieben. Entwicklungen, die den Tatsachen nachgehen, wie Sprache funktionieren könnte. Es werden Interpretationen und grammatische Untersuchungen angeboten und ein Nachdenken über Theorien, über Sprache hinter, oder vor der Sprache, auch nur korrekt zu sprechen, oder besser zu schweigen. Aber Schweigen und Schwaigen sind zweierlei (das Schwaigen werde ich im weiteren noch eingehend erklären). Unser Denken kann nicht hinter einem Sprechen stehen, das wir nicht verstehen. Wir verstehen immer etwas als Mnemogedächtnis oder Erinnerung. Schwaigen ist ein kommunikationsfreudiger Akt, bei dem nicht nur gesprochen wird und bei dem auch, nicht immer, Töne erzeugt werden. Schwaigen hat mehrere Funktionen. Schwaigen setzt ein Interesse an einer Unbestimmtheit voraus. Während man einem Anderen zuredet, schweigt man über die wesenhafte Aussage hinweg. Doch kann das Schwaigen auch einen Kontext zur Verständigung anzeigen. Tatsächlich haben Theorien, die sich alle auf einer Linie befinden, und ihre Wahrheiten und ihre Fehler fortschreiben, ihre Gültigkeit. Warum aber diese Gültigkeit besteht, darüber handelt das Folgende. Diese meine These lautet, dass alle Theorien, nur das Eine besagen, sie bilden Argumente. Alle Schriften und Reden sagen etwas über das noch unverstandene Nichts. Dieses Etwas ist noch von jedem Leser oder Hörer zu erarbeiten. Eine Leiter eben, die wenn er erkannt hat, dass hier diese Schrift, Nonsens ist und dass dies, was er erkennt, sagt und schreibt, Torheit ist, und er diese Leiter umwerfen kann. Es geht also nicht nur vorwärts, es geht immer weiter aufwärts, also eine vertikale Bewegung. Ich will auch sagen, dass das von mir verstandene Schwaigen, nichts mit Gleichgültigkeit zu tun hat. Die Wohnungen unserer Sprache, sind nicht nebeneinander auf gleicher Etage, vielmehr sind sie übereinander, sozusagen im anderen, höheren Stockwerk. Man spricht seriös im Haus, in einzelnen Kammern privat: Außerhalb des Hauses spricht man fremd, poetisch, wissenschaftlich, hypothetisch. Man wechselt die Sprache wie einen Fernsehkanal, womit jeder Kritiker Probleme hat, sich den zweckdienlichen Kanal auszusuchen, das sind ebenfalls Denkprozesse. Bei Schriftwerken ist diese Ausgrenzung einfacher, geben sie doch nur eine Meinung wieder. Wenn ich sage Schwaigen, was nicht gleichlautend ist mit Schweigen, so meine ich, dass es nicht über die Sprache zu begreifen ist. Das Schwaigen ist das Transportproblem zwischen Sender und Empfänger. Die Medialität, die erst Wirklichkeit sein lässt. Eine Performanz, deren Handeln unmittelbar mit Werkzeug und Instrument zusammenhängt, wie das hämmern ohne Hammer, ist dem Sender nicht möglich. Wie soll ich wissen, was er meint? Ich erkenne ja nur seine Worte. Ihren Sinn muss ich selbst denken, erraten, reimen. Aber dies intuitiv aus seinem Text, nicht aus jedem Wort.

 

Leider kann ich nur Beispiele oder Zitate über ein Schweigen anführen, das in der Philosophie nicht in meinem dargestellten Sinn verstanden ist. Das bislang gebräuchliche, Schweigen, wird als eine Stille verstanden. Sie entspricht nicht meiner Begriffsbestimmung von Schwaigen, das redend ist. Wie aber sollte man das Schwaigen hören, wenn man das Sprechen nicht einmal versteht?

 

Es gibt sie wirklich die Philosophenkönige, aber es gibt etwas Höheres, eine höhere Macht, eine Glaubensmacht. Diese Gebieter hier auf der Erde und diese Herrscher dort oben im Himmel. Ich meine die Dichter. Diese Differenz zwischen dem Wissenschaftler und einem Dichter.

 

 

Vorbemerkung

 

Nur ein Gedanke ist mir: Es ist nichts und das Schwaigt!

Es spricht: Bedenke. Ich aber habe nur die Vorsicht des Nichtwissens (keine Wissenschaft, keine Besserwisserei, keine Hypothese, keine Überheblichkeit, keine Hybris, keine Nutzenabsicht).

 

Dieser Kern ist Schwaigen.

Mit dieser Schrift beziehe ich mich auf die Behandlung von Problemen, sowohl in der Lyrik, als auch in der Philosophie, die in zahlreichen Veröffentlichungen, bis zum heutigen Tag ausführlich, aber einseitig, behandelt wurden. Einseitig, wie ich weiß auch deshalb, weil man annimmt, dass man von einer anderen Sichtweise nicht „sprechen“ kann. Die von mir behandelte Kritik ist dahin gehend, dass in fast allen Veröffentlichungen, bei denen man sich, so zahlreich auf ein Schweigen bezieht, (und zwar in diesem Sinne, das es wohl besser wäre zu schweigen, statt zu reden) nur, von einem Schweigen, als einer Geräuschlosigkeit, die Rede ist. Dass dies auch anders möglich ist, werde ich hier beweisen. In meiner Abhandlung geht es darum, dass ein Reden ohne ein übereinstimmendes Schweigen nicht möglich ist. (Adorno ÄT Paralypromenia): In der zeitgenössischen deutschen Lyrik (ein Beispiel von Paul Celan) hat der Erfahrungsgehalt des Hermetischen sich umgekehrt. Das heißt, das Hermetische ist nicht mehr eingeschlossen, sondern wird ausgeschlossen; oder auch beides, dieser Widerspruch (Antagonismus), ist nur scheinbar. Diese Lyrik ist durchdrungen von der Scham der Kunst angesichts der Erfahrung, sowie der Sublimierung des sich entziehenden Leids. Celans Gedichte wollen das äußerste Entsetzen, durch Verschweigen sagen. Kann man Entsetzliches durch Verschweigen ausdrücken? Das Verschweigen muss selbst für sich sprechen. Für sich sprechen können. Es muss auch Leib, Körper, Materie und Sein besitzen. Aber der Mensch wird erst als Atemloser zum ewigen Lebewesen. Als vollkommen Verwester, von allem Organischen getrennt, auf dem Seziertisch der Geschichte, wird sein Leben wieder hergestellt. Mit kriminaltechnischen Mitteln, wird seine Identität neu erschaffen. In diesem Nachvollziehen, lässt sich ein Leben nachkonstruieren. Der Faden zieht sich, vom sprechenden Entsetzen des leblosen Toten, des anorganischen Sprechens, zum anschließenden, vollkommenem Verstummen aufgrund eines herausgearbeiteten Reports. Der Sprechende betritt als Redner die Bühne und zieht sich die Rede über, wie eine Verkleidung. Er wird damit zu seinem eigenen Inhalt dieser Rede. Aufgrund dieser Verwandlung, entstehen Irritationen, die beim Zuschauer Irritationen, und zwar durch die Magie des Schweigens, auslösen. Auch für Indianer und Afrikaner, ist eine Maske nicht nur ein Dämon, dessen Kraft auf die Träger übergeht, sondern der Träger selbst, wird zum leibhaftigen Dämon, der die Persönlichkeit, das Sein und Selbst, des Trägers auslöscht. Auch eine Ikone beschreibt oder bezeichnet nicht Gott, vielmehr stellt sie Gott dar, sie ist Gott selbst. Diese, wie auch Kinder beim Spielen, ob sie in jedem Augenblick, in die Realität zurückgeholt werden können (wie Adorno hierzu behauptet) wage ich zu bezweifeln. Das Sprechen ähnelt dem vorherigen Sprechen, verbindet, oder überschneidet sich. Alles aus unserem Wissen ist eine alternative Realität jeder empirischen Erfahrung. Das reine Wort kann nicht alles aussprechen. Im reinen Wort glaubt das Sagbare, es versagt. Nur dieses Wortlose, dieses Unsagbare, das sich „eröffnet“, dieses Öffnen kann der Blitz schaffen, der zwischen Wort und Gründung überspringt, indem Beide mit sich selbst identisch sind. Nur wenn hier die Worte, in den Kern des tiefsten Verstummens hineingelangt sind, kann das Schweigen wachsen. Jenes, was nicht ausgesprochen werden kann, ist nur ein, sich konzentrieren auf das Besondere. Dies ist aber noch nicht das Schweigen. Das Paradoxe, das die Rede spricht und doch schweigt, findet seinen Grund darin, dass dieses Schweigen in der Rede gar nicht vorkömmt. Es liegt in viel weiteren, viel tieferen Fernen. Sagen verschiedene Kunstwerke, in verschiedenen Epochen, auch etwas Anderes aus, so spricht eine Rede oder eine Schrift, ebenfalls zu verschiedenen Zeiten: Verschiedenes, was ebenfalls ihren Wahrheitsgehalt verändert. So ist denn auch jede Rede etwas empirisches Erscheinendes. Als eine aufblitzende und vergehende Schrift, wie wir ein Himmelszeichen als Menetekel sehen, welches erscheint und wieder verschwindet. Eine Rede sei mehr als ihre Sätze. Worte oder Buchstaben reichen nicht. Dieses Mehr besagt etwas Anderes. So beschreibt Baudelaire das Abstrakte in der Moderne: Das Neue ist dem Tod verschwistert. So ist auch das Reden mit dem Schweigen verschwistert. Das Schweigen, überschreitet die Grenze der Sprache. Es geht hinüber und bleibt im Raum, wie das Wasser in einem Glas, das man in ein Zimmer stellt, nach einigen Tagen aus dem Glas verschwunden ist, und doch im Raum blieb. So wie auch der Mensch stirbt, und doch bleibt Seele (wie auch der Körper nicht völlig verschwindet, selbst beim Verbrennen bleibt etwas). Ich kann als Grund für meine These sagen, dass, was die kritische Vernunft, als „unsere Anschauung nichts als die Vorstellung von Erscheinung sei“, so behaupte ich, dass jedes Sprechen nicht so zu übertragen ist, in seiner Fluktuanz, seiner Wechselwirkung, zwischen Sprechhandeln und Gelingen, dass der Wortlaut, gleich den Gedanken wiedergibt. Vielmehr, was es mit unseren Worten auf sich hat, dem was wir denken, was wir uns nicht erklären können, über unser Sprechen, über die Sprache, bleibt uns vollkommen unzugänglich. Alles was wir denken, sagen und tun, ist eigentlich unsichtbar, ist nicht zu verstehen. Was redet, ist unermesslich, unendlich ist das Sprechen. Hört nicht auf. Doch ich befürchte selbst, wenn ich es beschreibe, es wird alles unverständlicher. Nur der das Schwaigen begriffen hat, kapiert sofort. Wir sagen also, wir sprechen und wir verstehen uns, aufgrund unseres Gedächtnisses (Mnemosyne), unserer Erinnerung. Soweit so gut. Aber dieses Verstehen ist ja kein Verstehen in wissenschaftlichem Sinn. Vielmehr ist es ein Einigen im freundschaftlichen Miteinander. Also kein Sprachspiel, in dem einer gewinnt und einer verliert. Oder aber einer schweigt in einer Dialogverweigerung oder vor Gericht, oder, er schweigt in stillem Gedenken am Grab. Aber dies Alles ist nicht das, wie ich dies meine, ist nicht das was ich meine, das SCHWAIGEN. Dies ist vielmehr das, worüber bereits viel, von Dichtern und Philosophen geschrieben wurde, jenes „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ Das ist nicht das, was ich letztlich mit Schwaigen bezeichne. Ich bezeichne jedes Sprechen damit, dass wir im wohlwollenden Gespräch übereinstimmen. Das heißt, wir wissen, was gemeint ist, oder meinen zumindest es zu wissen. Oder das Sprechen entzieht sich jedem unserem Verständnis. Dann muss der Redner eben nachlegen. Die Frage ist doch immer die nach dem Sinn. Aber da ist in keinem Wort und in keiner Schrift Sinn, denn nur dieser, den wir selbst hineinlegen können. Wie auch der Baum, in diesem Sinne, sinnlos in der Welt ist, und wir ihn nur denken können und damit Sinn geben. Sinn oder Unsinn, das ist hier wirklich die Frage. Ich sehe mich hier weit davon entfernt schweigen zu müssen, wie es noch Foucault oder Wittgenstein fordern. Aber wie können wir davon sprechen? Wovon? Wir sprechen eben! Dieses Sprechen ist bereits, das Sprechen vom Schwaigen, von dem was wir zu meinen glauben und was wir wissen können. Auch wenn die Urmenschen nur Laute gaben, wenn sie am Lagerfeuer nochmal zu der Stelle wollten, wo sie eine Beute vermuteten, so befinden wir uns heute, und ganz besonders in der Zukunft, in dieser Lage, dass wir aufgrund der Überfülle unserer Worte und Begriffe, nicht mehr den wichtigen Laut finden können. Das heißt, meistens wissen wir schon vorher, was wir wollen. Wille zum Leben“ erlaubt es, unserem spontanen Bedürfnis zu entfliehen, die menschlichen Bedingungen zu überwinden und ihnen zu entkommen. Wirkungsgeschichte: Dies gründet ja, auf dieser Voraussetzung, dass das "nachkommende Verstehen" prinzipiell über eine "unaufhebbare Differenz zwischen dem Interpreten und dem Urheber" hinweg versucht werden muss, "die durch den geschichtlichen Abstand gegeben ist." Das heißt: (fast) einer jeden Lektüre oder Interpretation gehen andere Lektüren und Interpretationen voraus. (A. Schopenhauer; die Welt als Wille und Vorstellung 1818). Eine Interpretation ist immer auch Dichtung. Man reimt sich einen Text zusammen, der, obwohl er sehr hochgehoben steht, doch nur mäßig Bezug zur Wahrheit hat. Und wenn sie fragen: „Ist denn alles Lüge?“ So sage ich im kantischen Sinn: „Ja.“ Sprache ist eine Spur von Hinweisen auf erneuerte Namen und Begriffe. Nichts scheint im Sprechen getrennt. Sprache ist die bekannte Form des Programmierens, ein zusammenlegen von Buchstaben und Fiktion. Was widersprüchlich zu sein scheint, ist in Wahrheit erneut, zur Sprache gebracht. Das Sprechen eins sei, mit Sinn, dass diese Form, dem Inhalt angehört, dass das Werk der modernen Kunst nicht Ausdruck, sondern Schöpfung sei, das sind Aussagen, die zweideutig von Form und Ausdruck sind. Weil das Nichts kein Gegenstand ist, bestimmt sich dieses Nichts durch sein Fehlen selbst. Was ich sagen und schreiben kann, ist mein Denken, zu dem ich keinen denkbaren Zugang habe. Angst ist die Schuld der Atemwende. Sie kehrt in sich selbst in ihren Ursprung zurück. Sprechen ist die Angst nie genug zu sagen und damit bereits zu viel. Sprechen, impliziert das Denken, das sich entfremdet. Heidegger: Reine Rede lässt sich nie vom Zeichencharakter her, vielleicht nicht einmal aus dem Bedeutungscharakter wesensgerecht denken. Krankhaft ist, wer verschiedene, unterschiedliche Sprachformen miteinander vermischt. Falscher Gebrauch der Sprache. Gefühl weiß nicht, wie der andere schmeckt. Ausdenken ist keine Lüge. Wer in die Luft sieht, glaubt zu fliegen, glaubt er sei schon ein Escapist. Heidegger war der Meister des Schwaigens. Er redete Wahres, aber das Richtige, das was wahr, das war sein Schweigen, aber gleichzeitig sein Schwaigen.

 

Es ist schwer der Schrift, oder der Sprache, sprechen zu verleihen. Denn Sprechen ist immer „selber Sein“ ist immer positiv, was aber der Reflexion eine mediale, sprachliche Reflexion verwehrt, das ist die Sprache positiv darzustellen. Die Sprache entspricht sich selbst. Sie entleert sich im Schwaigen. Wir akzeptieren, dass wir eine Sprache haben. Unsere Selbstüberhebung weist uns, vermittelt dieser Sprache, als Geschöpfe über Tiere und Pflanzen hinaus, was wir oft illegal verwenden. Wir nennen es heute vielleicht „WIR“. Dass wir eine Sprache haben, und eine Unübertrefflichere, unrechtlich mehr als diese Geschöpfe; mit dieser Unsicherheit, (wir wissen es nicht) wir können es nicht sagen. Unsere Skepsis und unser aller Wunsch ist es, ihnen dieses zu beweisen. Dies verlangt nach der Wissenschaft. Diese soll „beweisen“ zu unserem Nutzen, und das macht sie auch. Wer sich auf desgleichen Gebiet begibt, sollte sich von anderen Oratoren unterscheiden. Es gilt eine besondere Sprache zu sprechen, exakt zu reden oder lieber ganz zu schweigen, (soweit ist aber unser Sprechen von Natur aus ohnehin naturgemäß). So weit sind wir aber gekommen. Zu einer mehr als einer babylonischen Sprachverwirrung. Unsere Aussagen in Werbung und Politik sind inzwischen „unerklärbarer Nonsens“, wissenschaftlich geprüft, aber auf derart hohem Niveau, das unsere Begeisterung überschlägt. Wissenschaftlich scheinen die Worte überdeutlich, der Sinn unzweifelhaft. Für Jeden jedoch unverständliches Zeug und im Zweifelsfall juristisch mehrdeutig. Die Frage bleibt nur diese: Wollen, können oder müssen wir, mit diesem Unsinn, weitermachen? Die Versuche mit Griechisch, Latein und nun Englisch, blieben nur Versuche. Verstehen wir uns überhaupt über diese Sprachen? Wenn ja, von welcher Sprache reden wir? Über die Sprache oder durch die Sprache, dort beginnen bereits Zweifel. Alles Sprechen, Reden und Schreiben, impliziert bereits, was nicht ausgesprochen wird. Jede Theorie baut sich eine Gegentheorie. Selten werden unsere Worte oder Sätze akzeptiert. Immer wieder wird widersprochen. Das sind Sinn und Eigenheit unserer Sprache. Wir lernen durch Widersprechen, nicht durch das Sprechen. Diese These falsifiziert alle Worte und Sätze. Wer ihr widerspricht, bekennt, dass sie funktioniert. Wer sie bestätigt, weiß, dass das Wissen und alle Erkenntnis nicht über die Sprache vermittelt werden. Ich denke, dass dies ein herausragender, moderner Anstoß ist. Man kann nicht von Sprache auf Sprechen schließen. Sprache und Schrift sind etwas zu Klärendes, das nicht erst seit dem späten Platon. Wir sagen, wir halten etwas fest, indem wir sprechen oder schreiben. Es sind Gedanken, die zu verfolgen sind. Gedenken, die implizit in unserem Sprechen nicht ausgesprochen werden. Ich kann und will diese These hier auch nicht wissenschaftlich angehen, (dann wäre es Hypothese,) weil ich denken, das Sprache und Wissenschaft sich widersprechen. (Deswegen nicht alleine, weil Wissenschaft, seit Kant auf Nutzen ausgerichtet ist. Heute heißt das Drittmittel.) Vielmehr kam ich bei der Lektüre, zur Bearbeitung dieses Problems, in Gestalt der differance, bei Derrida mit dem Hinweis auf die Differenz zwischen Ereignis und Diskurs, und im Besonderen, der Büchner-Preisrede und, dem Gang durchs Gebirg, bei Paul Celan, auf dieses Problem, zwischen Schweigen und Schwaigen. Dort fiel mir die Sprachlosigkeit in der Sprache auf. Bei der Lektüre aller verfügbaren Theorien erkannte ich, dass Sprachtheorie sich lieber damit beschäftigt, wie wir sprechen, was wir sprechen. Aber wie sprechen wir? Wir können nicht lesen und wir können nicht schreiben; wer schon? Also, warum sollten wir sprechen und hören können? Wie ein Dichter etwas sagt und woher seine Sprache kömmt? Das, was wir sprechen, wird immer selbst, dass heißt auch falsch, interpretiert. Das, was nicht gesagt wurde, was im Gedicht „gestrichen“ wurde, ( wird impliziert) wird hier verschwiegen. Wenn wir die Sprache benutzen wie ein Werkzeug, wie einen Hammer zum Beispiel, so bedeutet die Sprache dieses zuschlagen auf den Nagel. Was aber bedeutet dieses zuschlagen? Ein handeln, Performanz, vortragen, Prozession? In der Rede der Sprache geht die Prozession, schweigend mit dem Vortragen des Heiligsten voran. Es geht hier immer um eine Form, um eine Seite, es geht um das Reden. Das Wort zeigt sich in seiner ursprünglichen Form des ersten Begreifens. Der Satz bewegt sich Schritt für Schritt voran. Das Wort reflektiert als Glänzendes. Wird selbst zum Objekt. Jeder Buchstabe ist ein goldener Vers, ist eine Metapher, ein in Eines stellen. Nichtsz! Man kann den Hammer erklären und den Nagel. Man könnte auch ein Zuschlagen erklären. Eigentlich alles erklären. Aber was bedeutet das, Alles? Nichtsz! Wir messen ihm, (dem Geschriebenen und Gesprochenen) auch im Roman oder Krimi oder im Gedicht, zu viel Bedeutung zu. Weil wir es falsch gelernt haben. Das, was es zu erforschen gilt, sowohl für den Sprecher als auch für den Leser, ist das „Nicht Gesagte“ das Unausgesprochene, das Ursprüngliche, das wovon die Ursachen sind, was wir wissen. Das, was wir nicht wissen können, scheint die Ursache für das Schwaigen zu sein. Anderseits führen Andere das Sprechen und die Abfolge der Werte zu einem schon bekannten (hermetischen) Wissen hinzu. Keiner aber spricht von der Essenz der Aussage. Mein Schreiben ist ein Überlegen, ein hinüberlegen von nicht verarbeitetem Sein. Es existiert, aber es ist unbegreiflich. Ich kann darüber nichts aussagen, weil es noch zu dunkel ist und mein Leben dagegen zu kurz. Vielleicht vermögen es spätere Generationen zu beschreiben? Wir können den Sinn eines Textes nicht erkennen, weil er dunkel ist und wir selbst endlich sind. Der Sinn, den wir einem Text zuschreiben ist, nicht der eigentliche Sinn. Wir interpretieren immer und in dieses Interpretieren legen wir unseren Sinn. Die Interpretation des Textes könnte eine Autorintentionale sein. Es ist nicht Bedingung, das der Autor Sinn in seinen Text legt, wohl aber einen Zweck verfolgt. In dem Text bleibt das Unaussprechliche, der Inhalt. Worin sich Seiendes zeigt, wo Sinn und Sein sich zu erkennen geben, bleibt das Selbstbewusstsein alles was wir für eine Erklärung halten, ist nur der gesunde Menschenverstand. Dass man nie gewiss sein kann, einen Text auch verstanden zu haben, ist noch kein Beweis, ob im Text irgendein Sinn vorhanden ist. Das, was wir für sinnvoll halten, eine Autorintention, (ich halte dies für eine Autoritätsintention) könnte ebenso Schwachsinn sein. Natürlich sind innerhalb eines längeren Textes immer nur wenige Sätze von Bedeutung. Alles Weitere, ist Füllwerk, und jeder weitere Satz, dient nur dazu, dass man den wichtigen Satz, nicht, oder nur falsch verstanden haben könnte, und trägt weiter zur Verunsicherung bei. Wenn nun behauptet wird, das meine Äußerung: alles was wir reden ist eigentlich ohne Sinn, dazu führt, dass auch meine Texte sinnlos (Unsinn) sind, so kann ich das nur bestätigen. Das heißt ja nicht gleichzeitig, das Sinnloses nicht zu irgendeiner Erkenntnis führen könnte. Dies liegt ja ohnehin bei jedem Einzelnen. Also kein Verstehen von Text, vielmehr ein eigenes Verstehen von Gedanken. Zu behaupten man rede keinen Unsinn scheint mir sophistisch, obwohl ich die Gedanken der Sophisten sehr schätze.

Sagt der Schriftsteller, was er meint, oder, was er meint das wir hören wollen? Das Reine, Schöne und Gute liegen nicht, wie es die Mönche des Mittelalters verbreiteten in den Worten. Es liegt darin, dass sie aufgeschrieben wurden und wir etwas Neues damit anfangen. Kein Sprechen spricht; lediglich das in ihm enthaltene Schweigen redet. Je weiter wir uns einer Aufgabe nähern, je näher wir allen Einzelheiten kommen, umso entfernter begegnen uns die Dinge, um so Fremder, außer uns, ereignen sich unsere Vorstellungen. Wir stimmen alle unsere Uhren ab auf ein Datum, auf die gleiche Zeit. Wir sind uns aber nicht sicher, ob wir in derselben Zeit und im selben Raum zusammenkommen. Wenn man in diese Tiefen der menschlichen Sprache herabsieht, erblickt man den Text als Text, als das gesprochene Wort, vom Anfang bis zum Ereignis, dem gemeinten Objekt, dem Gegenstand, der Idee. Dazwischen aber ist diese Differenz, dieses nicht Ausgesprochene, das als bekannt vorausgesetzt ist, vom Sprecher und vom Hörer, immer anwesend ist, und dieses nicht Ausgesprochene könnte nur durch andere Worte ausgesprochen werden. Es ist diese radikale Differenzialitätsthese von Ferdinand de Saussure, durch Derrida weitergedacht, und von meiner These noch radikaler umgekehrt. Dem Schweigen geht alles Voraus. Nicht durch Aufhebung sagt Hegel, der Unterschied (Differenz) geht allem Voraus. Das Objekt geschrieben, gesprochen oder als das reale Objekt. Eine Rose, das Schreiben oder das Sprechen ist der Diskurs, der über etwas, ein Objekt, Ereignis handelt. Wir können sprachlich oder schriftlich, das Objekt oder Ereignis nicht abbilden. Diese verbleibende Differenz. DIESER Unterschied einer Atemwende, das Schweigen. Über eine Rose können wir noch gut sprechen. Wie aber sprechen wir über Dinge, wenn wir über die Dinge nicht sprechen können? Wir sprechen wider das Vergessen, sprechen die Dinge aber nicht aus. Wie komplizierter, aber ist es mit Dingen wie mit der Werbung und Politik? „Was die vorontologische Ebene der differance betrifft, sagt Derrida, dass sie alles Seiende, die Dingwelt also, hervorbringt und strukturiert. Indem er die Dingwelt im oder hinterm Spiel der Zeichen verschwinden lässt, kann Derrida zugrunde legen, dass es keine außersprachlichen Objekte als solche gibt. Das Seiende verschwindet im oder hinterm Spiel der Sprache.“ Das ist eine sehr komplizierte Formulierung für die These der Unhintergehbarkeit der Sprache: Was auch immer uns zugänglich ist, ist uns in uns selbst zuletzt, also nicht durch die Sprache gegeben, sodass es kein Wissen (sic) von außersprachlichen Dingen, egal ob Dinge an sich oder das Wesen der Dinge, geben kann. Wenn es also die „Dinge an sich“ nicht geben kann, noch die Dinge in der Sprache gegeben sind, so sind nur die Dinge in uns, die wir sprachlich ausdrücken können seiend. Sie sind aber auch nicht in der Sprache, da wir selbst mit der Sprache noch kein Ding erschaffen können, ist Nichts außerhalb unserer Vorstellung. Ich habe eine Sprachwahrnehmung. Ich will sprechen und spreche. Aber meine Sprache ist nur ähnlich dem, was mir vorgestellt ist. Dass die Außenwelt, das Ding an sich, verschwindet, im Wissen von außersprachlichen Dingen, hinter dem Sprechen. Weil aber kein Gott da ist, bin ich mir selbst und brauche keine Welt – wenn er da wäre, würde er mir das Paradies schaffen. Die Einheit von der Identität der Sprache, vom Sprechen und von dem, worüber gesprochen wird, vom Diskurs und vom Ereignis, ist eine Relation. Zugleich aber liegen beide Teile in einer relativen Einheit hintereinander zwischen dem Ganzen. Was gesprochen wird und worüber gesprochen wird, dazwischen liegt eine Differenz. Nur dadurch, dass gesprochen wird, kann das Ereignis zur Sprache kommen. Das Ereignis spiegelt sich wider in der Sprache. Durch die in der Sprache enthaltenen investierten Informationen wird die beabsichtigte Aussage verstellt. Dieses sich Spiegelnde kann nicht unmittelbar gegeben sein. Es ist somit eine epistemische Subjektivität. Ein Sprechen wäre innerhalb eines Harmoniebegriffs, (Heraklit) parallel eines ontologischen Zusammenhaltes von ontisch Geschiedenem und damit aber, die Einigkeit inmitten aller Differenz. Das Schwaigen aber ist in einer Rede enthalten. Das Heben einer Monstranz zeigt das verschlossene Token. Das, was eingeschlossen, was sich verschlossen zeigt, zeigt seine Bedeutung. Die Zuhörer fallen sprachlos auf ihre Knie. Dies ist mein Fleisch, mein Blut, so redet das Schwaigen, als das Verschwiegene. Das Schweigen ist ein, in einer Rede enthaltenes apriorisch-empirisches, verschlossenes Nichts. Das Nichts eines Kruges, einer Radnabe, um derentwillen der Krug und das Rad hergestellt wurden, wie eine Rede hergestellt wurde. Sprache ist statisch, ist keine Realität, kein Gegenwort. Sie liegt in der Form. Sprechen dient nur einem Prozess der Umschichtung von wechselnden Meinungen.

Das Nichts, von dem die Rede ist, ist das Unwahrscheinliche. Mehr können wir nicht hoffen. (Das Nichts leere Worte, Horatio, Lippenblähungen, geschwätzig Samenblasendes). Indem man liest oder zuhört, formt man den Text mit. Man denkt, ist berauscht oder träumt den Worten nach. Entweder vergisst man alles oder es arbeitet in einem weiter.

 

>>Die Aufgabe, die sich der moderne Lyriker stellt, das bislang noch Unartikulierte ins Wort zu bringen, dem Unbewussten ein Begreifbares abzugewinnen, wird immer schwieriger. Eliot spricht vom >raid on the unconscious< dem Beutezug aufs Unbewusste. Dieser Wille, das Unartikulierte ins Wort zu bringen, impliziert die Erfahrung der Grenze, wo sich die Sprache versagt. Das ist »der Gipfel reiner Verweigerung« über der »letzten Ortschaft der Worte«, über dem »letzten Gehöft von Gefühl« in Rilkes Gedicht »Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens«.“Alle lebendige Sprache steigt aus dem Schweigen empor und mündet in Schweigen ein. Seit jeher sind die Pausen zwischen den Worten ein integraler Bestandteil der lyrischen Ausdrucksweise. In der modernen Lyrik breitet sich der Raum des Schweigens aus. Die Gedichte sind gekennzeichnet durch das wachsende Schweigen. Das moderne Gedicht »zeigt eine starke Neigung zum. Verstummen«, sagt Celan. Seine eigene dichterische Entwicklung illustriert dies am eindrucksvollsten, aber auch die von Günter Eich, Ingeborg Bachmann, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Ilse Aichinger. Die Worte werden weniger, die Pausen nehmen zu. Das Schweigen der Dichter kann viele Gründe haben. Die Symbolisten wählten die Technik des Aussparens und Andeutens statt des expliziten Nennens, um die evokative Kraft der Worte freizusetzen und die Mitttätigkeit der Fantasie des Lesers zu provozieren. Das sind Gründe der poetischen Effizienz, wie sie in einer bestimmten Entwicklungsphase der Dichtung (Poetik) geboten schien. Zugleich aber verschwieg sich das Ich in dieser Lyrik, und diese Aussparung des privaten Ich hat psychologische und soziologische Gründe. Repräsentativ ist das Ich, das seiner selbst unsicher geworden ist, einsam in den großen Städten, aber auch bewusst seiner Vielschichtigkeit. Im Gedicht projiziert es seine Möglichkeiten, sich in Masken zu zeigen, und integriert die disparaten Tendenzen in sich und um sich. Das Schweigen aber, das hier gemeint ist, hat seinen Grund vor allem in einem Misstrauen gegen die Sprache. Dass sich das, was der Mensch als sein Eigenstes und Tiefstes empfindet, dem Zugriff der Sprache entzieht, ist eine allgemeine Erfahrung. »Spricht die Seele, so spricht, ach, schon die Seele nicht mehr«, lautet ein vielzitierter Vers Friedrich Schillers. Die Sprachskepsis jedoch, die wir in der modernen Lyrik diagnostizieren, steht in einem besonderen zeitgenössischen Kontext. Da ist einmal vielerorts eine Reduktion des Bereichs der Sprache festzustellen. George Steiner hat vom >Rückzug aus dem Wort< gesprochen. Symptome sind der schwindende Sinn für die Kunst der Rhetorik und die gepflegte Konversation, die schwindende Freude an der sprachlichen Form überhaupt. Verdrängt wird das Wort durch die Konkurrenz anderer Medien. Das Bild gewinnt neue Bedeutung und erlangt durch das Fernsehen unerhörte Wirkung. Marshall Mc Luhan hat vor 25 Jahren in seinerzeit aufsehenerregenden Ausführungen das Ende der Hegemonie der Gutenbergschen Erfindung und das Heraufkommen einer neuen Ara visueller Kommunikation verkündet. Auf der anderen Seite hat in den Wissenschaften ein zunehmender Prozess der Abstraktion der Wortsprache den einst unbestrittenen Rang abgelaufen. Im Streben nach Exaktheit haben die Formeln der Mathematik, die Zahlen und Diagramme der Statistik über die Wörter gesiegt, sogar auf dem Gebiet der sogenannten ‘Geisteswissenschaften<. So erscheint auch unter diesem Aspekt die lyrische Dichtung (Poetik) als Reservat und Refugium des Wortes. Wieder zeigt sich die kompensatorische Tendenz, von der wir sprachen. Dem Rückzug des Wortes antwortet ein Rückzug aufs Wort.[1]<<

»Sprachen besitzen starke Lebensreserven«[2], schreibt George Steiner in Sprache und Schweigen, »mit deren Hilfe sie große Mengen von Hysterie, Analphabetentum und Gemeinheit absorbieren können ... Aber es gibt auch eine Belastungs­grenze. Benutzt man eine Sprache dazu, um Belsen zu organi­sieren, zu ersinnen und zu rechtfertigen, benutzt man sie dazu, um den Menschen in zwölfjähriger wohlüberlegter Bestialität zu entmenschen — dann passiert etwas mit ihr. Man mache aus den Worten, was Hitler, Goebbels und hunderttausend Unter­sturmführer aus ihnen gemacht haben: Übermittler von Un­wahrheit und Terror — und mit den Worten passiert etwas. Et­was von der Lüge und dem Sadismus setzt sich im Mark der Sprache fest. Unmerklich zunächst, so wie radioaktive Aus­strahlungen sich stillschweigend im Knochenmark festsetzen. Aber das Krebsgeschwür beginnt seine tiefsitzende Zerstö­rungstätigkeit. Die Sprache gedeiht nicht mehr, sie frischt sich nicht mehr von innen auf, und sie erfüllt nicht mehr so gut wie sonst ihre beiden wesentlichen Funktionen: die Übermittlung von menschlicher Ordnung, die wir Gesetz und Recht nennen, und die Vermittlung des Behenden im Menschengeist, was wir Anmut und Anstand nennen.«

Aber steht es nicht an, präziser vorzugehen? Der Alltagssprache ist nichts zugestoßen, gleich ob sie nun deutsch, eng­lisch, französisch oder russisch ist. Man kann in ihr weiterhin von Schmetterlingen und Blumen singen, als ob nichts gesche­hen wäre. Hier jedoch ist der springende Punkt: es geht nicht mehr um Schmetterlinge und Blumen, und man stellt fest, dass die Unfähigkeit der Sprache, gewissen Ereignissen gerecht zu werden, zugenommen hat. Das begann lange vor Auschwitz, vielleicht mit dem Ersten Weltkrieg, um dann bei Auschwitz seinen Höhepunkt zu erreichen. Die Sprache versuchte wohl, am Ereignis festzuhalten, indem sie sich, Schritt für Schritt, al­1er Subjektivität und Emotion entledigte und damit auch das Subjekt von allem Innenleben absorbierte. (Das gilt gleicher­maßen für die literarische Sprache wie für die der Sozialwissen­schaften.) Doch die Ereignisse entwickelten sich schneller als die Sprache. Seit Auschwitz erscheint die Distanz zwischen beiden unüberbrückbar. Und diese Distanz ist es vielleicht, die uns vor dem unerträglichen Eindruck der Vergangenheit be­wahrt.

Um diese Sprachlähmung besser verstehen zu können, muss man das Observationsfeld erweitern. Man muss die allgemein­ste und, im Großen und Ganzen, auch die einfachste Frage stel­len: Gibt es ein Kunstwerk, ein Werk der Literatur zum Bei­spiel, das sich diesen Ereignissen mit Entschiedenheit stellen konnte?

Ans Ende der letzten Seite seines Romans Mephisto setzte Klaus Mann folgenden Hinweis: »Alle Personen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Porträts.«

Der Nichtendenwollende Fluss von Worten und Bildern wird zusehends zu einer Wand, die die Vergangenheit verstellt, ob­wohl der einzige Zugang möglicherweise in der Ruhe und Ein­fachheit liegt, in der ständigen Präsenz des Ungesagten, in der ständigen Versuchung, ganz zu schweigen. »Wie selten zuvor«, schreibt George Steiner[3] in Sprache und Schweigen, »ist Dich­tung versucht zu     schweigen. Oder dies: »Das jetzt Beste viel­leicht, nachdem soviel gesagt, erklärt und veröffentlicht wor­den ist, ist zu schweigen; nicht noch die Belanglosigkeiten lite­rarisch-soziologischer Debatten dem Unsäglichen hinzuzuset­zen... «  Wohl mag es keine festen Regeln geben, doch spürt man nicht ein Verlangen nach Zurückhaltung? Könnte man nicht Steiners Worten beipflichten?

 

 

 

 

Die Sprache ist die Negation der Einmaligkeit.

Die Sprache trügt, dass Wahre trügt, das Wahre sieht anders aus.

Wahr ist diese Desillusion, die wehtut, das was die Täuschung zerstört. Wahr ist Enttäuschung, die Perversität der Lüge. Wer das Schwaigen nicht hört, nicht erkennt, der wird nicht erfahren, was im Sprechen, in der Schrift enthalten ist. Es könnte ja auch sein, das Sprache der Verrat unserer tiefsten Gedanken sei, das wir nicht wissen, was wir reden, also immer lügen würden?

Stimmt das, was geschrieben ist, dass was in einem Buch steht? Dann wäre das, was in einem anderen Buch steht hierzu ein Widerspruch! Damit aber wäre jedes Wort eine Allegorie, eine Metapher, eine Anspielung oder sogar Ironie. Sagen wir dann, diese Worte sagen etwas anderes, als sie scheinen? Entweder ist das, was geschrieben ist, wahr, das hieße in meinem Wortkreis „bekannt“. Also wäre es anscheinend überflüssig. Oder, es ist unwahr, etwas anderes als das Wahre und gerade deshalb wohl überflüssig. Die Wahrheit ist aber hiernach nur das, was „nicht“ gesagt/geschrieben ist, oder das, was nur dunkel/hermetisch gesagt oder geschrieben ist. Das Unendliche, an mehreren Orten gleichzeitig Wahre „Sein“ spricht hier in verschlüsselten Botschaften. Da wir an diese Grenzen gekommen sind, wenden wir uns dem Unendlichen zu. Unsere Botschaften wurden an ihren Grenzen abgegeben und leer betreten wir die Leere. Dem Unbekannten als das Leere, wo unbekannte Sprachen gestammelt werden, wo lediglich barbarisches zu hören ist. Das gestammelte Fremde wird zur stummen Sprache. Es ist nicht mehr das wahr, was wir erklären können. Vielmehr ist nun lediglich das Unerklärbare wahr. Wir sehen ein trojanisches Pferd, also ein Pferd. Wissen aber nichts von seinem Inhalt. Können auch damit nicht rechnen. Das Pferd scheint nur ein reales Pferd. Es ist nicht einmal ein wirkliches Pferd. Ein Trojaner eben. Eine Ironie. Wir bemerken nicht einmal seine Ironie. Nur die Andere, die nachfolgenden können sie erkennen. Und seine Erbauer? Vielleicht? Vielleicht haben sie es auch nicht als eine Ironie gebaut? Was einfach da ist, so wie dieses Pferd, hat die Eigenschaft, dass es plötzlich nicht mehr da ist. Aber wie es sich verändert, das wissen wir nicht.

 

 

Argumentation in Vertretung von Schweigen (Schwaigen)

 

Warum sprechen wir, dieses excedere, warum wir etwas tun? Wir tun etwas, in diesem Falle Sprechen, weil es gilt, unsere Lebensprobleme zu lösen, auch wenn es das Ende der Wissenschaft heißen könnte. Ich bin kein Sprachtheoretiker, vielmehr ein Sprachpraktiker, was landläufig als Dichter kuriert wird. Meine Umkehr von: Sprechen zu verstehen, heißt. Wer spricht schwaigt, das heißt, er sagt vieles nicht deutlich, was implizit im Gesagten mitspricht, das Verschwiegene (nicht das was er verschweigt) ist im Sprechen; daraus folgt: Wer nicht spricht, spricht schon mit und wer spricht, spricht vieles nicht, wer aber redet, der sagt, - aber seine Rede besagt nichts; das was gesagt sein Soll, wie auch das was nicht gesagt sein soll, lässt sich nicht aussprechen. Hierbei greife ich Aspekte der Theorien von Wittgenstein, Austin, Russel auf, mit dem Anspruch auf eine Verbesserung und Modifizierung, der Thesen die nicht unbedingt von mir und meiner Theorie zu leisten sind. Wenn die Worte ausgemeißelt werden, entsteht kein Schweigen! Ein Schweigen als etwas, „an sich“, wir meinen, dass wir es nicht so ernst nehmen. Aber Schweigen und Schwaigen sind zweierlei. Alles muss Rede sein, also auch das Schwaigen als ein Geläut der Stille. In der Rede ist das erkennende und schaffende Streben wahr. Das Schwaigen aber ist unwahr, dieses Unwahre aber ist auch wahr. Die Übereinstimmung der Rede mit dem Schwaigen drückt das Nichts aus. Wer redet, der bleibt stumm. Zum Reden braucht man das Schwaigen, aber zum Schwaigen braucht man nicht die Rede. Nichts zu denken ist fast unerreichbar und damit auch das nicht zu sprechen; wir reden und sagen nichts, wir schweigen und reden fortwährend. Denken und Schwaigen sind eins, aber das Sprechen ist nicht identisch mit dem Denken. Neben der Möglichkeit, wenn einer redet zu denken, was er sagt, besteht auch die Möglichkeit zu denken, was er nicht sagt. Das heißt auch der Redner denkt, was er meint, aber sagt, was er denkt, dass es dem Zuhörer hilft. Was wir nicht ausdrücken können, können wir nur im Sagen meinen; auch das was wir sagen können, können wir nur in Sätzen sagen, auch wenn wir es nicht meinen. In der Sprachtheorie geht die Kommunikation der Sprache zwischen Menschen und Menschen. Im normalen Sprechen ist es genau umgekehrt. Kommunikation funktioniert nicht von Angesicht zu Angesicht. Das Gegenüber entfremdet. Das Gespräch aber ist nicht bei sich selber zu Hause. Die Rede funktioniert in der Differenz zwischen den Gegensätzen. Ich kenne das ja, das viele Menschen genau wissen, worüber gesprochen wird und sehr wohl über viele Begriffe genaue Kenntnis haben, aber es nicht aussprechen können. Andere hingegen dauernd, viel und eloquent reden und über alles Bescheid zu wissen scheinen und doch muss man feststellen, das sie im Grunde nichts zu wissen scheinen. Ich unterscheide zwischen Schweigen und Schwaigen. Schweigen ist die redende Stille ohne Worte. Schwaigen ist die historische Differenz in der Rede. Das Literarische in dem Sprechen ist meine Position die eine historische ist. Ich bin mir also meiner historischen Vergangenheit bewusst. Die ich aber in meinem Sprechen verdränge. Die Probleme sind nun nicht mehr meine. Für die Darstellung der Themen eines hohen Dichters, gleich welcher historischer oder mythologischer Geschichten oder Szenen seine Themen sind, sind wir alle bei unserer Analyse unerfahrene Wilde. Wir müssen uns von den Ursprüngen des Urvolkes jener Beschreibung versuchen vertraut zu machen mit dem, was der Dichter gelesen hat, was er wusste. Es ist uns aber weder möglich unser Wissen auf den Stand des Herstellers zu bringen, noch ist es uns möglich, unser literarisches Wissen auf den Text anzuwenden. Wenn die Leute wüssten, dass von dem, das sie sagen, das meiste wieder gegen sie verwendet werden kann; so würden sie viel weniger reden so sagt man. Aber ist es nicht so, dass man gerade redet, damit der andere Argumente findet, gleich und unabhängig davon was und wie man etwas sagt und welchen Stellenwert wir dem Gesagten beimessen. Dieses „wieder gegen verwendet“ ist doch nur in Gesprächen mit weniger wohlwollenden Gesprächspartnern, wie oft bei Gericht der Fall.

 

 

 

 

Nur was wir nicht wissen, das macht uns klüger ...

(Manfred H. Freude)

Wir versuchen in unserem Denken und Zuhören zu verstehen, aber dieses Verstehen ist nur eine Vergewaltigung. Ich denke, dass ich in meinem Dichten nur zeige, wie eine Welt funktioniert. Ich schreibe nicht, damit mein Gedicht verstanden wird. Und wenn sie verstehen würden, weil sie zum Beispiel diese Situation bereits selber einmal mitgemacht haben, so sollten sie ihr Gedicht doch selber denken, denn sie sind weder ich noch ein Dichter wie ich. Ich will nicht, dass man in meine Gedichte eintaucht, wie in einen Roman. Vielmehr soll man bei meinen Gedichten nach außen entfliehen, emporsteigen, vergessen. Dichten ist ein Sprechen, für das keine Sprache ausreicht. Lyrik vollzieht als soziales System, Kommunikation. Das heißt Gesellschaft, und impliziert Text. So enthält sie nicht bloß Gedichte die Kommunikation befördern oder entzerren und aufheben. So stiften sie unbegrenzte Kommunikation zum Vernetzen, welche aber ein Verstehen verhindern.

 

Aus meinem Gedicht Liebestränenmeer: Weil ich blind war, sahst du mich nicht.

   ... mit liebevollen Blicken

Wusstest du, was es heißt,

Ohne das einer gesprochen hat.

 

Rede kann nicht ohne Schweigen gedacht werden, wie Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann.

Manfred H. Freude

 

Einleitung

 

Als ich begann über meine Lyrik darüber zu schreiben, dass es eine Distanz gibt zwischen unserem Sprechen und dem, worüber wir sprechen, da kam mir die Einsicht zu einer kritischen Sprachtheorie über das Reden und damit abstammend, verwebt: das Schweigen, das es redet, wie das Nichts. Dies klingt zunächst sehr alltäglich. Sprechen ist ein Unterwegssein und Reden, wohnt als rhythmisches und automatisches Trommelzeichen. Immer ein Zur-Sprache-bringen sein und Mitteilen von Ereignissen, die unerreichbar sind, implizit ist das Schweigen enthalten, was nicht ausgesprochen wurde, weil es als bekannt vorausgesetzt wird. Aus dieser unüberbrückbaren Distanz zwischen Diskurs und Ereignis spricht das Schweigen. Sprechen als eine Differenz zwischen Sprecher und Zuhörendem ist gleichzeitig die Distanz zwischen beiden; zwischen Mund und Ohren, zwischen dem Wort und seinem Begriff. Die Differenz als Identität einer Wahrheit apriori, beim Sprechen, das spricht, wenn Ich spreche. Zwischen der Geschichtlichkeit und dem apriori. Eine Differenz, zwischen dem Natürlichen und dem Hermeneutischen. Sprache, die sich dem Schweigen bewusst ist, als ihr Gegensatz, ist immer an dieses Schweigen gebunden. Auf dem Weg, aus dem Orkus ans Licht, sieht der Sprechende noch einmal zurück und wird zu Stein; kristallisieren die Worte zum Schweigen. Kein Echo, keine Interpretation. Ihm begegnet das ausweglose Dasein am Ort des unheimlichen Bereiches. Das, was noch nicht gesagt wurde, fällt zurück ins Sprachzentrum und überlebt. An der Grenze entsteht das Paradox der Randzone des verschwiegenen Wortes, das mehrdeutig und abstrakt, aber immer wirklich zur Sprache verhärtet. Widersprüchlich, Paradox eben, Modern. Die Syntax ist das Weiße zwischen den Zeilen – man schweigt, in dem man schreibt. Das Geschriebene beseitigt das Sprechen, macht das Schweigen lesbar in den Wörtern. Zwischen Schweigen und Sprechen west die Sprache zwischen Stimmheit und Vergessen. Das Schweigen ist der Blitz, der aus dem Himmel die Erde trifft, der verbindet; es ist der Funke, der zwischen die redenden Steine schlägt und zum Hörenden, leeren Gerede, zu lauter Ruhelager überspringt. Die Menschen sind sich einig; ohne das Reden erkennen wir niemals, was wir denken! Die Maske der Sprache ist bloßer Quatsch; irgendetwas zerbricht sie, dann erkennst du wirklich, was du denkst! Viele Sätze und wenige, mit denen man etwas anfangen kann. Anfangen beginnt mit dem Kern, beginnt mit dem Ei. Es gibt viele Dumme und Schlaue. Es gibt gute Gespräche zwischen Intellektuellen. Interessantes, ich mache mir viele Gedanken. Sollte die Sprache immer besser werden, wenn die Zähne immer schlechter werden. Wer weiß von was? Peinlichkeiten, wer sprach, wer schrieb? Von Heidegger bis Sartre hatten alle nichts zu verkünden. Was wir noch nicht kennen, scheint interessant. Und das Nichts ist das nicht mehr existierende Gegenüber der Sprache. Die Maschine spricht weiter, redet immerzu, auch ohne ein Gegenüber. Der moderne Schöpfer, im Token von Fußnoten und Trommelrhythmus, als immer gleicher Technik. Am Ort der Schöpfung, mit menschenleeren Hallen, als an gottlosen Orten, Toposidyllen, und produzierenden Maschinenautomaten, ist die Herstellung des Vernichtenden zu Hause. Der Himmel als eine Maschine. Das Fremde, gegen eine Gestalt der anderen Kreatur, eines Gegenmodells aus Menschenwerk, eines Marionettenapparates. Dem Pygmaleongeschöpf. Man spricht immer mit einem Schöpfergott, man beichtet, aber der Zuhörer, der Priester muss schweigen. Er hat nichts gehört, es war nichts gesagt. Das Nichts als Schöpfer, nicht als Gott, sondern als unmenschlicher Mensch. Das hergestellte Nichts der Schriften. Der Buchdruck beseitigt erst das Sprechen, macht das Schweigen lesbar. Das Weiße west in den Worten. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier auch ohne die Sprache. So wie die menschliche Sprache allgemein durch Symbolisierung dazu tendiert anscheinend immer dümmer zu werden. Nun scheint man in der Sprache der Tiere zunehmend Intelligenz zu erkennen. Aber was können wir schon erkennen? Wir reden über alles, was uns zugänglich erscheint. Schöne bunte Bilder über unsere Gehirne, wie sie denken und sich bewegen. Unser Denken existiert außerhalb der Welt und der Sprache. Wenn einer wirres Zeugs redet, unterstellt man eher eine Disjunktion des Geistes als auf eine falsche Benutzung der Sprache. Sprache ist aber immer Nonsens. Was man auch nur formulieren und aussprechen kann, setzt die Grenzen für das, was man denken kann. Es gibt keine stummen Gedanken. Es gibt nur eine stumme Sprache; „der Linguist X konnte in seinem Essay zeigen, dass ... Nichts. Nichts konnte er zeigen, wie man Jahre später feststellte. Der Ohnsinn der Rede ist der klare Verstand, der seine Grenzen erkennt. Früher noch hatte man Karten mit Ansichten, heute nur noch Ansichten. Man will so gerne etwas loswerden, etwas vom Leben erzählen, in der Hoffnung, man erhält etwas zurück. Der Redner hat die Angst vor seinem eigenen Denken, weil es das repräsentiert, was es nicht hat, Liebe, Freiheit. Das letzte Wort haben immer die Anderen.Was will der Dichter uns damit sagen? Dies ist eine allzu häufig gestellte Frage, die von Dozenten gestellt wird, wenn der Test eines Gedichtes nicht direkt zugänglich ist. Eine unsinnige Frage, wie sich herausstellen wird, die einfach so nicht gestellt werden sollte. Das Gedicht ist eine Schöpfung des Dichters. Zunächst wie es ist in die Welt gesetzt wird. Täglich gibt es auf der Welt Millionen neugeborener Kinder, in Deutschland zwischen sieben- und vierzehntausend. Kein Mensch fragt mit der Geburt eines Kindes: Was will uns die Mutter damit sagen. Diese Frage scheint unsinnig. Das Neugeborene kann noch nicht sprechen sowie das neue Gedicht noch nicht sprechen kann. Dem Gedicht muss erst durch viele Interpretationen Sprache verliehen werden. Eine Sprache, die zwar seine Muttersprache heißt, die aber nicht alleine von seiner Mutter gegeben wird, sondern auch von der Mutter Erde oder vom Vaterland. Das Gedicht erhält seine Sprache auf vielfältige Weise durch vielfältige Interpretationen von Poetologen, Sprachwissenschaftlern, Philosophen. An dieser Stelle wurde ja gefragt, was will uns der Dichter damit sagen und diese Erklärung wäre nicht einfach eine assoziative eines Gedichtes, und nicht die Frage, was will uns das Gedicht sagen. Wir unterstellen also dem Dichter bereits, dass er nicht einfach, mit seinem Gedicht etwas für sich ausdrücken wollte, sondern, dass er ein Gedicht schreibt, um eine für uns wichtige Botschaft herüber zu liefern. Unterstellen ihm also dummerweise, das Er, der Dichter, diese Leistung zu bringen hat, und nicht wir als Rezipienten, als Leser. Was will uns der Dichter damit sagen ist zunächst eine Floskel. Der Dichter verwendet für sein Gedicht die Sprache, wie der Bildhauer für seine Skulptur, sein Material benutzt und der Maler für sein Bild, Pinsel und Farbe. Der Fotograf durch sein Auge, durch die Linse des Objektivs sein Motiv. Er sieht bei der Fotografie ist uns zunächst ein allseits bekanntes Motiv zu sehen. Die Frage, was will der Fotograf uns damit sagen bezieht sich natürlich nicht auf dieses Motiv. Das wäre viel zu rar gegriffen. Kein Maler, so gewandt er auch sein mag, ist in der Lage, seine innere Vision oder das, was er vor sich zu sehen glaubt, gänzlich auf die Leinwand zu übertragen. Selbst in ihren strengsten Formen kann Musik nur teilweise die komplexen Gefühle, Ideen und abstrakten Beziehungen im Inneren des Komponisten wiedergeben. Daß zwischen der Be­drängnis, welcher Sensibilität und Vorstellung ausge­setzt sind, und ihrer sprachlichen Äußerung ein Ab­stand klafft, ist ein oft beklagtes Klischee, ein Ge­meinpiatz endloser Niederlagen nicht erst seit dem Beginn der Literatur, sondern seitdem es dringlichen, intimen Austausch zwischen Menschen gibt (George Steiner, Warum denken traurig macht. Suhrkamp Verlag 2006).Im Falle des Gedichtes wäre auch die Frage nach dem vorliegenden Text viel zu konzis gegriffen. Es geht prinzipiell, das die Frage so nicht gestellt werden kann. Was will der Dichter uns damit sagen? Er bildet eben nicht ein Motiv ab, so nicht einen römischen Brunnen und nicht ein Paar einfache Bauernschuhe. So wie es einfache Dichter gibt, so gibt es natürlich auch einfache Fotografen, die zunächst nur aufnehmen, so wie einer der glaubt zu dichten, einfach reimt. So gibt es Fotografen die zunächst einfache Dinge, wie sie in der Natur vorkommen ablichten. Oder Fotografen, die aus beruflichen Gründen, absichtlich Porträts oder Gebäude, abbilden. Es mag sein, dass Amateure dies im Laufe der Jahre zu einer gewissen Kunstfertigkeit und zu einem Können entwickeln, das Freiheiten zu einer künstlerischen Interpretation zulässt. Dies trifft aber nicht auf das hermetische zunächst verschlossen geglaubte Gedicht zu. Hierbei handelt es sich um ein modernes Kunstwerk, in der Art eines Bildes von Jackson Pollock. Dessen Interpretation von einfach hingepinkelt bis genial abstrakt alle Interpretationen zulässt. Es wäre daher nur richtig zu sagen, dass ein Werk, eine Mannigfaltigkeit der Interpretation, zulässt. Es spricht in einer Sprache. In der Sprache des Künstlers. Aber es ist nicht richtig, das ein Rezipient aus einem Werk die Sprache des Künstlers hört oder versteht. Der Sprache des Künstlers ist der Mensch nicht zugängig. Daher muss der Betrachter seine eigene Sprache formulieren. Wir können an den Punkten einer Raufasertapete fragen: Was will der Künstler uns damit sagen? Wir betrachten die Raufasertapete und erkennen an einzelnen Punkten Gesichter, Tiere. Sprachliche Urteile sind sie im Sprechen, im Werk, in der Schrift. Oder liegt das Urteil beim Sprecher selbst, der reflektiert was er sagt? Oder liegt das Urteil im Hörer, der das Ausgesagte beurteilt, beurteilen muss? Was aber ist Sprache oder Schriftwerk ohne den Urheber oder den Rezipienten? Was ist das: Sprechen? Explikation scheint ein Wesen des Sprechens, eine Reflexion zwischen lexikalischen Begriffen und der Alltagssprache. Unendlich ist die Kritik an Sprache und Schrift über ein unterschiedliches Verständnis, ein differenziertes interpretieren von Gesagtem und Geschriebenem. Der Pädagoge oder auch der Einfältige kritisieren die mündliche Rede. Dann fragen sie um eine schriftliche Abfassung. Nun wird der Sinn mit dem Zerlegen eines jeden Wortes, dekonstruiert. Ehe ich spreche, ist die Sprache Nichts. Es liegt beim Sprecher, es liegt beim Hörer, ihr Sinn zu verleihen, und der Sinn ist nichts anderes als der Sinn, den sie hineingeben. Daraus kann man erkennen, dass es möglich ist, sinnvoll zu sprechen, dass der Sprecher Sinn in seine Sprache gelegt hat. Aber sollte das aus seinen Worten hervorgehen? Es sind nur das Leben und die Sprache. Damit müssen wir uns abfinden. Die Sprache ist der Wille zur Macht. Man flieht vor den Menschen und ihren Ideen (ohne das diese geäußert wurden). Diese Ideen sind bekannt. Vernunft entwickelt sich im Laufe eines Prozesses (Hegel) der Erfahrung und ergibt damit Sinn. Worin Hegel noch Sinn sieht, will Nietzsche den möglichen Nonsens erkennen. Marc Aurel sagt dazu: „Halte dich jeder naturgemäßen Rede für würdig und der nachfolgende Tadel oder das Gerede der Leute soll dich nicht abbringen.“ So scheint es doch, dass auch die größte Albernheit, scheinbarer Quatsch, einer Rede oder Schrift die verworren daherkommt, doch am meisten durchdacht sein kann. Man kennt sich, man redet sich Vertrautes zu, man spricht Vertrautes. Etwas Früheres, das inzwischen veränderte. Was es ist, wissen wir selbst nicht genau. Es ist Nichtsz. Dass man aber nachdenkt, was es wohl sein könnte, bedeutet dass, wo vorher Leere war, nun etwas steht. Die Zeit enthüllt das bisher Unsichtbare. Natürlich steht immer alles im Text. Auch wenn der Wissenschaftler dies beweist, so ist es doch eine Binsenweisheit. Und diese Binsenweisheit zeigt, dass der Text etwas anderes spricht als die Interpretation des Wissenschaftlers. Redet nun der Text Vertrautes oder begleitet er lediglich meine Vorstellungen? Das in der Rede artikulierbare ist landläufig, gemeinhin als Sinn verstanden. Dieser Sinn ist in der Rede, wie auch im Text nicht enthalten. Es kann also aufgrund einer Textgenese keine sinnvolle Interpretation erfolgen, noch eine Interpretation, die einen autorintentionalen Sinn erkennt. Hörer oder Leser hören oder lesen als Subjekt einen Text, den wir hier als ein Objekt betrachten. Der Gedanke dieses Textes steckt allerdings in unserem Denken. Das heißt, er ist Teil des Subjekts. Der Text ist Nichtsz und leer. Der Text ist Subjekt. Eine Beurteilung und Interpretation bleibt der Sinn des Textes ebenfalls Subjekt. Subjekt kann der Autor selbst sein der auch Leser seines eigenen Textes ist. Auch der fremde Leser oder Zuhörer ist Subjekt. Wir richten uns heute, auf das, was die Vorsokratiker, Sokrates und alle Griechen sagten. Dies ist aber ein Fehler. Wir können nur davon ausgehen, was geschrieben wurde. Und dieses Geschriebene wurde immer weitergeschrieben. In Latein, Arabisch, französisch, englisch, deutsch. Alles Geschriebene, auch das heute geschriebene basiert auf diese Ursprünge. Die Macht deutscher Sprache auch in Schriften von Goethe, Kant, Hitler basiert auf diesen Ursprüngen. Manchmal reicht ein Wort für ein ganzes Leben. Im heraklitischen Sinn sollten wir so sprechen, wie der Logos spricht. Doch Heraklit würde uns sagen, wir sollten uns lieber erhängen. Was ist es dieses Sprechen, das einem Entsprechen gleicht? Nach Heidegger ist ent-sprechen dieses Ineinandergreifen von Zahnrädern. Eine Vielzahl von Zahnrädern bewegen eine Uhr. Das Ablesen der Zeit bedeutet dieses Schwaigen, das Schwaigen des Seins. Es ist also nicht das Ineinandergreifen von Rädern oder Fingern, so, man macht einfach so und das ist das.

 

 

Das Gewissen redet einzig und ständig im Modus des Schweigens.

Heidegger, Sein und Zeit S. 273

 

Ist es denn nicht erlaubt, gegen Subjekt, wie gegen Prädikat und Objekt, nachgerade ein wenig ironisch zu sein? Dürfte sich der Philosoph nicht über die Gläubigkeit an die Grammatik erheben? Friedrich Nietzsche

 

 

Vorwort

 

Eine Interpretation von dem ‚Gedicht schweigen und Nichts:

Es geht in diesem Gedicht, um das Schweigen, um Nichts. Das Schweigende, es heißt: Es wird „Nichts“ gesagt, immer. Auch wenn gegenwärtig rar von Sprechen und Reden steht, so ist es doch gerade so, dass der Austausch be-deutungs-los ist. Es wird immer gesprochen, und immer wird nichts gesagt; „es steht geschrieben …“, doch was steht in der Schrift, was steht in dem Dunklen auf dem Toten, - NICHTS. Es steht dort das Nichts und es schweigt. Der Redner redet, der Zuhörer horcht oder er protokolliert. Der Redner spricht nicht, weil der Hörer ohnehin schon weiß oder vermerkt, weil er nicht weiß, was er nicht weiß. Ein Problem: Ist der Satz wahr oder nicht wahr. Adam glaubt auf einer Wiese ein Schaf zu sehen. Ist dieser Satz wahr oder nicht wahr. Eine Lösungstheorie des Problems heißt: Es gibt keine sinnvollen wahren Sätze, es gibt nur einfach Sätze. Zu sagen: Da steht ein Schaf auf der Wiese; das Schaf besteht nicht aus Buchstaben und zu sagen, der Satz ist wahr, das ist genau dasselbe, obwohl das Eine ein Schaf und das Andere eine Aussage ist. Es besteht keine Frage von wahr und falsch, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Die Aussage: dort auf der Wiese steht ein Schaf ist dieser Satz wahr oder falsch ist keine Frage; es ist kein sinnvoller Satz in Vertretung dieser Frage das ist pro Nase und immer beim Schöpfer: das Lachen (das Lachen ist immer einzeln, nicht wie weinen, niesen, hören, sehen, sprechen usf. die immer noch ein Zusätzliches z. B. das Denken voraussetzen) ist das überall und immer, immer nur einzeln, hier und dort, nicht gleichzeitig beim Frager und beim Objekt. Eine Theorie lautet, es besteht keine Frage von wahr und falsch, die Feststellung ist nur ein leerer Satz, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Die Aussage z. B. dort steht ein Schaf, bedeutet nichts und fordert nicht zu einer Lösung heraus, es ist einfach nur ein Satz (Austin, Wittgenstein). Sollte man die Frage stellen: Ist dieser Satz wahr oder falsch, setzt dies schon ein Nachdenken und im Grunde auch eine Antwort voraus. D. h. sage ich: Die Antwort ist wahr, so stelle ich wiederum eine Behauptung auf, die gleichwohl sinnlos ist und keine Beantwortung erfordert, weder besteht ein Wahrheitsanspruch, noch ist dies ein sinnvoller wahrer Satz. Man kann diese Frage oder Aussage nur durch (Popper) falsifizieren, beantworten; d. h. ich kann nur feststellen das oder ob die Behauptung falsch ist. Niemals das Sie richtig ist. Auch dann nicht, wenn ich alle Möglichkeiten, von falsch ausgeschöpft habe. Beispiele: Die Aussage z. B. dort steht ein Schaf. Dies ist ein sinnleerer Satz. Ohne Sinn dahin gehend, wenn ich frage, ist er wahr. Es ist nur ein Satz (Wittgenstein). Wenn ich wissen will ob er wahr ist muss ich die Frage stellen: Ist er wahr, das wäre ein anderer sinnloser Satz, der nur zu beantworten wäre, wenn ich überprüfen würde, ob der Satz falsch wäre, also prüfe, ob es kein Schaf ist. Höre ich eine weitere Aussage: Auf der Autobahn A4 gab es einen Toten. Dieser Satz ist sinnlos, sie erkennen es, dass er keinen interessiert. Er interessiert erst, wenn ich weiß, Herr Adam war auf dieser Autobahn unterwegs. Nun kann ich immer noch nicht sagen, dass der Satz wahr ist, ja ich könnte nicht mal sagen er wäre wahr, wenn ich wüsste, es wäre Herr Adam. Um die Frage korrekt zu beantworten, suche ich den Fehler, d. h., ich rufe Herrn Adam an, weiß nun es ist nicht Herr Adam und keine weitere Frage ob der Satz wahr oder falsch ist. Ein weiteres Beispiel: Der mit dem Geldstück in der Tasche bekommt den Job: Er macht die Aussage und weiß er hat das Geldstück in der Tasche. Für sich braucht er nicht die Frage wahr zu stellen, er weiß ja, er hat. Genauer müsste er sich die Frage nach falsch stellen, es könnte ja sein er hat ein Loch in der Tasche. Seine Frau kann er ja ebenfalls nicht fragen wahr oder falsch, sie glaubt ja ein anderer hat das Geldstück in der Tasche. Unverständlich ist also jede Rede. Worüber man nicht schreiben kann, darüber sollte man lieber reden. Dass es unmöglich sein sollte, das ein Satz, sowohl wahr, als auch gleichzeitig falsch ist, das ein solcher Satz, immer falsch sei, ist nur eine Meinung, man darf einfach nicht rechnen. Man muss nicht sprechen, man kann es auch lassen, aber mann kann nicht anders.

Paul de man sagt zum literarischen Text: „Was ein literarischer Text sagt, ist nicht schon -und vielleicht nie-, was er bedeutet. Nichts, was gesagt ist, kann ein schlüssiges Kriterium dafür enthalten, dass es auch gemeint sei. Literarische Texte sind also durchweg kognitive Prozesse, die den möglichen Erkenntnisgehalt sprachlicher Aussagen und damit ihren eigenen systematisch bezweifeln.“ Die Schrift steht da, ohne den Leser, als ein Nichts. Viele Bücher in vielen Regalen sind allesamt bedeutungsloses Nichts. Werden sie gelesen, treten sie zu den anderen Worten, verbinden sich mit dem schon Bekannten? Nein es ist keine Wissenschaft möglich. Die Worte, die Begriffe, sind alle längst bekannt. Eine Rede oder eine Sprache wäre nur eine Erklärung, aber was sollte erklärt werden, was verstanden werden, wenn es nicht ohnehin schon gewusst wäre, man nur selber eben keine Erklärung hätte und es nicht beschreiben könnte. Das Schweigen ist keine Reflexion, auch nicht das Reden. Reflexion ist Einbildungskraft, ist Denken. Aber weder das Reden noch die Schrift ist DENKEN. Reden ist Wissen, aber wovon wissen wir? Wir wissen, was eine Rede ist, können es aber nicht erklären; aber wenn einer erklärt was eine Rede ist, was wissen wir dann? Wissen wir dann mehr, was Wissen ist, was wir vorher nicht wussten? Das Schweigen ist das Gelingen des Sprechens ebenso wie in der Reflexion des Geltendmachens eigener Gedanken. So ist es desgleichen mit einer Interpretation. Man liest bescheiden im Kaffeesatz. Man kann interpretieren welcher Kaffe und welche Tasse, aber kann man interpretieren, was der Kaffeetrinker dachte, oder welche Person er war? Das ist wahrsagen. Ist der Interpret ein Wahrsager? Wäre diese Überlegung bedeutungslos, sollte man schweigen, es wäre Nichts. Wir reflektieren, Denken und Reflexion, wir blicken nur rückbezüglich. In diesem plötzlichen Augenblick werden wir bereits zu Stein, wir begegnen dem Medusenhaupt. Wir schaffen etwas vollkommen Neues. Wir treten aus dem Text, stellen diesen oder uns selbst auf den Kopf. Treten an die Stelle eines neuen Schöpfers und an die Stelle von Büchners Lenz, der am liebsten auf dem Kopf gehen wollte. Dies ist aber die andere Geschichte. Das Gedicht redet alleine vom Schweigen. Hier vielleicht kömmt eher Wittgenstein zum Zuge: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Aber gibt es ein Ding, wovon man sprechen kann? Wir hören nur das Stumme, das Stille, das Glockenläuten, das auch aus dem Gedicht hervorkommt; Heideggers Geläut der Stille. Vor allem aber ist es immer beides. Insofern also eine Reflexion, aber eine subjektive Reflexion, ohne ich, ohne Dich und ohne Uns. Es gibt keine Antwort. Eine, oder JEDE Antwort, die wir finden war, bereits da und ist immer dort. Nur herausgeholt, also nicht vom Redenden, sondern vom Schweigenden, vom Stummen, vom Stein, der nicht spricht. Von der Grenze, an der die Rede, der Gedanke abgegeben wird und bei seinem Zurückblicken zu Stein wurde. Das Schweigen ist kommunikativ aber das Reden ist das Nichts-Sagende, besonders für Zuhörer. Gadamer erkannte bei Heidegger das in der Nähe der Sprache als Ursprung gerückte Schweigen, das Verstummen, die Stille. Die schweigende Anerkennung, das stille Erraten, ein Verstummen, als eine Weise des Redens, als ein Beginn der Rede, wenn es einem redlich die Sprache verschlägt. Eine Raumstation, die schweigend im Raum schwebt, spricht. Spricht und schweigt. Technik ist stumm aber selbstredend. Die große Rede, die automatische Rede, verweigert eine Antwort, ein eisiges Schweigen. Ich spreche nicht vom Gebet oder der Rede des Pfarrers und die Gemeinde schweigt. Ich spreche von beidem. Das stumme Spiel will kraft einem Medium der Sprache, nicht-sprachliche, szenische Vorgänge zur Darstellung bringen. Der Verzicht auf das gesprochene Wort soll Bedeutung gewinnen. Man schweigt, die poetologischen Grundlagen eines Theaters ohne Worte sind das stumme Spiel. Poetologische Lust an der Sprache

Das Widerspiel wechselseitiger Überblendungen, welches in der bewussten Produktion von »Undeutlichkeit« ein Sichtbarmachen des Unsichtbaren ermöglicht und das Latente hinter dem manifesten Bild zutage treten lässt. Das tönende Schweigen, die klingende Stille, geeignet, in einem Moment der Sprachkrise das Versagen der Sprache zu kompensieren. Wie sich zeigte, konnte Hofmannsthal dabei auf eine Argumentation zurückgreifen (von Schiller und E.T.A. Hoffmann), die vorbereitet worden war. In einer Gleichberechtigung kann man über alles sprechen, aber wenn man über alles sprechen kann, kann man nicht ausnahmslos über alles sprechen. Man kann nur sprechen, aber man versteht nicht, weil man nicht in einer Sprache spricht. Wenn man sagt: Man soll in einer Sprache sprechen, herrscht Sprachverwirrung. Gleichberechtigung heißt, in einer Sprache sprechen. Babylonische Sprachverwirrung führt nicht zu mehr Verständnis. Man weiß, wer versteht. Sprachverwirrung, die Menschen sollen nicht verstehen! Verständliche Formulierung, Vernebelung, das ist unverständlich um Unliebsames zu verschleiern. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Dieser Satz ist natürlich sinnlos. Ein Satz eben, wie alles Mythologische. Wer nun sagt es wäre nicht mythologisch hat noch nichts verstanden. Darüber schweigen wir natürlich nicht, und schon gar nicht, wenn uns einer erzählt, darüber muss man schweigen, dann schweigen wir erst recht nicht. Da fangen wir doch gerade an, da kann ich doch nicht schweigen. Wir können es einfach nicht begreifen, das Mythologische. Ich eröffne die Kräfte des Himmels und der Erde. Man nennt es Globalisierung, einige sprechen auch von Klimawechsel. Aber hier wird nichts global und schon gar nicht ändert das Klima. Das Klima ist immer und die Welt war bereits immer da. Wer da von etwas spricht, wie Verstand und Vernunft. Wir können einfach nicht begreifen. Ignorieren wir doch einfach, was wir Begriffe nennen. Machen wir uns ein Bild. Unsere Außenwelt, auch unsere Umwelt genannt, steht gegenüber unserer Welt, von dem was wir wissen können. Zwischen diesen beiden vermitteln wir mit unserem Sprechen, das sind die Differenz und der Abstand zwischen Ereignis und Diskurs. Sprache aber ist, vorausgesetzt von Interesse, besonders ernst zu nehmen. Sie kann eigentlich gar nicht ernst genug genommen werden, auch wenn der erste Anschein auf Unsinn hindeutet, im Gegensatz zu einer Arbeit die aufgrund der Stellung, der Verfassers wissenschaftliche Autorität vorgibt. Die Absicht von ernsthafter, im Gegensatz zu alltäglicher Kommunikation, wie: tue dies und tue das, lässt sich am Unsinn des Satzes erkennen. Die Auskunft ist klar und die enthaltene Information lässt sich anhand fehlender Differenz als bedeutsam erkenne. Weil die Frage sich gerade widerspricht, gerade deshalb erhält sie eine Information! Gerade darum darf der so angesprochene auch schweigen! Durch sein Schweigen informieren. Nur wer versteht, dass er nichts versanden hat, hat bereits etwas verstanden. Der deutsche Oberlehrer, auf solche Spielarten nicht eingeübt, bricht hier jede Kommunikation ab. Das ist mir zu albern. Dies ist seine Reaktion. Er will nicht lernen, er kann nicht lernen, er ist darauf ausgebildet zu lehren. Vom Wissen, kein kennen, kein können, nur lehren. Das ist deutsches Recht. Sprechen kann man vom Verstehen her begreifen. Der „Oberlehrer“ hält es mit dem „lieber Schweigen als Reden“ oder sogar dem „Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“, aber so einfach wollen wir es uns doch sicher nicht machen. Die Sprache belügt sich im Sprechen selbst. Im Finale, mit "deutscher" Unschuld, versucht Kant zu einem wissenschaftlichen Unterscheidungsvermögen, diesem die Form der Korruption zu geben. Ich kenne viele Pädagogen die sich rühmen mit ihrer Art die Besten zu sein und viele hervorragende Schüler gefördert und ausgebildet zu haben. Was aber sollte an dieser Betrachtung gut sein, wenn ich mich frage, was wohl aus allen, den vielen Schülern geworden sei, die nicht die Liebe diese Lehrers erfahren durften und ungeliebt ohne jedes Bemühen blieben. Wenn eine Religion zum Beispiel, verbietet, den Namen des Herrn auszusprechen, aufzuschreiben, noch sich ein Bild von ihm zu machen, so ist gerade dieser Name omnipräsent, er ist allgegenwärtig. Ja, er steht höher als würde er in Leuchtziffern am Himmel stehen. Die Sonne ist uns auch viel präsenter als das Dunkel, das wir nicht sehen. Schwaigespirale als ein Teil unserer sozialen Haut, unserer sozialen Natur (Isolationsfurcht, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Über das Spiel vergisst man sich selbst (Flow), man geht im Spiel auf, man wird selbstvergessen. Die Kräfte wachsen, durch mehr Selbstbewusstsein. Man muss versuchen, ohne selbst viel von sich preiszugeben, möglichst viel vom Anderen herauszubekommen. Dem Autor, von Krieg und Frieden, Leon Tolstoi, war sein Buch sehr peinlich. Das hieße auch, das der Autor eine Verbindung zu seinem Text spürt. Andererseits sagt er, dass er wohl niemals mehr, einen so wortreichen Unsinn, schreiben wolle. Es scheint mir beides sehr wenig realistisch. Dass beides so sein könnte, wie beides scheint. Dass ein Satz real, mit einer Geschichte übereinstimmen kann, wie auch selbst die Geschichte mit der Realität übereinstimmen könnte. Wenn ich also sage, ich gehe später in die Stadt, so hat dieser Satz, real gesehen, nicht die Bedeutung, dass ich später in die Stadt gehe und vielmehr hat dies, das ich später in die Stadt gehe, nicht den realistischen Wert des geschriebenen Satzes. Alles das, was unwahrscheinlich sein könnte, oder was ein Widerspruch bedeuten könnte, kann man gerade durch Sprechen oder Schreiben, in die Form bringen. Was Wittgenstein „zu schweigen“ nennt, ist nur das bewusst werden von Realität, die nicht auszusprechen ist. Es gilt, die Maschine, in Gang zu setzen, und einen Text verfassen zu lassen. Eine Realität herzustellen. Jede Art von Kunst, dass man zunächst nichts versteht. Nicht nur bei dieser modernen Kunst. So auch bei Gedichten. Dass man bei modernen Gedichten nichts versteht, ist keine Frage der Hermetik. Nichts wird verstanden von dem was gemeint sein soll. Nur das wird verstanden, was man selbst objektiv versteht. Wenn Gedichte glücken, lacht man. Man lacht aus Angst. Man hat Angst Dummheit zu zeigen. Diese Angst ist das Problem beim Sprechen. Diese eigene Angst Dummheit zu zeigen, auch und besonders wenn man sich für klüger hält. Man will einfach nicht als dumm und schwach gelten. Da hält man sich doch lieber gleich an den Text und behauptet dieser wäre schlecht. Man gesteht sich nicht zu, dass man nichts versteht.

Das Schwaigen wird von mir folgendermaßen verstanden, als diese Differenz im Streit zwischen der Aussprache und der Erfahrung. Ein Beispiel wäre Goethes Werther. Er war allen Lesern und Rezipienten bereits vor der Veröffentlichung bekannt, dies floss in ihre Interpretation der Lektüre ein. Aus der heutigen Sicht der Interpretation fließt die ganze Differenz und Auslegung ab Erscheinen und Besprechen des Werkes bis heute ein. Dies alles ist Bestandteil jedes Gedanken und Wortes, bevor wir es noch aussprechen. Ohne dies findet Kommunikation kaum statt. Dann muss erst ein gemeinsames Vorverstehen aufgebaut werden. "Alles Wissen stammt aus der Erfahrung." - Immanuel Kant, zitiert in Wilhelm Ostwalds Vierteljahresschrift Annalen der Naturphilosophie, erster Band, erstes Heft, o.O, 1901/1902. Erfahrung liegt jedem Sprechen zugrunde. Diese historische Erkenntnis wird explizit vorausgesetzt und nicht ohne Nachfrage näher ausgeführt. "Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse alles, was du sagst." - Matthias Claudius, An meinen Sohn Johannes, 1799. Er weiß aber nicht, dass er nicht einmal das sagen kann, was er weiß. Vielleicht ist ihm erlaubt zu wissen, was er sagt. Aber eben zwischen den sagen und dem was man weiß, diese Differenz und diese Differenz zum Hörer und dann die Differenz zu dem, was der Hörer auffasst und verbindet mit seinem historischen Wissen. Das alles ist diese Dunkle Materie zwischen uns und der Unendlichkeit, von dem wir wissen aber nichts aussagen können, Nichts, es bleibt nur ein Schweigen in unserem Sprechen. "Denn man muss wissen, dass alle Erkenntnis zwei Enden habe, bei denen man sie fassen kann, das eine a priori das andere a posteriori." - Immanuel Kant, Träume eines Geistersehers, zweiter Teil, zweites Hauptstück, A 94, über dieses Wissen in der Differenz wird nicht gesprochen. Diese Differenz ist die Basis auf der jedes Gespräch beruht. "Der Grad unserer Erregung wächst in umgekehrtem Verhältnis zu unserer Kenntnis der Tatsachen - je weniger wir wissen, desto aufgeregter werden wir." - Bertrand Russell, Eroberung des Glücks. Soweit ist es mit unserer Sprache. Der Sprecher versucht dem Gegenüber ein Wissen zu vermitteln (sein eigenes Wissen ist ihm nicht zugänglich) der Angesprochene ist bei erweitertem Interesse erregt. Die Aussage ist das Produkt des Sprechaktes. Der Diskurs als das allgemeine Sprechen im Sprechakt, der im Prozess der Äußerung, auf das Produkt dieses Prozesses, hinarbeitet. Zwischen diesem Diskurs und dem Ereignis, über das hier die Sprache ist, worin sich die Äußerung constativ behauptet, also was als utterance performativ tut, liegt diese Differenz im Streit zwischen der Aussprache und der Erfahrung. Dieses Ereignis teilt sich in das Ereignis selbst, sowie in das Vorereignis, dessen Entwicklung bis zu den ersten Anfängen. Diese Differenz wird bei dem Sprecher vorausgesetzt, bei dem Angesprochenen wird eine bestimmte Menge vorausgesetzt. Auf dieser Beurteilung beruht die Formulierung. Hat der Gegenüber nicht verstanden, weiß man das Gespräch muss eine Stufe tiefer begonnen werden. Man schweigt, weil man nicht exakt reden kann! Ein exaktes Reden ist unmöglich. Redet man über den Briefroman „die Leiden des jungen Werther“ so ging dem Werk eine Verstehenssituation vor seiner ersten Interpretation voraus. Die Wirkung entstand bereits vor seiner Wirkung. Dort, wo ein exaktes Reden nicht mehr möglich scheint, entsteht das Schweigen der Theologie. Wovon wir nicht sprechen können, rechnen wir zur Theologie. Faust kannte keinen Schatten. Der Redner spricht zum Zuhörer. Der Schatten seiner Rede ist das Schwaigen. Schweigen ist das Unsagbare, Schwaigen aber ist das aus dem gesagten herausgehörte Ungesagte. Wir sind uns einig, das Schweigen und ich, dass man über Schweigen selbst nicht sprechen kann, höchstens drum herum. Auch wenn wir etwas sagen, können wir nicht sprechen, nicht reden wir können nur selbst denken. Immer, wenn ein Ding ins Licht tritt, fällt auch sein Schatten von ihm und seine Rückseite gerät in die Phänomenologie. Realität zeigt ihre Schwäche, ihre Differenz zu leugnen. Realität schafft Devianz zur Vergangenheit. Man glaubt, der Dichter spricht. Er arbeitet nahe am Menschen, ist aber völlig fern von allem Menschlichem. Das sollte nun noch ewig menschlich sein. Lyrik ist nicht einzigartig und erzählt keine netten Geschichten. Lyrik ist paradox vage. Das könnte die neue Formel für moderne Lyrik werden. Distinktion zwischen Masse und Individuum als eine Vagheitsdifferenz. Man hebt ab, entflieht, man zieht sich zurück oder man geht den Weg zur Kunst, wird zum Genie. Eskapismus ist ein Devianzphänomen. Der Schweigende entflieht der Sprache und unterstellt dem Redenden durch seine Wortschwalle, Flucht vor dem Denken, flieht der Versuchung durch die Menschen ins Genie. Wenn der Sprachkritiker wichtig erklärt: „So wie es der Dichter sagt so ist es. Nichts dabei gedacht und nichts anderes ist zu denken als so, wie es gesagt ist. Schwarze Milch der Frühe heißt eben schwarze Milch der Frühe.“ Wenn aber der Dichter etwas anderes sagte? Wenn er sich versprochen hat? Wenn er nur falsch zitiert wurde? Was ist zu interpretieren? Was gesagt oder das, was geschrieben wurde? Was gemeint ist? Der Sinn, der Geist? Wollte er doch sagen: weiße Milch der Kühe? Erst den Geist eines Stückes erkennen und anschließend selber interpretieren? Immer wieder bleiben Fragezeichen, die nicht zu klären sind. Die Interpretation folgt stets dem nicht gesagten. Mir ist es also so, wie ich bereits sagte, dass ich es nicht weiß, wie man richtig interpretiert, aber es doch jeweils mit jedem, der es mit mir versuchen will, mitmache.

So verstehe ich die Bedeutung von Sätzen als ein reflexives Verstehen, außerhalb unseres unmittelbaren Sprachverstehens, als ein apriorisches Wissen, das alle Voraussetzungen für ein Verstehen allen Sprechens in Sprache, als apriori, als Ungesagtes, identisch mit unserem Sprachverstehen, gedacht werden muss. Um den Kontext des Sprechens herauszufinden, das Ungesagte, geschichtliche Sprachapriori, ist es notwendig zu sprechen. Unrecht Sprechen oder Rechtschreiben, das ist hier die Frage! Diese Sprachverwirrung ist kein Privileg der Politik. Es ist ein Vorrecht der Macht. Es ist kein Problem der Sprache, das wir uns sprachlich nicht verständlich ausdrücken können, vielmehr ist die Entwicklung immer mehr zu Agenturen und Sprachwissenschaftlern die Texte für Großunternehmen ausarbeiten auf eine angenehme Unverständlichkeit. Das ist Marktwirtschaft der Sprache und zeigt die Unterschiede. Die Frage ist wie viel babylonischer Sprachverwirrung hält unsere Gesellschaft aus? Der Sprecher sagt immer was er beschreiben will, was er nicht ausdrücken kann, er spricht darum herum, was er meint. Er kann es nicht beschreiben. Immer wieder spricht er von Dingen, die er und seine Zuhörer nicht meinen. Es ist die Differenz zwischen der Sprache und dem, wofür es keine Worte gibt. Die Differenz zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren. Das Wort kömmt vom Schweigen. Hofmannsthal setzt der todbringenden und todverwandten Schrift die vitalen Figuren der Comedia dell’arte gegenüber. Scaramuccia, der als ein Meister der Gebärde, das Wortlose zum Sprechen bringt. Am Theater sprechen die Pantomimen in einer Non-acting-performances. Der Pfarrer schweigt, indem er redet und die Gemeinde schweigt, indem sie aus ihrer Andacht redet, beides. Das drückt das Gedicht aus, beides, keine Disjunktion. Eher eine Gleichzeitigkeit, eines Atoms oder eines Elementarteilchens, das zeitgleich selbst an verschiedenen Orten anwesend ist. Das Gedicht gleicht einer Zeitungsanzeige. Sorgfältig formuliert. Aber wo steht es? Auf welcher Seite? Wer ist sein Leser? Interessiert? Zeigt er Interesse? Er nimmt etwas wahr, etwas für wahr halten. Der Redner unterstellt beim Hörer Interesse (irgendwelcher Art) für das, was er da sagt; so etwas meine ich auch. Aber woher will er wissen, dass der Hörer wirklich Interesse dafür hat? - Beispiel "politische Statements": Meistens gehen die mir so was von an der Kappe vorbei! Und manchmal meine ich, sie unterstellen gar nicht mein Interesse an der Sache; sie wollen mich nur von was anderem ablenken, indem sie mich zumüllen (zumullen!). Das Gedicht aber, die Berichte, sie sprechen. Der interessierte Leser sucht sein Gegenüber. Er sucht etwas, was sich in ihm widerspiegelt. Er sucht eine Formulation. Er redet mit dem Text aber es ist eine automatische Rede. Das Problem des zum Sprechen bringen ist ein Bild, das wir uns von ihm machen. Es erzeugen. Wir müssen vergleichen. Dieses Bild mit dem Unsrigen vergleichen. Das können wir aber nicht übereinander bringen, noch können wir es nebeneinander bringen. Nur in Gedanken, in Reflexionen. Wir müssen beide Bilder erst beieinander bringen, kooperativ miteinander vereinigen. Schreiben, malen, fotografieren. Des Gegenüber und unser Bild. Damit werden wir vergleichen. Ohne dieses Vergleichen sagt uns das Bild oder die Sprache des Gegenübers Nichts. Wir entwickeln unsere Theorie. Auch wenn diese Theorie falsch ist, können wir sie überprüfen. Nur so lernen wir. Die unausgesprochenen Worte der Rede fallen zurück und werden zum überlebenden Schweigen. Das Ungeschriebene verhärtet, es wird zur Sprache. Der Gedanke führt zu einem anderen Gedanken. Ein stummer Vorgang von Reflexion. Denken ist einsam, still. Sprachen, ja, aber ihr Sprechen war kein Sprechen. Ihre Reden waren keine Reden. Sie schwiegen und es waren keine Worte; weder in ihnen noch aus ihnen. Sie verstanden genau. Was sie verstanden, stand auf ihnen geschrieben. War ihnen eingeprägt als schweigende Inschrift. Niemandes Sprache, die Kainsprache. Trugen sie ins Feld um Furche und Furche und an den Grenzen kehrten sie den Vers: vaterländisch. Wendeten sie den Pflug, hoben die Steine. Denn es lagen Steine in den Furchen und Worte fielen aus der Erde und vom Himmel. Widerworte von Reihe zu Reihe, vaterländisch. Reden, Gespräche - reden und sprechen. Es fällt ein Gegenwort, es kömmt etwas dazwischen, a priori einer Idee, Selbstverständliches einer These. Kein Sein oder Nicht-Sein, eher ein Unterschied. Etwas dazwischen, was immer schon da war, es setzt sich ein Wort dazwischen. Hiermit setzt das Sprechen ein. Es spricht ein Immer-noch am Rand des Verschweigens. Es bleibt was gesprochen und beginnt eine Gründung, ein Riss. Es spricht eine Widerrede in der gleichen Rede. Spricht in einer anderen Sache, von anderer Sache. „Von einer Stimme, mit eines Stimme beides zusammen nicht eines, sondern: Keines“, so heißt es im Gedicht. Das entweder, oder, ontologisch getrennt aber doch beides zusammen, nur nicht in eines gefasst, sondern eher in nichts, niemand, keines, ein Gleiches. In der Tragödie sieht einer die ganze Brutalität, ein Anderer sieht es als humorvolle Inszenierung, ein Dritter sieht nur das ästhetische Erlebnis. Beim Einmarsch der Truppen erlebt eine das Entsetzliche, die ungeheuere Brutalität, das Brüllen, Singen und Marschieren in Todesangst erlebt; während Andere die Begeisterung, den Jubel und das Fest empfinden. Die persönliche Erfahrung des Einzelnen schließt das Ereignis aus. Es bleibt die Distanz. Das Direkte ist poetologisch unverständlich. Wer es aber direkt will, kann es so oder so sehen oder aber Verschweigen, Verstummen. Die beste Lösung, denn wer so oder so sieht, dem kann man vorwerfen, man sieht es so oder so. Wie Heidegger beschreibt: Wir wohnen in unserer Sprache, im Sprechen. Wer zur Quelle hinabsteigt und von heißen Quellen heilendem Wasser trinkt und spricht mit den Tieren von jetzt an, das ist Siegfried, der Held Wagners oder ein Narr. Wahrheit geschieht nach Heidegger, indem man sagt, so oder so. Also der Stein ist schwer und auch leicht. Das ist: „Wahrheit das die Lichtung und Verbergung des Seienden geschieht, indem sie gedichtet wird“ Luther und Herder wehrten sich gegen eine Überfremdung der Sprache durch Französisches und Lateinisches. Dann aber wurde das Deutsche als eine göttliche Sprache, nur vergleichbar mit dem Griechischen, verherrlicht! Zum Ende sollte ein jeder von Siegfried abstammen, ohne Widerrede, nicht dafür und kein dagegen. Allein nur Schweigen. Das Schweigen ist der Jubel des Volkes, das Hurra schreit bei der Verherrlichung der deutschen Sprache. Nachdem so lange gelogen und geschwiegen wurde, forderte die Redegesellschaft den Einbau einer Sprachtheorie als völkisches Recht in die Charta der Vereinten Nationen Da fragen doch die Schweiger: „Wie lange möge uns das Denken wohl noch erlaubt bleiben?“ Mir wird nicht klar, was Celan bei Heidegger wollte? Ist es das ein Opfer, in der trügerischen Sicherheit, sich zum Täter hingezogen fühlt? Oder ist es die Größe einer wagnerschen Phatossprache aus der viele Intellektuelle schöpften und teilhaben wollten? Auf einer Stufe sein mit Wagner und Goethe. Sein oder nicht sein, ist diese Aussage und der Widerspruch in dieser objektiven Aussage, von: Ich bin nicht ich. Das ist ein Widerspruch, der sich sowohl innerhalb des Subjekts als auch innerhalb des Objekts als Antagonismus vollziehen kann. In der Beurteilung eines Objekts oder Subjekts liegt die Teilung derselben in Begriffe, vorausgesetzt wir teilen theoretisch dem Gegenüber, können wir in der praktischen Gegenüberstellung nicht das Nicht-Ich selbst entgegenstellen. Wir unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit. Wenn ich denke, dort steht das Ich, so ist mir vorangegangen das Bewusstsein, das dieses ich dort wirklich ist. Dies gilt aber auch für die Katze, die dort auf der Matte ist. Wir können nichts denken, was nicht vorher wirklich war. Ein gemeinschaftlicher Diskurs einer Sprache zum Erlebten ist unüberbrückbar. Der Diskurs aus einem Reden und Sprechen ist in einer unüberbrückbaren Mitteilung zum Ereignis, das Ereignis ist isoliert und alleine. Es ist Vergangenheit und Stille, es schweigt. Die Daten des Ereignisses stehen auf seinem Denkmal eingemeißelt. Es bleibt aber weiter diese unüberbrückbare Distanz zum Besonderen, zur Erfahrung. Immer sind es zwei Sonderfälle, die Vergangenheit, Gegenwart oder, die Zukunft und das Erlebte. In einer ständigen Wiedergeburt wird das Gemachte, das Schöne, gezeugt. Das Jungfräuliche wird unsterblich, das Selbst als Tod Geborene erscheint fort als der Unsterbliche, der lautlose Tod, das schweigende Nichts. Die Wahrheit des Handelns in der Kunst und der Einsicht bestimmt nicht über Ja und nein, sondern um gut und böse. Wahrheit ist im Leid. Ich habe mich dazu entschieden der Rede eines bekannten Autors zuzuhören, weil mich das Thema brennend interessiert. Als denkender Mensch aber gehe ich nicht unvoreingenommen in den Saal und beginne sofort zu Beginn der Rede des Autors mit meinen Überlegungen. Subjektiv liegt es also nicht am Redner, mir sein Wissen zu demonstrieren, sondern an meinem wollen. Ich bin es, der sich dem Einfluss des Redners nicht preisgeben will. Sprache ist eine Regel, (so wird behauptet) folgt einer Regel und jede Regel ist Kunststück meiner praktischen Vernunft. Wer aber gibt uns, in unserem Zweifel die Regel. Sie stammt von uns selber, oder wir holen uns Rat bei der Wissenschaft. Die Regel ist die Frage nach einem „kannst“ und heißt „kannst du oder kannst du nicht“. Was wir Regeln nennen, sind meist nur Richtlinien. Zum Kreatürlichen von Regeln gehört, das sie mit anderen Regeln verschmelzen. Der Redner redet keine Rede, er mag vielleicht mit seinen Gedanken irgend sonst wo sein, während er redet. Warum sollte er diese Möglichkeit seinem Zuhörer nicht zugestehen. Es ist als besteige er einen Berg und ich folge ihm. Sein Gedanke mag sich bereits auf dem Gipfel sein, während mein Gedanke noch weit unten im Tal sich befindet. Wir sind nicht auf gleicher Höhe und können es auch niemals sein. Der Redner selbst wird es wohl niemals erreichen mit sich selbst auf gleicher Höhe zu sein. Wenn wir einen Berg denken, ist er nicht außerhalb, also ist er nicht (außer in uns). Es ist da aber auch ein Tal, das wir nicht denken und das nicht ist, weder in uns noch außerhalb. Es ist aber mehr von dem Wir sprechen können, als wir uns vorzustellen vermögen. Darum gehe ich auch davon aus, dass viele Dinge, die ich anschneide, diskutierbar, aber nicht verständlich oder wissenschaftlich lösbar sind. Für mich sind alle Begnadungen Debütanten. Also, es gibt zwei Möglichkeiten, entweder ich bin ein Debütant oder es stellt sich eines Tages heraus, das ich recht hatte. Damit lässt sich leben. Das reine Denken, wie es Einstein beansprucht, wäre also völlig Quatsch, da ihm ja keine Wahrheit zugrunde liegen kann und ihm das Schwaigen, als ein unbekanntes Wissen fehlt. Wenn er von sich behauptet, er habe nur zwei Ideen gehabt (Heidegger: alle großen Denker hatten nur einen Gedanken) so treten diese Entdeckungen aus seinem Denken und Sprechen heraus. Der große Denker ist, der das Schweigen aus mentaler Intuition erkennt, als seine Entdeckung (Idee) und Zusammenhänge mit Realität erkennt, und in diese Pflänzchen investiert. Die große Mehrheit der Menschen hört nicht das Schwaigen, sondern nur das Gerede. Wir können nicht darüber Nachdenken (nur auf das Schwaigen zu achten) weil wir ins Stottern kämen und nur noch lallen könnten. Das wäre, als wenn ein Tausendfüßler über seinen nächsten Schritt nachdenken würde.

 

Die Sprache als wahre Rede über die Wirklichkeit ist ein Gefängnis. Einem Gefängnis mit nichts als Stille. Es ist vernünftig zu schweigen. Das Vernünftige wird hochgehoben zu einem Glaubensbekenntnis als ein heiliges Schweigen, voran getragen einer Monstranz im Glauben. Die Lämmer schreien, indem sie geschlachtet werden, bis sie schweigen, stillschweigen aus Angst oder weil sie tot sind. Mittels der Sprache wird nicht nur Art und Weise dargestellt und Grundsätze aufgestellt, sondern Handlungen vollzogen, Welt zu verändern. Ein Befehl, eine Taufe, ein Versprechen, eine Warnung, eine Beleidigung verändern Welt, etwa dem Töten der Lämmer verwandt. Sprechakttheorie untersucht sprachliche Vorgänge, ihre Bestimmung und ihre Erklärung, dass über die Sprache, eine Umgestaltung des Zustandes der Welt stattfindet; dies aber wird nicht über das Sprechen vielmehr über das Nichtsprechen, das Schweigen der Stimme, die Interaktion zwischen Sprache und Sprache, zwischen Rede und Ereignis bewirkt. Weltanschauung ist einfach desperat. Angst ist der Motor unseres Lebens. Also was hierbei passiert, das ist schon vielen Menschen passiert. Nämlich, beim Sprechen, im Diskurs, glaubt man beim „Gegenüber“ mangelndes Interesse, wahrzunehmen. Diese Lückenbruchstelle, (Hiatushernie) als Differenz, Distanz eines Unterwegssein, der Sprache, schließt sich nicht, mit dem Interesse, welches man sich Selber und dem Anderen unterstellt. Das kann aber auch einseitig sein. Gegenüber dem Ereignis des Inhaltes, an das man glaubt. Man misst ihm eine erforderliche Wichtigkeit und einen Respekt bei. Man unterstellt und ist enttäuscht, stellt fest, das Reden oder Schreiben war sinnlos. Nein, es hat gerade nicht damit zu tun, etwas zu wissen was wir tun bedeutet, es gilt, unsere Lebensprobleme zu lösen. Nicht meine Rede, noch die irgendeines Anderen. Ein Weltproblem? Das Labern der individuellen Gruppen bleibt doch immer speziell und individuell. Es ist immer nett und bringt eine Menge Spaß, es bringt aber nicht das hervor was man doch so von der Sprache erwartet, die Welt zum Drehen zu bringen. Also dieses Sprechen, das Welt erschafft, ist nicht. Sicherlich, wenn man es so sieht, dass Welt, alles was der Fall ist, darstellt. Jeder Mensch, der spricht, der etwas zu sagen hat könnte sich angegriffen fühlen. Somit wäre dieser Text nicht verstanden. Jeder hat in seinem Privaten, wie in seinem Beruf in seiner Beschäftigung wie in seiner Freizeit eine unterschiedliche Art sich auszudrücken, sich verständlich zu machen. Alles angepasst an seinem Gegenüber. Er versucht seine Gedanken zu formulieren und sich verständlich zu machen. Man unterstellt ein Verständnis und Interesse des Anderen. Wir sprechen auch mit dem Anderen ohne einen Grund. Auch gerne über das Wetter. Selbst die Wetterexpertin sagt: „Morgen wird das Wetter schön!“ Was soll das heißen? Für wen schön? Für den Bauern? Für den Eismann? Für den Regenschirmverkäufer? Das Allgemeine ist nur Nonsens, das Schöne ist nur schön. Selbst die Relativitätstheorie ist vernünftig, aber jeder Satz daraus, wie jeder Satz einer Preisrede ist „Sinnlosigkeit“ (hierfür gibt es noch kein Wort und man kann nicht darüber sprechen). Warum Verschweigen wir darüber zu sprechen? Wir vermeiden es ja auch über unsere Sterblichkeit zu sprechen. Es geht jeden etwas an, aber wir reden nicht darüber. Wir sagen dem anderen nicht: „Dein Satz war Unsinn“ weil wir seinen Satz für ein Weiterkommen zu einem Gespräch brauchen, dass insgesamt für Beide, sehr sinnvoll sein kann. Auch die Rede kann für den Redner, wie für den Zuhörer sehr sinnvoll sein. Daran versucht der Redner zu arbeiten und sich heranzutasten, indem er unterstellt und an das Interesse glaubt. Als gottähnliche Wesen als Geschöpfe und Schöpferwesen können wir sprechen. Wir können auch Unsinn reden. Wir reden Nonsens. (reden Unsinn (non sense)] H: "Unsinn (nonsense)". - "Nonsense" in der KrV A 485 „trifft es sich nun, dass in beiden Fällen (nämlich Vernunft und Dummheit) lauter Sinnleeres (Nonsens) herauskömmt, so haben wir eine gründliche Aufforderung, unsere Frage selbst kritisch zu untersuchen“ B513/514). Warum? Wenn wir nicht Unsinn reden würden, hätten wir kaum Möglichkeit zu widersprechen, zu korrigieren, zu verbessern. Dieses Nonsens reden, schafft die Vollkommenheit des Menschen. Nur zumal der Mensch Nonsens redet schafft, dass er sonst keine Erklärung geben könnte. Diese Erklärung ist aber noch keine Entschuldigung für richtiges oder falsches Sprechen. Das Reden alleine ist empirisch. Es drängt sich auf, ohne dass wir dagegen etwas tun können. Wir reden nur implizit. Für meine These wird man mich hassen oder lieben? Es ist eine Äußerung wie das Kind im Märchen ausruft: Der König trägt ja keine Kleider. Ob ein Satz eine Handlung vollzieht oder so oder so eine Aussage ist, macht für meine Beurteilung nichts aus. Der Satz, und zwar jeder Satz, ist in der von mir unterstellten Form (wie ich dieses Wort verwende) Ohnsinn! Ich verwende zwei Worte in einer besonderen, mir gebräuchlichen Form: Das erste Wort ist Schweigen. Schweigen benutze ich im Zusammenhang dieses Werks mit dem Unterstellen des Redners von Vorwissen und Denken und des Hörers von Vorurteilen und Reflexion seines Verstandes, innerhalb eines Gespräches in der Differenz, zwischen Diskurs und Ereignis. Das zweite Wort ist Unsinn/Ohnsinn. Ohnsinn verwende ich hier nicht in der allgemein gebräuchlichen Form (ich habe hierfür noch kein besseres Wort gefunden) ich stelle dar, dass jeder, und zwar ausschließlich jeder, Satz hierbei als Ohnsinn bezeichnet wird, da er ohne das Unterstellen und Bedenken, keinen Sinn ergibt. Das Es sich um einen gramattisch richtigen Satz handelt ist unbestritten und sei dahingestellt und macht keinen Unterschied. Sinnvoll hieße auch hier, voller Sinn und ein Satz mag zwar sinnvoll gemeint sein, das aber der Sinn eines Satzes im Satz enthalten sei das wird doch hier sehr bestritten. Der Sinn ist doch eher im Sinn mit dem der Satz gleich von welcher Seite mit ihrem eigenen Sinn betrachtet wird. Beispiel: der Satz – Sein oder Nicht sein. Dieser Satz macht ohne denken an Ontologie oder Shakespeares oder anderes keinen Sinn. Vielleicht auch macht ein Satz Sinn mit dem Denken an den Nichtsatz? Ohne die Situation, der man den Satz zuordnen kann, macht das ausgesprochene Wort oder der Satz keinen Sinn. Wenn man sagt: Es kömmt Regen kann das viel bedeuten. Es sind schon dunkle Wolken da, man soll nach Hause gehen, die Frage, hat man einen Schirm dabei; Ohnsinn hieße hier, das der Satz nicht das bedeutet, was er aussagt. Er lügt! Man kann nie etwas Genaues sagen. Immer bleibt Skepsis und das Verhalten im Common Sense, (dem gesunden Menschenverstand) das Verhalten im Einklang mit dem allgemein herrschenden, richtigen Verhalten. Im Konsens zu Mitmenschen. Man spricht aus einer Intention, die nicht nachvollziehbar ist oder nur sehr bedingt nachvollziehbar. Danach sieht man die Konsequenz, die dann gilt, wenn man sich an gewisse Spielregeln oder sagen wir lieber Richtlinien gehalten hat. Sonst kann man nie etwas Genaues sagen. Diese Theorie ist uralt. Das Schweigen ist nicht überprüfbar, weil es einfach ist. Man kann dieses Schweigen nicht weiter auseinandernehmen, daher ist es nicht analysierbar. Intention und Grammatik haben eine eigene Entwicklung seit der Geburt des Menschen in Form einer Baumstruktur. Es folgt angelernten Regeln, die aber keine festgelegten Regeln sind. Ein Beweis für die angeborene Intelligenz des Menschen ist, dass sie als erstes Wort Vater oder Mutter rufen. Eigentlich wollen sie „Brot“ rufen! Wir grunzen Alle. Die Grammatik kömmt von selbst hinzu. Jedes Sprechen setzt nur einen Punkt, einen Schritt ins Wasser. Es entwickelt sich eine Baumstruktur. Die Langue, innere Sprache, diese Kompetenz entsteht im Sprachgebrauch aus der äußeren Sprache, der Parole, der Performanz, und es ist nicht nötig, eine angeborene Universalgrammatik anzunehmen sagt Martin Haspelmath hierzu: » Das Schweigen ist nicht die Sprache des Schweigens. Das Schweigen ist in der Rede, es ist nicht das Phänomen als Möglichkeit sich besonderer Erfahrung zu öffnen, indem es spricht. «Diese These, das Schweigen Erfahrungen mit sich bringt, das es hier etwas zu wissen gibt, das etwas ist, was man meint, wenn man von Schweigen redet. Von Schweigen reden, das soll es geben, ebenso wie das Schweigen reden soll. Meine Theorie aber besagt, das wenn geredet wird nicht die Rede spricht, vielmehr das Schweigen redet. Das Schwaigen ist das der Rede implizite erschwiegene Denken. Hier bekömmt der Wortlaut, »die Sprache des Schweigens ist nicht das Schweigen der Sprache«, eine völlig neue Bedeutung. Die Rede spricht durch ihr enthaltenes Schweigen. Nicht die Auffassung Clemens von Brentanos: >»Ein beredetes tiefes Schweigen«<, das Schweigen eben Sprache hat. Hier bekömmt der Satz eine neue, andere, widersprüchlichere Bedeutung. Es ist nämlich Beides möglich. Das Schweigen hat Sprache und die Sprache hat Schweigen. Keine Metapher, keine Mythologie. Schwaigen, so wie ich es auch in der Poetik (Dichtung) sehe, hat mit einer Metapher, einem Gleichnis, also mit etwas Mythologischem, zu tun. Mythologie kennt kein Sprachproblem, Wort, Gedanke und Sache bilden eine mythische Einheit. Das Erfahrene, das was erfahren werden muss, kann man wissenschaftlich, theoretisch nicht erklären. Nicht bestätigen kann man Erfahrung, aber zustimmen wird man, wenn es heißt, man kann nicht darüber sprechen. Wenn wir die Dinge beim Namen nennen, existieren sie schon nicht mehr in der Welt der Fälle. Beim Aussprechen wird das Ding an sich entfremdet. Ich bin als Dichter nicht in der Lage eine Theorie zu entwickeln, das muss ich anderen überlassen, aber meine Stärke liegt auf dem Gebiet Theorien zu kritisieren, und ich denke auch das Ich in diesem Werk Anstöße für zahlreiche neue Theorien entfaltet habe. Das ich keine Theorie entwickeln kann ist klar. Hier mein kleiner Exkurs zur Theorie der Theorie: Also, mit Theorie kann ich sehr gut umgehen. Ich kann dichten, ja das kann ich, aber für Theorien bin ich nicht gemacht. Wer kann das schon? Was ich sehr gut kann, ist Theorien zerstören. Ja, das kann ich, weil ich sicher bin, dass es keine Theorien gibt. Das heißt, es gibt sehr wohl Theorien, so wie es auch Metaphern gibt. Wie geht es nun weiter? Sollte man für immer Schweigen (Wittgenstein) da wir „doch nichts als Metaphern der Dinge besitzen), die den ursprünglichen Wesenheiten ganz und gar entsprechen“? (Nietzsche KSA 1, 879 WL)

Eine Theorie ist eben nur eine Theorie, nichts weiter. Man kann sie weder widerlegen, noch bestätigen. Die Theorie ist einfach da, so wie es Seifenblasen gibt, Sphären, Hypothesen, Einbildungen oder Ideen. Mit einer wissenschaftlichen Theorie scheint es etwas anderes. Eine wissenschaftliche Theorie basiert auf der Annahme, jemand habe etwas Brauchbares hervorgebracht und man entwickelt daraus eine neue Behauptung. So wird zum Beispiel Parfum hergestellt. Meine Argumentation über das Schwaigen ist keine Wissenschaft und ist im Sinne der Wissenschaft kein Wissen. Vielmehr ist es Philosophie im eigentlichen Sinn der Philosophie. Es ist meine Lebensweisheit, eine Allegorese. Der Sinn ist hinter dem wörtlichen Sinn verborgen. (Wie ich behaupten werde, das wohl alle Weisheiten und wissenschaftlichen Schriften Allegoresen sind) so, wie Sprachphilosophie für mich alleine Wissen ist, das gezeigt werden will.

 

 

Einfluss und Verhältnis der Sprache auf Erkenntnis.

Es kann sein, dass wir nichts sehen, vielmehr alles Gesehene erst in unserem Gehirn konstruieren. Es könnte sein, das wir nicht sprechen noch hören, das wir erst von diesen Dingen in unseren Hirnen ein Bild machen müssen. Dass jedes Sprechen zu einer Erkenntnis führt, bleibt unbestritten. Vielmehr ist das Sprechen eine Voraussetzung zur Erkenntnis. Die Sprache sozusagen als ein Werkzeug. Sprechen als ein Handeln, ein Ausführen. Wir haben die Sprache, den Satz, das Wort als einen Hammer oder einen Nagel. Wir können ihn einschlagen, also sprechen. Die Erkenntnis, die wir gewinnen, entsteht aus dem, was wir herstellen. Vielleicht käme unser Sprechen ohne jedes Echo aus? Brauchten wir keine Rückmeldungen von Erkenntnissen. Diese Sprache, der wir entsagen als unserem Zweifel. Wir wissen es nicht sicher, wovon wir glauben, dass es sicher ist. Versuche gegen den Strom zu schwimmen und doch lassen wir uns meist treiben. Was wir tun und sagen, ist verschieden von unserem Denken. Wir beobachten unseren Schreibtisch und diktieren gleichzeitig einen Brief. Dabei stehen wir auf und sehen aus dem Fenster. Unser Denken hat sich verändert. Vorher dachten wir an die Arbeit (Schreibtisch) und anschließend an den gestrigen Abend (Fenster). Längst hat Wissenschaft aufgegeben, sich am Höchsten zu messen. Vielmehr versucht sie unaufhörlich, dass was sie für Nonsens hält, auch als einen solchen zu erklären, oder wegzuerklären. Im Traum zeigt sich die Realität unseres Denkens. Denken und die Gedanken sind vereint. Versuchen wir nun in der Rede unser Denken zu erklären, bleiben unsere Gedanken unberührt. Sprechen (z. B.: „Sprache“) ist nicht eine Eigenschaft des Diskurses, sondern das Ergebnis einer intellektuellen Interaktion (nämlich des Abduktionsprozesses) zwischen Erfahrungsobjekt und Erfahrungssubjekt. Man könnte auch sagen: eines Dialogs zwischen Subjekt und Objekt. Mit den beiden bekannten Definitionen[4] von Schweigen hat mein Verständnis von Schwaigen nichts zu tun. Das Verstandene ist bereits Vorverstanden, also bereits vorgekaut, daher entspräche es dem „die eigene Kotze essen“. Wer ein Dauerabo im Theater hat, sollte eigentlich davon ausgehen, das er dem Theater, eine immer schwierig werdendere Intendanz, und sich selber ein immer höher werdenderes Maß an Vorverständnis zutraut. Aber leider werden die Stücke statt immer komplizierter und innovativer, immer banaler. „Wegen dem Ärger mit dem Abopublikum“ ist das Argument der Intendanten. Das Haus ist meist gefüllt durch beliebten Unterhaltungsquatsch der Theaterlandschaft. Das Schwaigen ist das objektive in einem Text, das aus dem schöpferischen Subjekt entspringt. Womit der objektive Text selbst subjektiv gelingt. Sprache reicht uns vom Mund zum Ohr vom Buchstaben zum Auge. Gleichzeitig erreichen uns diese Sinneseindrücke im Hirn. Diese Erscheinung scheint uns klar und unmissverständlich. Bei der modernen 3Dtechnik benutzen wir zusätzliche 3Dbrillen. Bei objektiver Betrachtung erkennen wir das die Täuschung eines der Realität kaum entsprechenden Effektes, lediglich in unserem Kopf stattfindet. Wir erkennen das jedes Bild, jedes Objekt und jeder Text sich erst in unserem Gehirn objektiv zusammenfügt.

 

 

 

 1. Frieden, Geräuschlosigkeit, Grabesstille, Lautlosigkeit, Ruhe, [Toten] stille.

 2. Diskretion, Geheimhaltung, Heimlichkeit, Stillschweigen, Verschwiegenheit, Vertraulichkeit.

Sondern als ein:

3. In der Rede enthaltenes Bewusstsein, als ein vorhandenes, grundlegendes, als vorausgesetztes, ohne das ein Gespräch nicht möglich wäre.

Wie auch ein Si|lẹn|ti|um ob|se|qui|o|sum  das; - -: (kath. Kirche) nicht als das Schweigen sondern als ein Ausdruck des Nichtzustimmens, ein ehrerbietiges Schweigen gegenüber einer (kirchlichen) Lehrentscheidung gemeint ist. Man hat eben eine andere, eigene Meinung ohne die selbst ein Redner nicht auskömmt.

Also um es so zu sagen:

1.)                                      Ich will sagen, dass das Schwaigen nichts mit einer Gleichgültigkeit zu tun hat.

2.)                                      Ich sagte bereits, das Schwaigen ein Interesse an einer Unbestimmtheit voraussetzt.

3.)                                      Wir können nicht hinter unseren Entscheidungen treten, die wir nicht verstehen.

4.)                                      Der Mensch ist eine Maschine der nicht mehr der Zusammenhang, der Werdegang, noch die Herstellung interessiert.

5.)                                      Schwaigen heißt: Im Unbekannten ankommen, das Unsichtbare besichtigen und das Ungehörte hören.

 

 

 

Schweigen ist Stille und Schwaigen ist der Kern der Rede.

Der Kern der Rede kann aber nicht ausgesprochen werden, weil er immer wieder in neuer Rede enthalten ist. Er ist das, was wir letztendlich den Baum nennen. Im Kern bereits den Baum erkennen, das nenne ich das Schwaigen. Sprache vollzieht sich nicht als die artikulierte Rede, vielmehr zeigt sich im Artikulierten das, was man meint. Was der Sprecher und was der Zuhörer meint, beides. Sprache enthüllt, teilt mit, verkündet. Aber was? Nicht das Offene. Sie enthüllt das Schweigen. Sie teilt nicht mit, was sie mitteilt, sie teilt mit, was sie nicht ganz aussprechen kann, noch das, was sie denken kann, denn wenn sie denkt, denkt sie ebenfalls nur sie denkt. Man weiß es, warum soll man darüber sprechen. Warum soll man überhaupt sprechen? Man schweigt, aber man schweigt laut vor sich hin, man will sich mitteilen, darum spricht man, dass der andere etwas davon mitbekömmt, das er seine eigene Meinung sich bilden kann. Man verkündet etwas, und wenn man Glück hat, entsteht ein Ereignis. Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen man wirklich einer Meinung sein kann. Dieses Nebeneinander. Es kann auch ohne Worte geschehen. Der Moment in Goethes Werther, wo einer nur sagt „Klopstock“ und beide haben sofort begriffen. Das Schweigen in dem Wort Klopstock ist so groß, dass es ganze Bücherregale füllen könnte. Was bliebe hier weiter zu sagen? Gewiss könnte man noch viele Worte finden, aber man würde das Verstehen nur noch zerstören. Das Schweigen ist das Wesentlichere über die beredete Sache als ein Reden über die Sache. Es ist hier nicht die Sprache des Schweigens, vielmehr das Schweigen in der Sprache, im Wort. Man fasst hier gerade dieses Schweigen in Worte. Nicht dass man wie auch geschieht, sagt im Schweigen sind die Worte. Das hieße sich in das anwesende Geheimnis versammeln, aber es muss hier bedeuten sich im anwesenden Wort im Geheimnis wiederfinden. Wir verstummen hierbei nicht, vielmehr beginnen wir den Dialog. Die Freiheit zu denken ist wichtiger als die Wahrheit. Ich habe als Sprecher recht, aber die anderen können auch recht haben. Der Widerspruch, den Aristoteles in Platon sieht ist das Wahrscheinliche und nicht die Wahrheit. Die Kraft eines Textes liegt alleine in seiner Interpretation. Der Zuhörer als Interpret kann nicht anders als interpretieren. Platonisch ist hier, der Interpret und der Autor vertauschen ihre Rollen. Der Interpret wird selbst zum Autor. Als Zuhörer wird er selbst zum Sprecher. Es zählen hier die Vernunft und der Glaube nicht, es ist und bleibt die Poetik (Dichtung). Wenn jemand schweigt, so sagt man auch das Er, damit etwas ausdrückt, etwas sagt. Will man aber das, was er nicht sagt, in Worte fassen, so könnte man gerade das nicht ausdrücken, was er mit seinem Schweigen uns sagen will. Das liegt wohl daran, dass das Gesagte immer aus dem Schweigen spricht. Zum Wesen diese Schweigens aber gehört, das man zwar darüber sprechen kann und muss, das die Fülle des Schweigens und die Differenz zwischen dem Schweigen des Redners und des Zuhörers es unmöglich machen alles auszudrücken und zusammenzukommen. Reden findet über das nicht gesagte statt. Daher passiert es auch, wenn wir zu viel reden und uns zu sehr vom Schweigen entfernen, wir verstummen. Dieses Schweigen hat also nichts mit Stille zu tun. Nicht mit dem einsamen Rufer in der Wüste. Vielmehr mit dem sich zu Wort melden. Was wir wissen müssen, steht in den Büchern. Diese werden in der Schule durch den Lehrer vermittelt. Wenn aber ein Schüler aufmüpfigerweise nachfragt. Wie ist das denn, wie stehen sie dazu Frau Lehrerin, wird dieses Schweigen aufgebrochen. Vielleicht mahnt sie dann zur Stille mit dem Argument, das tut hier nichts zum Unterricht. Es ist auch nicht so, dass das Schweigen in unserer Welt so selten geworden ist. Dieses klösterliche Schweigen. Schweigen ist nicht der Ort der Wüste oder der Klöster. Das Schweigen ist der Ort, wo noch niemand war. Vielmehr ist im ständigen Lärm und Hochbetrieb der Sprachen eine Leere, die erst verarbeitet werden muss. Die Zeit des Sortierens ist eine Zeit von Schweigen. Wenn man so will sortieren Medien ständig, und als Zucker geben sie die News hinzu. Weiter weiß man nichts. Bewusst nutzen Medien diese Tatsache, dass man über Gefühle nicht sprechen kann. Dieses Schwaigen tritt an einigen Stellen hervor. Im Fußball habe ich einige Beispiele: Trapatoni mit seinem geflügelten Ausspruch: „Flasche leer.“ Und Rudi Völler mit seinem „immer muss ich mir diesen Schwachsinn anhören.“ Obwohl Prominente ständig mit Tatsachen konfrontiert (so arbeitet die Wissenschaft) werden, durften sie sich nicht von Emotionen hinreißen lassen. Sie mussten besser schweigen. Das wäre alles, Schweigen. Hierbei sagt Kierkegaard >das Erste, das man tun muss, ist dies: Schaffe Schweigen<. Hier denkt er wohl eher, dass man zuhören soll. Wir können zwar zuhören, wenn jemand schweigt, aber das wäre ein Monolog. Zuhören, was einer verschweigt, was einer schweigt, kann man nur im Dialog. Man muss reden, darauf kömmt es an. Wittgensteins Schweigeprozession ist tot. Man kann das Schweigen wie man bisher sagte hören, mit den Ohren, mit den Augen, mit Nase und Mund, mit dem Herzen. Zum Schweigen aber kommen wir nur durch Reflexion im Nachdenken. Wenn Nikolaus von Cues nun berichtet, das ihm im Schweigen der Betrachtung Gott in seinem Herzen antwortet, so mag dies allein für Nicolaus von Cues zutreffen. Das muss jeder selbst wissen ob er dies als Selbstgespräch oder Dialog betrachtet. Wir als Menschen entfernen uns zwar immer mehr vom Wort; in dem Wir nachdenken finden wir im Wort das, was uns ausmacht für uns. Wir kommen also durch alle Informationen näher zu uns. Dieses Reden und Sprechen ruft uns zu uns zurück, wir öffnen uns zu eigener Beachtung. Der Freudesatz: Das Wort stirbt, ehe es ausgesprochen ist. Das Schwaigen der Lämmer, dasselbe Schreien im Anblick des Todes, das von Menschen gemachte Schreien das seit der Geburt, dieses immerzu erneut >sprechenmüssen<. Warum, dann diese Stille. Dieses Schweigen. Dieser förmliche Widerspruch, in Form eines Antagonismus, das, was uns am wahrscheinlichsten scheint, ist nicht die Wahrheit. Besser scheint es frei zu sein als die Wahrheit zu besitzen. Einige glauben die Wahrheit ist im Wort, aber die Wahrheit enthält das Wort. Die Kraft eines Textes verliert sich innerhalb der Interpretation. Der Interpret wird zum Autor, er vertauscht die Position. Alle Spiele haben einen tödlichen Ausgang. „Der Mensch ist nur dort Mensch, wo er spielt ...“ Schiller; „Und der Mensch heißt Mensch …“ Grönemeyer. Der Mensch spielt, und es ist doch immer wieder ein Gott, der sein Stöckchen wirft und der Mensch apportiert. Der Mensch lebt widernatürlich. Er zieht sich freiwillig in Legebatterien zurück. Er ist nicht berührender zu seinem Nachbarn gerückt. Er grenzt sich ab. Der Mensch bekleidet seine Legebatterien und spricht mit seinen Nachbarn nur über Gegensprechanlagen, betrachtet ihn durch ein Guckloch. Fotografen und Landschaftsmaler lügen, weil sie die Dinge abbilden. Weil sie ausblenden was die Dinge sagen wollen. Was sie verschweigen; darum lügen sie. Das Schweigen ist das methaphysisch-himmliche Geheimnis von Traum und Rausch. Das Schweigen im Sinn von Ungehörtem. Das Unerhörte was noch nicht erhört wurde noch nicht vernommen blieb unerlöst. Es braucht einer Gerechtigkeit zwischen der Rede und dem Schweigen. Einer Versöhnung zwischen Ausgewähltem und Ungehörigem. Lyotard sagte so: "Wenn man glaubt, Denken als Selektion aus 'gegebenen' Daten [...] beschreiben zu können, dann verschweigt man die Wahrheit: Die Daten sind nicht 'gegeben', sondern können 'gegeben sein', und die Selektion vollzieht sich nicht als ein Wählen. Wie Schreiben und Malen ist Denken eigentlich nichts anderes als das kommen lassen dessen, was gegeben sein kann."

Und Sprache, worin ist hierbei die Sprache? Man beschreibt, indem man etwas sagt. Hierbei verschweigt man aber was man weiß, indem das man sagt, was man glaubt, das zu sagen ist, damit es verstanden wird. Man selektiert, man wählt nicht, denn bei einer Wahl entscheidet man. Hier entscheidet man nicht, man spricht, was zu sagen ist. Was nicht zu sagen ist, ob es nun vorausgesetzt werden kann oder von der Fülle nicht zu sagen ist, wahr-falsch, verboten-erlaubt, gelungen-misslungen; was man sagt, ist gesagt und somit immer ein Neubeginn. Wie können wir Schwaigen anders Begreifen als das Wir darüber sprechen? Dieses Sprechen wird aber immer auf der Basis dieses Schwaigens sein. Denken, Sprache und Schwaigen sind eines in einem vierdimensionalen Diskurs-Ereignis-Kontinuum. Der Einäugige sieht diese Welt nur zweidimensional, wie der Stumme alleine mit seinem Schweigen zusammen ist. Eskapismus und Verschleierung dieser Gedankenvorgänge sind schon im Teilnehmen sehr flüchtig und vage. Sprache ist dabei nie etwas, das man mit Anderen teilen kann. Sprache ist immer ein Teilen mit eigenen Gedanken. Gedanken schweigen. Auch hier ist nur eine Begriffsverbindung möglich. Es ist hart, von einem Gedankenstrom zu sprechen, wo doch keiner weiß, was Denken überhaupt ist. Information die uns über unser Sprechen überkömmt, zeigt sich in der Individualität der Begriffe, die wir aus einem Vorrat herausholen. Die Gesamtheit der Akzidenzien aus unserem historischen Vorrat, aus dem wir uns bedienen, bedienen so wie aus einem Sandkasten. Diese „Dingheiten“ sind in ihrer Gesamtheit geschlossen. Dieses Herausgeholte ist nicht das, was die Dinge in ihrer Gesamtheit ausmachen, und bei ihrem sich Äußern, werden sie wiederum selbst verändert. Um überhaupt Sprechen zu können, muss bereits etwas, noch vor dem Denken, in Sprache in unserem Begriffsbewusstsein verarbeitet worden sein. Es ist das Wesen der Kunst, die Raufasertapete lange genug anzusehen, um etwas als etwas zu erkennen. Bei langer Betrachtung bilden sich Muster, die wiederum zu Begriffen führen. Das Betrachten eines Raumes, ohne für die einzelnen Dinge Namen zu haben. Ohne irgendein Teil aussprechen zu können, vielmehr nur sagen zu können: Da. Solange der Himmel nur als Zelt betrachtet werden konnte, entstand kein Raum. Wir sprechen also in einem „Räumlichen Sprachgebrauch“. Wenn wir sagen: Stadt, so denken wir gleichzeitig Haus, wenn wir sagen Haus, so denken wir gleichzeitig Zimmer. Es ist aber nicht, sodass wir diese separat hinzudenken, vielmehr ist der andere Begriff bereits in unserem Sprechen enthalten. Dieses nenne ich Schweigen. Dieses Schweigen geschieht im Mitdenken von Zeit (historisch) und Raum (Teilbarkeit) was sich im Ursprünglichen, Kleinsten, nicht Zurückzuführenden, nicht anführen lässt. Hier ist das Schweigen Nichts, eine Leere. Der menschliche Verstand, sich des Schweigens bewusst, will diese Dinge, ob sie kleinste Atome oder das Unendlichste des Weltalls sind, benennen. Das Kleine ernährt sich immer aus dem Großen. Die vierte Dimension im Sprechen ist das in ihm enthaltene Schweigen. Wir sehen ein Haus als dreidimensional. Vom Verstand her können wir uns das Haus aber als Ruine mitdenken, so wie ein Bildhauer aus einem Steinblock bereits die Statue heraus denkt. An einem einfachen Beispiel, der Bauherr wird bei seinem Haus immer die Entstehung des Hauses von der Baugrube an, mitdenken. Die Eltern werden bei ihrem Kind, wenn sie darüber Reden immer die ganze Entwicklung des Kindes mitdenken (Schwaigen). Wir kennen dieses Verhalten, bei Eltern oder Großeltern, das nicht nur bei Außenstehenden sehr sonderbar wirkt, dieses hochelterliche Erklären zwischen Kindchenschema und Lexikasprache. Aber es ist auf anderem Gebiet sehr effektiv und positiv. Man kümmert sich, man fördert. Unsere reale Welt befindet sich sozusagen immer im Fluss, während unsere Gedankenwelt, an jeder Stelle in Sagen wir vier Dimensionen gedacht, begonnen werden kann. Unser Spiegelbild ist also kein Abbild unserer Welt. Vielmehr ist es der Moment, der Zustand, von dem sich alles zurückbewegt bis zur Entstehung der Erde. Das Schwaigen geschieht als eine Art Wechselbeziehung zwischen Verstand und Lebenskreis. Zwischen dem „Ding an sich“ und dem „Zu-Handen-sein“ ist eine Differenz, deren Abstand nicht einmal als Raum gedacht werden kann, erst durch unser Denken gedacht werden kann. Also weder gegeben noch gedacht ist. Schweigen ist nicht als ein leerer Raum zu denken, in dem alles geräumt ist, was an Denken gespeichert war. Vielmehr wird das Sprechen aus diesem Raum entfernt und füllt gleichzeitig den Raum. Sie wundern sich vielleicht, dass das Schwaigen ein wichtiges Element der Rhetorik ist. Ich kannte eine Person, die verstand es, gekonnt dem Schwaigen einer Rede zu folgen, in dem sie schwieg. Viele schätzten die Person als guten Zuhörer, weil sie zugleich mit Erkennungszeichen des Zuhörens sich einmischen konnte. Andere wiederum sahen in diesem "Verhalten des Schweigens" ein Zeichen des Kopfzerbrechens. Die Wirkung war jedenfalls meist zusagend. Nur Bagatelle, nur Nichtigkeit. Nur Nichts, das ist reines Schweigen. Das ist aus dem, das Artifizielle entsteht. Die Rede, die Sprache, die Schrift. Aus der Sicht des Kreativen das heißt etwas zu schaffen aus dem nichts in Bezug auf den wissenschaftlich der sein wissenschaftliches Engagement gerechtfertigt sehen lassen will. Der Wissenschaftler, der sich verhält wie der Maler des „röhrenden Hirsch“ der auch argumentiert wie viel Arbeit er in die Sache gesteckt hat. Es zählt alles nichts. Nur die persönliche Idee des Einzelnen zählt. Das Schwaigen an sich ist weder eine Gewähr für Ruhe oder Stille, wie das Reden weder eine Gewähr für Denken noch für Sinn ist. Das Schweigen ist weder ein Garant für Sinn noch für das Denken. Dies kann einen Wissenschaftler nicht überzeugen. Eines aber, haben Wissenschaft und Dichtung gemeinsam, es besteht ihre Aufgabe nicht darin, sich verständlich zu machen. Wie jemand redet, das ist seine Version und da kommt er auch nicht mehr raus. „Wir sind bei allem, was beschrieben wird, auf Beschreibungsweisen beschränkt“ (Goodman, Weisen der Welterzeugung) die Referenz, auf die uns dieses Beschreiben hinweist, ist Schwaigen. Das ist nur Bagatelle, nur Nichtigkeit. Nur Nichts. Das ist reines Schweigen. Das ist das aus dem das Artifizielle entsteht. Die Rede, die Sprache, die Schrift. Aus der Sicht des Kreativen. Bei dem Rätsel der Analyse von Sprache stellt sich mir die Frage nicht, wie man aus einer Rede erkennbares Wissen erlangen kann (das ist ohnehin nicht möglich), vielmehr, wie man von Aussagen, Annehmbares von Belanglosem unterscheiden kann. Aus Theorien der Wissenschaften, der Philosophie, der Künste, erzeugen wir, mit Hilfe von Symbolbegriffen, Weltversionen. Dieser Überzeugung kann ich aber nicht sein, da wir nichts aus Theorien erzeugen. Vielmehr entwickeln wir aus unseren Sprachwelten und den daraus gezogenen Erkenntnissen erst unsere Theorien. Also nicht eine Denotation mit extensionaler, sei es buchstäblicher oder fiktiver Bezugnahme, sondern eine Exemplifikation, dass Sprache lediglich die Eigenschaft des symbolhaften Ausdrucks der Rede besitzt. Die „Weise der Welterzeugung“ unserer Symbolsysteme, sagen wir, unser hermeneutisches, geschichtliches Wissen, sollte uns zur Erkenntnisgewinnung dienen. Sagen wir, wir hören, was einer sagt, und verwenden die Beurteilung und das Schließen für unsere Erkenntnis. Diese Theorien sind aber deshalb bereits fehlerhaft, weil sie bloße Theorien sind. Man kann mittels einer Erkenntnis oder eines Symbols eine Theorie entwickeln: Nicht jedoch von einer Theorie auf eine Erkenntnis oder ein Symbol schließen. Während im alten Testament für ein Bilderverbot begründet wird, warnt die Aufklärung (hier auch Kant) bei Bildern vor der Einschränkung der Einbildungskraft und Manipulation. Aber alle Worte und alle Reden bezeichnen wir Bilder. Alles was wir über unsere Welt wissen kennen wir nur durch Bilder, die sich in unseren Köpfen abspielen. Wenn wir sagen, dass wir schließlich nicht reden können, so müssen wir feststellen, das wie nicht mehr schreiben können, sondern nur noch programmieren. Es ist eine essentialistische Tatsache, das wir nicht wissen, woher die Sprache kommt, noch was wir mit ihr Bezeichnen, aber wir wissen auch nicht, was daraus wird. Man kann, was man nicht aussprechen kann hinterfragen: „Du wolltest etwas sagen?“ Wer fragt, erhält eine Antwort. Der Kommunikationsakt geht aus, von 1.) Sender zu 2.) Adressat, mit 3.) Inhalt, über ein 4.) Medium. Die Sprachkommunikation scheint nur eine ästhetische Erfahrung, die vom Adressaten mit Interesse oder, interesselos wahrgenommen wird. Sprache ist nicht Abbild, Nachbild oder Vorbild, sondern frei gebildetes Gegenbild von längst nicht mehr präsenten Sachen. Worte als eine Art Gegenbilder der Sachen. Sinnliche Vorstellung der Sachen. Sprache mit dem Gebrauch des Mediums der Funktion eines Werkzeugs, Mittels, Organons. Schwaigen ist jenes Transportproblem zwischen Sender und Adressat. Man sollte nicht sagen, ich denke, schreib Rimbaud, „sondern ich werde gedacht.“ Ein Bild lassen wir sprechen. Betrachten, lassen sprechen, immerzu. Der Sprechende aber bleibt ohne Sprache. Das Bild, das der Sprechende entwirft, ist flüchtig. Der Hörende stellt ein Bild her. Verschwommen, problematisch. Der Sprechende kennt sein Bild nicht mehr. Das Bild selbst muss seinen Weg und den Weg zur Kunst gehen.  Wer sich am Ideal der wissenschaftlichen Erkenntnis orientiert, neigt dazu, viele nicht-begriffliche Erfahrungsformen zu unterschlagen, die uns aus dem Alltag vertraut sind: Symbolsysteme wie Musik, Literatur oder Bilder, Instanzen der unmittelbaren Erfahrung wie Anschauung, Wahrnehmung oder Gefühl und den Bereich des praktischen Könnens. In der Regel sind wir nicht in der Lage, den Gehalt dieser Phänomene vollständig begrifflich wiederzugeben. Dennoch ist das weite Feld des Nichtbegrifflichen eine unverzichtbare Voraussetzung unserer Sätze und Gedanken: Ohne Kunst, Wahrnehmung und Handeln gibt es kein Denken, keine Wissenschaft, keine Philosophie.“ So beschreibt Joachim Bromand, Guido Kreis (Hrsg.). Was sich nicht sagen lässt. Das Nicht-Begriffliche in Wissenschaft, Kunst und Religion, Akademie Verlag.

Um nach etwas zu fragen, was in der Sprache verrückt erscheinen mag, muss die Sprache verrückt sein. Das heißt, sie muss der Alltagssprache entrückt sein. Es muss sich also um Dichtung handeln. Es scheint uns, nur natürlich, dass, wenn wir nach etwas Fragen, das nur Unsinn zu sein scheint, dass wir beim Weiterfragen als Narr erscheinen könnten. Wir haben eben nur Angst, weiter, als Affen, gelten zu können. Nur um dieser Angst zu entgehen, lernen wir. Wir hören den Schrei der Seide und verstehen, weil wir sofort verstehen. Das ist es, was wir nicht aus Geräuschen oder Worten verstehen. Es sind diese Räusche, die uns hinzu schweigen. Heidegger erkannte, dass Van Gogh nicht nur alleine ein Paar alte Bauernschuhe abbildete. Wenn der Sprachphilosoph Ch. St. bedeutet, dass Musik nichts bedeutet: er sagt zu mir, „wenn sie das Forellenquintett hören, denken sie doch nicht gleich an Forellen“. Nein, wir geben der Musik keine Bedeutung. Wie kann er dann gleichzeitig einem Text: „Schwarze Milch der Frühe, heißt genau dies, und nichts anderes“ diesem Text eine solche Bedeutung geben? Diese, unsere Sprache ist einfach wie das verwenden eines Fahrrades. Wir können es einfach, wenn wir es können, so einfach. Wir sind alleine immer dort, wo wir wohnen. In einem Gehöft, in einem Anwesen. Dem Schloss des Seins, dort ist der Mensch für sich, allein. So behaupten wir sprechen zu können, ich meine richtig und wahr zu sprechen und sind nicht einmal in der Lage ein Wort wie Baum zu definieren. Anderseits glauben wir, das Sein, mit einem Weg durch den Wald, zu einer Lichtung, zu erklären. Wenn wir lernen könnten, uns wie die Affen in unseren Zoos zu verständigen, ich denke wir hätten viel erreicht. Wir haben uns von diesen Anfängen bereits zu weit entfernt, dass wir nicht mehr erkennen könnten, wie wir dorthin kamen, wo wir heute stehen. Wir tun einfach. Das Wort ist eben mehr als nur ein Wort und doch nur ein Wort. Alle Sätze sind bedeutungslos, und doch haben sie für unser Denken so viele Bedeutungen. Es gibt Grammatik und das Prädizieren, die uns helfen zu glauben, dass wir uns klarer ausdrücken. Aber das Ausdrücken ist nur Lallen. Die Frage ist, was wir verstehen. Und wir verstehen, was ein Baum ist, wir können es nur nicht ausdrücken. Und wenn wir sagen, „wir sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr“, so müssen wir erst sagen: „Wir sehen vor lauter Bäumen den Baum nicht mehr“. Wenn wir sagen, die Katze ist auf der Matte, so ist diese Art von Sein nur verständlich, weil wir dies so hinnehmen. Wir können uns diese Katze oder eine andere, auf dieser, oder einer anderen Matte, nur vorstellen, im Geiste.

 

Der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt. Dieses Spielen kann zweckfrei, aber sinnvoll sein. Das Sprechen wird betrachtet, als ein Sprachspiel. Das Verstehen meint die Erfassung von tieferem Sinn. Bei der Sprache betrachten wir sowohl linguistische Differenz als auch historische Differenz und eine hermeneutische Differenz. Die Linguistische scheint klar. Wir können nur verstehen, was wir verstehen. Es geht um die historische Differenz. Der Text altert. Je mehr wir uns um Verständnis bemühen, umso mehr verändert der Text. Das Verstehen selbst erklärt die Bedeutung eines Textes. Was aber verstehen selbst sein kann, entzieht sich der Sprache und somit einer jeden Erklärung. Es ist sinnvoll, direkt zu verstehen, also zu sagen, ich weiß, dass ich verstehe. Pädagogisch, in Bezug auf zu erwartende Erklärungen ist das aber unbefriedigend. Bei Gesprächen über Wetter versteht man anscheinend sofort, obwohl man wissenschaftlich gesehen kaum etwas verstanden hat. Das Verstehen geht dahin, was das Einzelne und was das Gesamte ist. Der Abstand dieser Distanz zwischen Interpretation und dem zu Verstehenden ist eine unerklärbare Differenz. Sie löst sich auf, wenn alles gleich wird. Sämtliche Hervorhebungen, Satzzeichen, Betonungen, Leerstellen verschwinden im Text. Am Ende sind alle Trennungen, Hervorhebungen, Satzzeichen verschwunden und es ist ein Bild. Alles wird zu Ironie, Sarkasmus und Nonsens. Verstehen wir überhaupt einen Text, oder ist alles nur Ironie? Wir haben verstanden, aber haben wir wirklich den Sinn verstanden? Wenn Sokrates von sich sagt, dass er weiß, dass er nichts weiß. Er selber weiß. Wenn ich behaupte, ich lese keine oder nur wenige Bücher. Das ist wahre Ironie. Ich lese lediglich keine Romane. Wenn Kevin oder Chantal sagen, dass sie nichts wissen. Haben sie dann recht? Wenn der Kritiker vom Schriftsteller sagt, er wäre ein großer Dichter. Das ist Ironie.

 

Wovon man nicht schreiben kann, darüber muss man programmieren. (M.H.F.)

H.v.Hoffmannstal im Chandos-Brief erinnert, an eine neue Sprache oder ein Medium, das „unmittelbarer, glühender ist als Worte“.

 

Zwischen Wissen und Wahrheit

Die Frage nach der Frage: Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen? Eine Sprache hinter dem Sprechen ist auch die Frage nach einer Sprache über Sprache, einer Metasprache. Damit will ich mich nicht beschäftigen. Ebenfalls nicht mit den unendlichen Möglichkeiten, Regressen, der Syntax und der formalen Grammatik. Bei erneutem Sprechen zitiere ich neu das Schwaigen. Eine Sprache, außerhalb derer keine weitere Sprache ist, scheint wider aller Anschauungen zu sein, denn die Anschauung verlangt, dass man eine Sprache nur mit einer anderen Sprache begrenzen kann. Eine Sprache also die innerste Sprache umfließt. Da also unsere Sprache zu unserem Sprechen keine Grenze stellen kann, jenseits derer nicht auch wieder eine Sprache ist, so fordert dies Anschauung das das Umfassende der Sprache, zumindest aber das Sprechen das jedem Einzelnen zur Verfügung steht unendlich sein muss. Schwaigen ist genau das, wonach gute Journalisten exakt fragen. Fragen, denen der Prominente, mit geschickter, diplomatischer Antwort ausweicht. Am Ende sagt der Moderator: Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren. Wir erfahren in der Rede (oder der Schrift) nie die Wahrheit. Was ich davon Ohnsinn nenne, ist das Fehlen von Wahrheit. Wir leben mit dem Vertrauen auf Wahrheit. Ihr Vertrauen dem Drogisten. Wenn ich sage: „Draußen regnet es“, so muss man das glauben. Oder man sieht nach und sagt: „Nein, es hat aufgehört zu regnen“. Dieses Spiel könnten wir unendlich fortsetzen. Schwaigen schließt das Gesagte mit ein. Dass was wir sagen und dass was wir nicht sagen, ergibt die gesamte Wahrheit. Die Wahrheit steckt in dem nicht gesagten. Sie gilt es zu finden, auch wenn uns bewusst sein muss, dass wir dies niemals erreichen. Gemeint ist auch der Sinn, nicht der eindeutige, vollständige Sinn. Etwas zu verstehen ist praktisch nicht möglich. Was ist verstehen? Legitim ist „ wir haben schon immer so verstanden wie es uns vorgeschlagen.

Als Alexander von Humboldt zum ersten Mal den Regenwald erblickte, sah er das einzigartige Mannigfaltige. Dieses zu bewältigen benutzte er die Methode des einzelnen Spezifizierens.

Wir wissen von Sprechen, als von etwas Altem, das wir schon lange wissen. Das Alte, diese Töne sind uns vertrauter als Anwesenheit. Der Dichter wurde ausgeschlossen vom Sprachspiel. Abweichend von der allgemeinen Sprache scheint ein Künstliches und entspricht nicht dem normalen, menschlichen Verhalten. Das wesentliche Merkmal des Dichtens bleibt wahr für immer und entzieht sich jeder Verifikation. Wie wir aber sprechen über einen Gegenstand und wie dieser Gegenstand uns erscheint, ist unbeständig. Sprache als Sprechen oder hinter der Sprache bleibt die Verlegenheit der Sprachwissenschaft. Das alte Sprechen hat seine Schuldigkeit getan, es beginnt zu schwinden. Das Alltägliche reden, die Schlagzeilen, öffentliche Kommunikation und billiges Gequatsche scheinen wichtiger als die Dichtersprache. Man spricht, im Sprechen über Sprechen der Sprache, während sich Sprechen und Sprache innerhalb des Sprechens verwandeln. Wenn wir sprechen, hören wir uns selber zu und müssen leidvoll erfahren, dass sich Wirklichkeit innerhalb unseres Sprechens verändert. Was ist nun Wirklichkeit, das was wir sprechen oder die außersprachliche Wirklichkeit? Wie unsere Gesellschaft über Sprache und mit Sprache spricht ist Gegenstand der soziolinguistischen Untersuchungen. Politisch lässt dieser Autor den Leser denken. Politische Gedichte der Aufklärung oder von links oder rechts erklären immer, wie ein Leser zu denken hat.

Einerseits die soziale, politische und kulturelle Bedeutung sprachlicher Systeme und Variationen des Sprachgebrauchs, andererseits die kulturell und gesellschaftlich bedingten Einflüsse auf die Sprache. Ein von Wissenschaftlern ignoriertes Problem ist, das sprachliches Verhalten nicht von Intelligenz und Charakter des Sprechers abhängt. Es ist noch immer Unart der vermeintlichen Intelligenz mit unverständlichen (nicht zu verwechseln mit dichterischer Hermetik) Texten eine elitäre Nische zu besetzen. Anderseits ist sprechen immer determiniert durch die soziale Umgebung, in der sich Sprache entwickelt. Sprache als Handeln ist ein Instrument zu einem Ereignis ein Ergebnis herzustellen. Sprache wir dadurch zur Sprache, dass sie gesprochen wird. In einer Übereinkunft eines Sprechenden zu einem Angesprochenen sind sich beide über ihren Gehalt an Inhalten bewusst und wissen sich von anderen verstanden. Sprechen als eine Funktion der Kommunikation selbst. Es liegt alleine die Absicht des Senders zugrunde dem Empfänger einen Inhalt zu vermitteln, den er versteht. Zu einer Kommunikation wird aber zur Enttäuschung des Senders, der Empfänger widersprechen. Tut er das nicht, ist zunächst dieses Gespräch beendet. Es gehört also zur originären Aufgabe eines Gespräches, insbesondere eines Dialoges, die Rede und die Gegenrede. Das beides setzt voraus, dass man weiß, wovon man spricht. Dies ist alleine der Gegenstand des Gespräches, obwohl er selbst nicht ausgesagt werden braucht. Dieses, worüber ergibt, sich aus dem Kontext. Wenn man von, oder über Kants Kritik der reinen Vernunft redet, weiß man, dass man über diese Schrift redet. Dies scheint zunächst selbstverständlich, kann aber im philosophischen Diskurs von großer Bedeutung sein. Wenn Austin verkürzt gesagt in seiner Sprachtheorie beim Sprechen von einem Handeln spricht, so ist das eine klare Aussage. Wie aber sollte ein Sprechen oder Handeln stattfinden, wenn dort nichts ist. Dieses nicht ist, oder anders alles, was der Fall ist, ist die Voraussetzung und wichtigster Bestandteil der Sprache. Wo nichts ist, davon kann man nicht sprechen müsste man hier sagen. Wenn das Eheversprechen alleine durch die Zeremonie, also egal was Anwesende, sagen, denken oder sonst wie tun, zustande kommt; so ist der Inhalt, der Ritus alleine das, was nicht gesagt ist das Schweigen innerhalb der Worte von Bedeutung. Wenn im Fußballspiel alleine doch der Abpfiff wichtig ist. Er legt alleine das Ergebnis fest. Die Bedeutung liegt aber in allem, was vorher und nachher geschehen ist, auf dem Platz, in den Vorbereitungen und in den Rezitationen im Anschluss bis in alle Zeiten. Mit dem Erwerb seiner Eintrittskarte erwirbt der Fan das Recht, zu jubeln, still zu sein, zu schreien oder seinen Unmut zu äußern. Mit seiner Äußerung handelt er, aber seine Äußerung ist nicht, dass was er sagen will, vielmehr das alleine, was er äußert, was sich auch nach dem Äußeren richtet. Er wird bewusst nur das äußern, was ankommt. Dies wird ausführlich besprochen, manchmal sogar heftig. Aber allem Sprechen liegt ständig zugrunde das Geschehen, was nicht zur Sprache kommt. Die Funktion der Sprachvermittlung liegt in der Sprache, es wird aber nur vermittelt, was zu wissen ist, um zu verstehen. Das kann unter Umständen sogar mehr sein, als das was gesagt werden will. Wenn ich ein Hölderlin Gedicht erklären will, muss ich zunächst dem Zuhörer die gesamte Philosophie Hölderlins vermitteln. Anders wäre ihm das Gedicht nicht zugänglich. Bei anderen Gedichten verstehe ich sofort, ohne dass ich darüber etwas aussagen oder darüber denken könnte. Es kommt also nicht nur auf Inhalte an, sondern vielmehr auf Absichten, was in Sprache vermittelt werden möchte. Der Zuhörer soll etwas erkennen, sein Erkenntnisvermögen wird angesprochen und er wird affiziert zu reagieren. Es ist so, das ein Wort, wie Bank, zwar Verschiedenes, aber nicht beliebiges ausdrücken kann. Warum das Schwaigen immer mehr wird? Wir alle wissen doch, dass, was jeden Tag im Radio erzählt wird, im Fernsehen gezeigt wird, oder in der Zeitung steht, so nicht stimmt! Also, was sollen wir noch glauben? Wenn wir nicht auch unsere Vorstellung von Kontexten haben? Schweigen ist das im Sprechen enthaltene. Aber nicht dieses: Ich denke, also bin ich. Vielmehr ein apriorisch-empirisches-gedachtes, im Sprechen enthaltenes Wissen als Denken. Ich denke nicht, also könnte ich sein. Ich rede, also könnte etwas gesagt sein, von dem man meinen könnte, es hätte etwas zu bedeuten. Ich weiß nicht einmal, dass ich nichts weiß und wenn ich es wüsste, würde ich sagen: Ich weiß, dass ich nichts weiß und jeder würde sagen, ich hätte es nicht gesagt, vielmehr ein anderer, und doch habe ich es gesagt. Dem Menschen, dem ich begegne, kann ich mit der Sprache nicht entgegenkommen. In einer Sprachbeziehung zu ihm begegne ich ihm unerfahren. Trete ich aus diesem Sprachkontext hinaus, so erfahre ich ihn aus meiner Ich-Ferne. Im Augenblick unseres Gegenübersprechens sprechen wir von Dingen ohne Präsenz, Dinge die aus einer Vergangenheit sind wir Stehen unserer Sprache entgegen, indem wir entgegnen und somit mit Gegenständen, die gewesen sind. Vielleicht will der Mensch etwas sagen und kann es doch nicht? Alles Sprechen ähnelt sich auf eine Weise und jedes Schweigen ist so wie das vorherige. Das Schweigen gesellt sich zum Ungesagten und füllt die Leere des Nichts mit Schwaigen. Wir wollen immer so reden, als müssten wir etwas verstehen, aber wenn wir denken, wir hätten etwas verstanden, verstehen wir nur, dass wir bereits etwas wussten. Philosophisch gesehen hat man drei Möglichkeiten, nämlich 1.) zu schweigen (Wittgenstein), 2.)zu  falsifizieren (Popper) und 3.) Fragen zu stellen. Wissenschaftlich kann man nur philosophisch reagieren. Schwaigen oder Nichtsz, das ist hier die Frage. Die heutigen Diskussionen über wissenschaftliche und alltagsgeführte Sprachen führen ins Nichts. Sobald wir nachdenken, beginnen wir eine Diskussion neu. Das Computer nicht, wie Menschen denken können, scheint eine Binsenweisheit. Dass der Mensch aber immer besser als ein Computer denken kann, scheint sehr ungewiss. Warum sollte ein Computer wie ein Mensch denken können, wenn das menschliche Denken doch von Natur her sehr begrenzt ist. Es ist überheblich zu sagen: Der Computer wird nie denken können wie ein Mensch. Der menschliche Denker betrachtet mit seinem Homunkulus seine Gedanken. Mit seinem Homunkulus betrachtet er ebenfalls sein Sprechen. Er betrachtet sein Denken, während er spricht. Während Neo sich in der Matrix befindet, aber gleichzeitig in seinem Sessel sitzt, wird er von seinen Kollegen beobachtet und instruiert; ohne das er die Möglichkeit hat sein Tun zu ändern. Sprache und Sprechen setzen das Sprechenkönnen voraus. Zu diesem Sprechenkönnen gehört aber besonders das, worüber man spricht. Die Voraussetzung ist also wesentlich. Was man sagt, ist lediglich ein Andeuten. Das Gesamte ist meine Theorie, also dieser Schliff mit den ungezählten Facetten. Eine heißt: Das ist Derrida, und dann geht man über zur nächsten und es heißt: Das ist Gadamer, der hermeneutische Zirkelschluss. So geht jede Diskussion weiter. Es bleiben immermehr Facetten, die noch nicht behandelt wurden.

 

 

"Beachte, dass die Anderen bedürftige Menschen sind, wie du selbst, und handle demgemäß!" Wilhelm Kamlah

In dem Buch von Kamlah und Lorenzen, das sie als Vorschule des vernünftigen Redens vorstellten, skizzieren und begründen sie die Grundzüge einer Wissenschaftssprache, in der Unschärfen vermieden und durch die, Missverständnissen vorgebeugt werden soll:

An den Terminus als Prädikator einer wissenschaftlichen Sprache stellen wir folgende Anforderung: Die Verständigung zwischen den Gesprächspartnern soll nicht dadurch beeinträchtigt werden, dass der Redende den Prädikator anders verwendet als der Hörende (umgangssprachlich ausgedrückt: dass sich der Hörende ‚etwas anderes dabei denkt‘ als der Redende). Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Gesprächspartner vor der Verwendung eines Terminus gut daran tun, sich hinsichtlich eben dieser Verwendung ausdrücklich zu verständigen.

Diese Verständigung ist in vernünftigen und wissenschaftlichen Gesprächen wichtig. Sie kann aber niemals ausschließen, das diese Unschärfe von anderes hören und anderes denken vermieden werden. Es scheint mir im Gegenteil, das je mehr wir regulieren und regeln werden, umso mehr Missverständnisse (kann man hier überhaupt noch von Missverständnissen reden) oder sagen wir nur Verstehen, gibt es. Verstehen hieße hier: Man hat etwas verstanden, aber das Verstandene ist nicht gleichzusetzen mit dem Verstandenen des Sprechers. Schwaigen, wenn wir es nicht als eine Theorie betrachten, so betrachten wir es als ein praktisches System. Man kann die Sprache und die Schrift, so betrachten, das man sie wortwörtlich interpretiert, oder so das man ein Vorwissen hermeneutisch zugrunde legt. Man kann auf der einen Seite sagen, man ist sich mit dem Sprecher einig oder man sagt, man kann nichts verstehen (Desinteresse oder Humor schließen wir hier aus). Aber das Schweigen ist ein alltagsgebräuchliches System. Sagen wir, wir reimen uns die Geschichte zusammen. Man könnte es auch wahrsagen nennen. Ein Wahrsager wird sagen, das Jeder wahrsagen kann, wenn er will oder mit Übung. Ein Wissenschaftler hält es für Humbug. Es ist so einfach, wenn ich sage, in der Umgebung kann man kein Geld wechseln, oder man findet keine Toilette, so wird der Wissenschaftler oder der Experte sagen, man kann hier überall wechseln, man kann hier überall zur Toilette, die Praxis sieht aber immer anders aus und das ist wesentlich. Deshalb nenne ich mein System ein Praktisches und ein Reales System. Alles Andere scheint mir Metaphysik.

 

 

Ich denke also bin ich.

Denkend arbeiten wir von Grund auf poetisch, wenn wir sagen: „Ich denke, also bin ich“, so stellen wir diese Welt in der wir leben bereits her. Eine universale Poesie geht aus der Philosophie hervor. Bewusstsein konserviert Welt. Aber etwas können wir nicht aus unserem Bewusstsein. Wir können sprechen, aber wir können nicht Welt erklären. Demnach existiert keine Metaphysik, wir kennen keinen Gott, keine platonischen Ideen oder hegelschen Geist, keine naturwissenschaftliche Abstraktion mehr. Man zweifelt an sich selbst. Man zweifelt an der eigenen Existenz. Wenn der Mensch denkt, scheint er auch schon zu sein. (Alles was denkt existiert nicht, nein, ich denke nicht, ich existiere doch) das, was noch zu sagen ist, ist immer präsent und immer anwesend. Da bereits fast alles gesagt wurde, begibt man sich auf einen Dekonstruktivismus. Stararchitekten bezeichnen diese Form: Ein Gebäude dementiert so jede Idee von Herrschaft und Repräsentation. Sollte man dies ernst nehmen oder etwas hinzufügen? Stellt die Sprache nicht per se sich selbst infrage? Man trennt das Bezeichnete vom Bezeichnenden. Alles wird ver-rückt! Der Sinn aber liegt nicht in beiden oder in einem der Begriffe, vielmehr in der Differenz, dem Abstand zwischen Ereignis und Diskurs. Kein Anfang, kein Zweck, alles bleibt ohne jede Vernunft. Ist eine Kirche noch vernünftig? Diese Frage ist zu stellen, wenn wir sie aus wirtschaftlichen Gründen in ein Hotel oder ein Restaurant verwandeln. Hielt man ein Dichtkunstwerk eines Dadadichters für Irrsinn und das Werk eines Verrückten, so trifft das zu und man erkennt heute, dass man den Wert noch nicht erkannte. Ich denke, es wird einmal eine verrückte Zeit kommen, in der Jemand spricht aber man versteht kein Wort. Man hört, aber an einer anderen Stelle der Welt fühlen sich Personen plötzlich direkt angesprochen. Sprechen als eine innere Notwendigkeit aus Geistigem heraus. Wie wir dies auffassen? Das ist sehr unterschiedlich. Wir können nicht mehr zurück. Reden beständig weiter und reden uns in unser Unglück. Bewegen wir uns doch schon in vielen Welten. Wir beginnen mit jeglicher Erkenntnis und sinnlicher Wahrnehmung erst, nachdem wir gesprochen haben. Unsere empirische Erfahrung spielt hier bei einer hermetischen Interpretation die entscheidende Rolle. Sie ist nur per Reflexion möglich und nicht so ohne weiteres apriori gegeben. Wir können Wirklichkeit nicht alleine dem Gehirn zuschreiben. Sprechen, als ein in sich bedeutungsloser Akt als eine Bedingung für die Interpretation durch den Rezipienten (Roth) „Es ist der Empfänger, der Bedeutung konstruiert.“ Dieser Satz ist sicher zu kurz gegriffen. Es sind beide. Sprecher und Rezipient erzeugen erst während des Sprechens und nach dem Sprechen, Sinn, aufgrund von Erfahrung und Erlebnissen. Das Gehirn, das denkt, ist mir in diesem Denken unzugänglich. Also kein: ich denke also bin ich. Das Gehirn denkt den Körper, durch den es spricht, der so der Außenwelt gegenübersteht. Es bewertet das Sprechen und speichert alles, was dabei der Fall ist. Die Welt ist alles, was der Fall ist. Es ist dieser erste Fall, der nach dem Geborensein, aus dem Riss der Quelle entgegenkommt. Der Fall, den einige, den viele, nie erleben. Während ihnen im Leben bis zum Salzwasser, niemals ein Wasserfall vorkommt, plätschern sie selbstredend vor sich hin. Die Welt fällt herein, während das Wasser in die Tiefe stürzt. Bis man den Raum des Wasserfalls verläßt, damit man somit eine weitere Entfernung zurücklegt. Wir schreiben eine Entwicklung fort, die aus dem Sprechen tritt, einem Sprechen, das aus den Ursprüngen kommt. Dieser Strudel, den sich der Wasserfall erschließt, ist verschlingend und verflechtend zugleich.

Der Mensch drückt sich in der Sprache aus. Das Tier und die Pflanzen drücken sich anders aus. Der Mensch ist nicht in der Sprache, wie oft behauptet wird. Der Mensch ist im Keim, wie im Gehirn, genau so wie ein Baum. Sprache ist das Letzte, das dem Menschen von seinem Ich bleibt. Alles Weitere ist außerhalb seiner Eigenschaft. Erst durch die Medien, Schrift und Film, gewinnen wir Distanz zu unserer Realität. Dies ist reinste Theorie. Ich bin der Ansicht, dass Wörter, Sprache, zur Welterkenntnis völlig untauglich sind! Wie kann denn das Wort „Baum“ in einem Gedicht den Baum vermitteln, so zweifele ich zwischen Brecht und Heidegger? Worte, Worte, lauter Worte. Sie fließen aus kleiner Quelle zu einem reißenden Fluss ins Meer. Worte „zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze“, dichtete einst Hugo von Hofmannsthal in dem Brief von Lord Chandos an Francis Bacon.

Der Lyriker Paul Celan, in dessen Werk die Kritik an der Sprache und die Suche nach einer wahrhaftigeren eine zentrale Rolle einnimmt, sprach davon, dass die Dichtung uns manchmal vorauseile. Dichtung wird bei ihm zur "Flaschenpost", die durch die Zeiten hindurch unterwegs ist, um irgendwann einmal, vielleicht an "Herzland" gespült zu werden. Hofmannsthals Brief des Lord Chandos ist eine solche "Flaschenpost". Der Dichter hat dies selbst so empfunden. 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, notiert er sich mit Bezug auf den Brief: "Ähnlich das ganz leere addieren (ohne das erleben zu können) wie viel Millionen in diesem Krieg fallen". In seinem fiktiven Brief warnt er auch vor der kalten Sprache der Wissenschaft, vor den Technokraten und Bürokraten, die ohne Herzen denken. "Durch die Vergröberung der Worte entsteht Vergröberung des Weltbildes", notiert er sich 1906, ohne zu ahnen, wohin die "Vergröberung der Worte" in diesem Jahrhundert führen sollte. Hofmannsthals 'Ein Brief' ist zweifellos zu einem poetischen Schlüsseltext des 20. Jahrhunderts geworden, der sich auch im neuen Jahrtausend seine Aktualität bewahren wird. [Aus: Büchner - Kulturanzeiger, Frankfurt am Main, Dezember 1999, S. 17-19]

Mit der Jahrhundertwende kam es in Deutschland zu einer ansteigenden Selbstkritik moderner Autoren. Am deutlichsten aber zeigte sich diese Beurteilung im Chandos-Brief von Hugo von Hofmannsthal. In diesem hypothetischen Brief an Francis Bacon beklagt Lord Chandos seinen "gänzlichen Verzicht auf literarische Betätigung". Chandos ist "die Fähigkeit abhandengekommen, über etwas zusammenhängend zu denken und zu sprechen". Für Lord Chandos ist das Denken und Sprechen nur noch in einer Sprache möglich, die es so noch nicht gibt (dieses aber wäre die Dichtung). Die Dichtungen der Jahrhundertwende waren, wie kaum zuvor, sprachgewaltige Alliterationen, Assonanzen, Metaphern, Symbole, Bilder, Synästhesien und sie durchzogen in großem Maße die Kunst, die niemandem anders mehr verpflichtet war als sich selbst. Der Chandos-Brief ist zum einen eine Sprachkritik, da er sich gegen die konventionellen Sprachgewohnheiten stellt und zum anderen ist er ein grundsätzlicher Zweifel daran, inwiefern sich die Realität mit Sprache wiedergeben lässt. Nietzsche notierte: „Jedes Wort wird sofort dadurch Begriff, dass es eben nicht für das einmalige, ganz und gar individualisierte Urerlebnis, dem es sein Entstehen verdankt, etwa als Erinne­rung dienen soll, sondern zugleich für zahllose, mehr oder wenig ähnliche, d. h. streng genommen niemals gleiche, also auf lauter ungleiche Fälle passen muss. Jeder Begriff entsteht durch Gleichsetzen des Nicht-Gleichen.“ (Nietzsche KSA 1, 879/880 WL). Was ist ein Wort, fragt Nietzsche, und er antwortet sogleich: „Die Abbildung eines Nervenreizes in Lauten. Von dem Nervenreiz aber weiterzuschließen auf eine Ursache außer uns, ist bereits das Resultat einer falschen und unberechtigten Anwendung des Satzes vom Grunde. Wie dürften wir, wenn die Wahrheit bei der Genesis der Sprache, der Gesichtspunkt der Gewissheit bei den Bezeichnungen allein entscheidend gewesen wäre, wie dürften wir doch sagen: Der Stein ist hart: als ob uns “hart“ noch sonst bekannt wäre, und nicht nur als eine ganz subjektive Reizung! (...) Dieses “Ding an sich“ (das würde eben die reine folgenlose Wahrheit sein) ist auch dem Sprachbildner ganz unfasslich und ganz und gar nicht erstrebenswert. Er bezeichnet nur die Relationen der Dinge zu den Menschen und nimmt zu deren Ausdrucke die kleinsten Metaphern zu Hilfe. Ein Nervenreiz, zuerst übertragen in ein Bild! Erste Metapher. Das Bild wieder nachgeformt in einem Laut! Zweite Metapher. Und jedes Mal vollständiges Überspringen der Sphäre, mitten hinein in eine ganz andre und neue.“ (Nietzsche KSA 1, 878/9 WL). Wenn die Wörter nur Übertragungen wären, Metaphern, völlig ohne die Sicherheit, dass hinter ihrer Struktur die Wahrheit steckte, dann erklärt sich auch, mein seltsames Gefühl, nichts wirklich, durch Sprache erfassen zu können. Der Begriff und das Ding, das begriffen werden sollte, konnten nie zusammenfallen. „Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht“, den Göttern allein vorenthalten. In unserer Welt war dieser ursprüngliche Glaube an die wahrhaftige und sinnerfüllte Sprache nur dadurch möglich, „dass der Mensch sich als Subjekt und zwar als künstlerisch schaffendes Subjekt vergisst.“ (Nietzsche KSA 1, 883 WL).

 

Das Schwaigen ist diese Differenz von Ereignis, minus dem Ausgesprochenen, wie diese Differenz zwischen dem Gehörten und dem so oder so Verstandenen als eine Erfahrung, als eine Du-Ferne. Man schließt auch beim Reden oder Nichtreden ein Schweigen oder ein Verschweigen ein. Dieses ist aber etwas anderes als dieses von mir bezeichnete Schwaigen, das aus jedem Sprechen hervorgeht. Dunkelheit ist ebenso undurchschaubar wie Licht. Die Durchsichtigkeit aber ist jenes Schwaigen. Dort wo sich Lied des Parmenides und Lied des Salomon begegnen endet die Dunkelheit und der Abschied der Nacht beginnt mit der Morgenröte.

 

Das volle Schwaigen ist dieses Differenzergebnis, bei dem wir das Ausgesprochene vom Ereignis abziehen, wie beim Rezipienten das Verstandene vom Gehörten abziehen. Da bleibt aber immer noch eine neue Differenz zwischen Differenz-Sprecher und Differenz-Rezipienten, welche wir hinzuaddieren.

Ereignis – Ausgesprochene = Differenz

Gehörte – Verstandene = Differenz

Differenz + Differenz = Schwaigen

Dieses Schwaigen besteht nur zum Zeitpunkt des Sprechens. Sprechen hat als ein flüchtiges Ereignis keine Existenz.

 

 

 

Das Schweigen als die Differenz

Die absolute Differenz zwischen Sein und Nichts. Diese Zwischenwelt ist eine Welt des Werdens. Sie verhält sich wie ein könnte sein. Wie der Schein vom Sein im Sinne des Parmenides. Der Schein deutet auf das Sein, wie der Blitz die Wolken mit der Erde verbindet. Wie das Aufsteigende oder Absteigende Feuchte, Dunst oder Regen die Wolken mit der Erde verbinden. Denn die Quelle sollte nicht als Ursprung gedacht werden wie das Meer, in dem alles zusammenfließt auch nicht, als das alleinige Ende gedacht wird. Es scheint nur so, es könnte sein; worüber wir sprechen ist nur unwesentlich. Es bedeutet nichts. Wenn ich das Schweigen als Schweigen bezeichne, dann gibt nicht bereits der Name die Bedeutung. Im Namen senden das Schweigen in seiner Vereinzelung in seine Facetten sowie der Blitz nicht nur nicht nur der Name oder die bloße Erscheinung des Lichts vor der großen Finsternis ist. Durch die Bezeichnung erhalten wir die komplette Mischung. Mit Kauf von 500 g Tee eben eine komplette Mischung. Wir reden immer Nonsens besonders wissenschaftlich und gerade wenn wir wissenschaftlich sprechen reden wir besonders Nonsens. Wenn wir uns wissenschaftlich ausdrücken, indem wir als Beispiel der Physik, eine Tasse mit Tee füllen, wissenschaftlich, die in der Tasse enthaltene Luft gegen die Flüssigkeit des Tees austauschen. Hier haben wir wissenschaftlich gesehen keine Tasse mit Tee, sondern einen Hohlraum mit Flüssigkeit. Ein weiteres Beispiel: Je mehr eine Stickerin stickt, desto geschickter sind ihre Hände. Je mehr einer spricht, desto mehr schärft sich sein Verstand, nicht seine Rede, diese verflacht. Wissenschaft zielt darauf, Welt zu verbessern. Aber Welt ist nicht etwas, das man so ohne Weiteres verbessern oder verschlechtern kann. Das Schwaigen ist das Sein der Sprache. Schwaigen und Nichtsz kann man auch ersetzen durch Sein und Nichtsein. Dem Schwaigen entspricht das Sein wie dem Sinn. Schwaigen und Nichtsz und Sein und Nichtsein, Sinn und Unsinn. Der Sinn, der sich aussprechen lässt, ist nicht der ewige Sinn. Der Name, der sich nennen lässt, ist nicht der ewige Name. Nichtsein nenne ich den Anfang von Himmel und Erde. Sein nenne ich die Mutter der Einzelwesen. So schreibt Laotse seinen ersten Vers im Tao te king. Unsere Sprache ist wie das Tuten eines Horns im Nebel. Wir erkennen nicht einmal die Richtung. Wenn wir uns auf dem Meer befinden, wissen wir lediglich, dass dort ein Schiff sein könnte. So etwa verhält es sich mit dem Schwaigen. Allerdings haben wir Techniken entwickelt, die uns immer mehr Orientierung verschaffen. Wir entwickelten Radar, das uns sogar im dichtesten Nebel sehen lässt. Aber die wirkliche Welt können wir nur erahnen. Wenn Wittgenstein sagt, man muss schweigen so dort, wo nur Dunkelheit und Nichts ist. In einem dunklen Raum befindet sich lediglich ein Stuhl. Wir aber sehen nichts. Wir müssen aber nicht schweigen, wir müssen reden. So wie wir im Raum ein Licht entzünden und erkennen einen Stuhl, so werden wir im Sprechen zu neuer Erkenntnis gelangen. Im Beichtstuhl dringen durch das Sprachgitter nur Worte. Wir sehen uns nicht aber wir haben eine Vorstellung voneinander. Wenn wir sprechen über Sein und Zeit, so wird diese Zeit bereits ein Sein, das da ist, voraussetzen. Wäre das Sein Nichts, so könnte man sich schwer vorstellen, dass dieses Sein sich in der Zeit bewegt. Es müsste bereits in der Zeit als Nichts vorhanden Sein.

 

Zum Lehrgedicht des Parmenides: Vom Schein zum Sein sagt der Kommentar des Plutarch: Indem nun Kolotes, Einzelnes aus seinem Zusammenhang löst, und es dann wörtlich, und d. h. falsch,…



[1] Paul Hoffmann Das erneute Gedicht edition suhrkamp 2142 2001 S. 23/24

[2] George Steiner, Sprache und Schweigen, dt. von Axel Kaun, Frankf. a. M. 1969 (Suhrkamp), S. 164 Saul Friedländer Kitsch und Tod Hanser Verlag.

 

[3] George Steiner, Sprache und Schweigen, Language and Silence, Originalausgabe, London 1967 Faber und Saul Friedländer,Kitsch und Tod, Hanser

[4] Laut © Duden - Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]