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I. Unsinn

Das, was Wittgenstein noch für Unsinn hielt, worüber man schweigen muss, ist bei mir ausnahmslos. Wir können über nichts reden, ohne als Unsinn zu erkennen, weil wir zu den Dingen und zum Handeln, eine differente Beziehung haben. Sei es zu den realen Dingen, sei es zu den gedachten Dingen. Es mag auch sein, das Sprechen ein Handeln ist, aber eben nur ein Ersatz, und somit kein Sinn selbst. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein Goldstück auf den Tisch lege, oder nur sage, dass ich jetzt ein Goldstück auf den Tisch lege oder gelegt habe. Eine Verbindung zwischen beidem zu knüpfen, sagt ebenso nichts als Unsinn.

II. Reden

Für meine Theorie besteht kein Problem darin, alles Sprechen als Unsinn zu sehen, ebenso wenig wie für Parmenides, alles als nichts zu sehen. Warum sollten wir, wie der frühe Wittgenstein noch andachte, von Dingen reden, die wir einsehen? Sicher konnte er erklären, wie eine Eisenbahn funktioniert. Welch ein Unsinn. Wenn ein Banker oder Versicherungsagent erklärt, wie man ein Vermögen macht. Welch ein Unsinn (wenn es Sinn machte, würde er es keinem sagen). Es macht wohl Sinn, solange Unsinn zu reden, bis daraus ein Sinn zu erkennen ist (nur für einen selbst) und immer weiter.

III. Erfahrung

Es besteht die Ansicht, dass wir nur wahr über unsere Erfahrungen reden können. Das ist richtig. So reden wir. Unsere Erfahrungen sind die bewegten Schatten auf der Höhlenwand und nur diese sind für uns real. Wer die Höhle verlassen hat und die Dinge gesehen hat im Licht, dm sagen wir er sagt Unsinn und bringen ihn um. So gesehen kommen wir aus diesem Dilemma Unsinn nicht hinaus. Natürlich macht die große Rede, das bedeutende Buch, das ganze Leben Sinn. Aber nur für den der es annimmt als seinen Sinn. Der Unsinn ist natürlich auch dieser Widerspruch, indem ein Wissenschaftler behauptet, es mache sehr wohl Sinn und ich muss ihm recht geben, denn für ihn kann es schon Sinn machen und für andere einen anderen Sinn. Bei der Sprache haben wir ein immer Werdendes zu denken, welches niemals zum Sein gelangt. Es ist schwierig über die Dinge nachzudenken und noch schwieriger etwas herauszufinden, aber es ist unmöglich, sich für alle verständlich zu machen.

 

 

SCHWAIGEN&NICHTSZ
SCHWAIGEN&NICHTSZ
FREUDE - AUTOR
FREUDE - AUTOR

SPRACHPHILOSOPHIE

 

 

 

Schweigen und Nichts

 

 


von Manfred H. Freude

 

 

 

 

 

Das Gedicht

Vom Schweigen und Nichts

von Manfred H. Freude, anschließend ein zweites

mit einer folgenden Interpretation (Auslegung):

 

Vom Schweigen und Nichts

 

Ineinsgefroren liegt himmelschwer

Tiefschwervergrabenes. Im Körper

Gehäutet

 

Leeres Gerede von Pulten

Die NICHTS sagten. Sprachen. Ja, sprachen

Doch NICHTS sagten. Schwiegen

Schrieben von den Pulten –

Schwiegen

 

Von einer Stimme, mit eines Stimme

Beides zusammen

Nicht Eines sondern : Keines

 

Was redet, aber nicht spricht

Nichts sagt aber schweigt

Denn dort ist Einer

Der nicht redet aber schweigt

Der führt das Wort

Führt es hinaus ins Nichts

 

Doch wo steht das Nichts?

Das Nichts, es steht auf dem Nichts

Das Schwarze, es steht auf dem Weißen

Das Schweigt : Das Schweigen

Das Leichenläuten der Totenglocke

(Auf dem Nichts steht das Nichts)

Ineinsgefroren

Beides zusammen

 

 

© 2008    MANFRED H. FREUDE    Aachen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„VOM SCHWEIGEN UND NICHTS“

 

Dieses längere freirhythmische Gedicht rückt die Reflexion um die beiden Pole „Reden und Schweigen“ in den Mittelpunkt. Sie nutzen das Stilmittel des Paradoxons, um Spannung zu erzeugen, indem Sie ‚nichtssagende Redner’ („sprachen, doch nichts sagten“) mit einem ‚das Wort führenden Schweigenden’ kombinieren. Hier klingt meines Erachtens das alte Ideal von einer dem rein Arbiträren und Zeichenhaften enthobenen Sprache ebenso an wie das bekannte Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.

Das Gedicht bewegt sich, wie schon die Überschrift vermuten lässt, vor allem im Spannungsfeld von abstrakten Begriffen: zentral ist hier die Opposition „Schweigen“ und „Reden“; aber auch „das Nichts“, als Steigerung des Schweigens. Gut gefiel mir, dass Sie diese reflexiven (und weniger ‚griffigen’) Begriffe mit einigen konkreten Bildfeldern koppeln, die es den Lesern ermöglichen, die Situation zu verorten (das Ausgangsbild „leeres Gerede von Pulten“ konnotiert etwa Redner in einem Kongresssaal oder einer Universität).

 

Veränderungsvorschläge:

Wenn Sie redundante Passagen (z. B. Wiederholung von Abstrakta) ausdünnen würden und so das Feld der abstrakten Reflexionen noch etwas komprimieren, würden Sie meiner Ansicht nach dem Gedicht insgesamt noch mehr Kontur, Griffigkeit und Dichte verleihen können.

So ließe sich anfangs das gedoppelte „schwer“ kürzen, vielleicht sogar sofort mit der Spannung erzeugenden Opposition „Himmelschwer“ und „Tiefvergrabenes“ einsteigen. Auch in der 3. Strophe könnte man eine Kürzung in Erwägung ziehen: Da das Wortfeld des Sagens im Text sowieso dominant ist, läge es hier meiner Ansicht nahe, Wiederholungen zu streichen. Ähnliches gilt für die letzte Strophe (s. u.).

Das Stilmittel der Wiederholung ist ein starkes, sollte aber meiner Ansicht nach möglichst akzentuierend, also eher sparsam gebraucht werden. So würde ich vorschlagen, in Strophe 4 das Verb „führt“ nur einmal zu verwenden und in Strophe 5 auf die Stockung des Satzes durch nachgestelltes Pronomen („Das Nichts, es“) zu verzichten. Auch die rhetorische Frage „Wo ist das Nichts“ könnten Sie in meinen Augen hier weglassen, um eine eher plaudernd-kommentierende Tonlage zu vermeiden und die Überlegungen kompakter, direkter und suggestiver zu präsentieren.

Der Vers „nicht Eines, sondern: Keines“ in Strophe 2 läuft meines Erachtens Gefahr, unscharf zu wirken – hier könnte eine Ausdünnung in meinen Augen mehr Klarheit erzeugen.

Formal fände ich es geschmeidig, wenn Sie die Zeilenanfänge klein beginnen, denn so lesen sich die Zeilenübergänge fließender. Wo Sie deutlichere Zäsuren  wünschen, könnten Sie ja – wie in der gelungenen Verszeile „Die nichts sagten. Sprachen. Ja, sprachen“ – konsequent Punkte als Satzzeichen setzen.

Der Titel könnte ohne die Präposition „vom“ etwas direkter und ‚knackiger’ wirken.

 

Vorschlag         

 

Schweigen und Nichts

 

Himmelschwer liegt

Tiefvergrabenes

im Körper. Gehäutet.

 

Leeres Gerede von Pulten.

Die nichts sagten. Sprachen. Ja, sprachen,

doch nichts sagten. Schwiegen.

Schrieben von Pulten,

schwiegen.

 

Von einer Stimme,

mit eines Stimme.

Beides und keins.

 

Dort ist Einer,

der nicht spricht, aber sagt,

der nicht redet. Schweigt.

Der führt das Wort

hinaus ins Nichts.

 

Das Läuten der Totenglocken. Das Schweigen.

Schwarzes steht auf dem Weißen.

Auf dem Nichts steht das Nichts.

Ineinsgefroren.

Zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SCHWEIGEN UND NICHTS

 

0.

Vorwort

1.01

Gemeinsames Schweigen

1.02

Gemeinsames Nichts

1.03

Schweigen und Nichts

2.01

Wer spricht wird widersprechen

2.02

Lösungskonzepte

2.03

Rede als Denkprozess

2.04

Sprechen ist eine Angelegenheit der Muskeln (Bewegung)

3.

Der Mensch verzichtet immer

3.01

Nihilismus im Schweigen der sprache

3.02

Vagheit

3.03

Dinge – Gefäße beruhigen

4.

Schweigen der Autoritäten - Implizites Wissen

5.

Verhärtet - Entfremdet

6.

Celan

6.01

Celan - Büchnerpreisrede

6.02

Celan - Bachmann

7.

Brecht - Wenn man über Bäume nicht mehr reden darf

8.

Platon Menon -Wissen

8.01

Russel / Rhyle

8.02

Heideggers - Naivität

8.03

Gadamer / Derrida  -  Fisch und Vogel spurlos

8.04

Adorno - Verstummen

 

 

Warum diese Schrift?

Begründung:

Aus folgenden Gründen sehe ich mich ernsthaft gezwungen, auch

(entgegen allen Ratschlägen) eine Deutung des Gedichtes zu liefern.

 

1.)    Das Gedicht “ Schweigen und Nichts „<wie andere,> entzieht sich einer fehlerlosen Interpretation, (oder wird ihm, da es noch nicht namhaft rezitiert wurde, seine Ernsthaftigkeit nicht zugesprochen?)

2.)    Die fehlenden Bemühungen von Wissenschaftlern sich mit Unbekanntem zu beschäftigen, mit dem Gedanken, das sie diesem Beliebigkeit unterstellen.

 (Man beschäftigt sich mit Platon und Kant und begeistert sich an der Mehrdeutigkeit ihrer Worte. - Hierbei unterstelle ich, das man sich nur ungern der Mühe unterzieht, auch bei namenlosen Texten, Unerkanntes zu entdecken.)

 

Fundamental gehe ich davon aus, das es für jeden Wissenschaftler und Experten unmöglich ist, das Genie, in und an einem Kunstwerk, sei es Bild, Plastik, Musikstück oder Gedicht zu erkennen. Noch nie wurde große Kunst bei Ihrer Entstehung entdeckt, schon ein Gegensatz.

 

 

Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann

 

Vorwort

 

Interpretation von Schweigen und Nichts:

es geht in diesem Gedicht, einzig um das Schweigen, (um das Nichts). Das Schweigende, es heißt es wird „Nichts“ gesagt, immer. Auch wenn gegenwärtig rar von Sprechen und Reden steht, so ist es doch gerade so, das Austausch be-deutungs-los ist. Es wird immer gesprochen, und immer wird nichts gesagt; „es steht geschrieben…“, doch was steht in der Schrift, was steht in dem Dunklen auf dem Toten, - NICHTS. Es steht dort das Nichts und es schweigt. Der Redner redet, der Zuhörer horcht oder er protokolliert. Der Redner spricht nicht, weil der Hörer ohnehin schon weiß oder vermerkt, weil er nicht weiß was er nicht weiß. Unverständlich also jede Rede. Die Schrift steht da, ohne den Leser, als ein Nichts. Viele Bücher in vielen Regalen, sind allesamt bedeutungsloses Nichts. Werden sie gelesen, treten sie zu den anderen Worten, verbinden sich mit dem schon Bekannten? Nein es ist keine Wissenschaft. Die Worte, die Begriffe, sind alle längst bekannt. Eine Rede oder eine Sprache wäre nur eine Erklärung, aber was sollte erklärt werden, was verstanden werden, wenn es nicht ohnehin schon gewusst wäre. Man nur selber eben keine Erklärung hätte und es nicht beschreiben könnte. Das Schweigen ist keine Reflexion, auch nicht das Reden. Reflexion ist Einbildungskraft, ist Denken. Aber weder das Reden noch die Schrift ist DENKEN. Reden ist Wissen, aber wovon wissen wir? Wir wissen was eine Rede ist, können es aber nicht erklären; aber wenn einer erklärt was eine Rede ist, was wissen wir dann? Wissen wir dann mehr was Wissen ist, was wir vorher nicht wussten? So ist es desgleichen mit einer Interpretation. Man liest bescheiden im Kaffeesatz. Man kann interpretieren welcher Kaffe und welche Tasse, aber kann man interpretieren was der Kaffeetrinker dachte, oder welche Person er war? Das ist Wahrsagen. Ist der Interpret ein Wahrsager? Wäre diese Überlegung bedeutungslos, sollte man Schweigen, es wäre Nichts. Wir reflektieren, Denken und Reflexion, wir blicken nur rückbezüglich. In diesem plötzlichen Augenblick, werden wir bereits zu Stein, wir begegnen dem Medusenhaupt. Wir schaffen etwas vollkommen Neues. Wir treten aus dem Text, stellen diesen oder uns selber auf den Kopf. Treten an die Stelle eines neuen Schöpfers und an die Stelle von Büchners Lenz, der am liebsten auf dem Kopf gehen wollte. Dies ist aber die andere Geschichte. Das Gedicht redet alleine vom Schweigen. Hier vielleicht kommt eher Wittgenstein zum Zuge: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Aber gibt es ein Ding wovon man sprechen kann? Wir hören nur das Stumme, das Stille, das Glockenläuten, das auch aus dem Gedicht hervorkommt; Heideggers Geläut der Stille? Vor allem aber ist es immer beides. Insofern also eine Reflexion, aber eine subjektive Reflexion, ohne ich, ohne du und ohne wir. Es gibt keine Antwort. Eine, oder JEDE Antwort die wir finden war bereits da und ist immer dort. Nur herausgeholt, also nicht vom Redenden, sondern vom Schweigenden, vom Stummen, vom Stein der nicht spricht. Von der Grenze, an der die Rede, der Gedanke abgegeben wird und bei seinem zurückblicken zu Stein wurde. Das Schweigen ist kommunikativ aber das Reden ist Nichts-sagend, besonders für Zuhörer. Eine Raumstation die schweigend im Raum schwebt, spricht. Spricht und schweigt. Technik ist stumm aber redend. Die große Rede, die automatische Rede, verweigert eine Antwort, ein eisiges Schweigen. Ich spreche nicht vom Gebet oder der Rede des Pfarrers und die Gemeinde schweigt. Ich spreche von beidem. Der Pfarrer schweigt indem er redet und die Gemeinde schweigt indem sie aus ihrer Andacht redet, beides. Das drückt das Gedicht aus, beides, keine Disjunktion. Eher eine Gleichzeitigkeit eines Atoms oder eines Elementarteilchens das zeitgleich selbst an verschiedenen Orten anwesend ist. Das Gedicht gleicht einer Zeitungsanzeige. Sorgfältig formuliert. Aber wo steht es? Auf welcher Seite? Wer ist sein Leser? Interessiert? Zeigt er Interesse? Er nimmt etwas wahr, etwas für wahr halten. Das Gedicht, die Berichte, sie sprechen. Der interessierte Leser sucht sein Gegenüber. Er redet mit dem Text aber es ist eine Automatische Rede. Das Problem des zum Sprechen bringen ist ein Bild das wir uns von ihm machen. Es erzeugen. Wir müssen vergleichen. Dieses Bild mit dem Unserigen vergleichen. Das können wir aber nicht übereinander bringen, noch können wir es nebeneinander bringen. Nur in Gedanken, in Reflexionen. Wir müssen beide Bilder erst beieinander bringen, kooperativ miteinander vereinigen. Schreiben, malen, fotografieren. Des Gegenüber und unser Bild. Damit werden wir vergleichen. Ohne dieses Vergleichen sagt uns das Bild oder die Sprache des Gegenübers Nichts. Wir entwickeln unsere Theorie. Auch wenn diese Theorie falsch ist, können wir sie überprüfen. Nur so lernen wir. Die unausgesprochenen Worte der Rede fallen zurück und werden zum Überlebenden Schweigen. Das Ungeschriebene, verhärtet, es wird zur Sprache. Der Gedanke führt zu einem anderen Gedanken. Ein stummer Vorgang von Reflexion. Denken ist einsam, still. Sprachen, ja, aber ihr Sprechen war kein Sprechen. Ihre Reden waren keine Reden. Sie schwiegen und es waren keine Worte; weder in ihnen, noch aus ihnen. Sie verstanden genau. Was sie verstanden, stand auf ihnen geschrieben. War ihnen eingeprägt als schweigende Inschrift. Niemandes Sprache, die Kainsprache. Trugen sie ins Feld um Furche und Furche und an den Grenzen kehrten sie den Vers : vaterländisch. Wendeten sie den Pflug, hoben die Steine. Denn es lagen Steine in den Furchen und Worte fielen aus der Erde und vom Himmel. Widerworte von Reihe zu Reihe, vaterländisch. Reden, Gespräche - reden und sprechen. Es fällt ein Gegenwort, es kommt etwas dazwischen, a priori einer Idee, selbstverständliches einer These. Kein Sein oder Nicht-Sein, eher ein Unterschied. Etwas dazwischen, was immer schon da war, es setzt sich ein Wort dazwischen. Hiermit setzt das Sprechen ein. Es spricht ein Immer-noch am Rand des Verschweigens. Es bleibt was gesprochen und beginnt eine Gründung, ein Riss. Es spricht eine Widerrede in der gleichen Rede. Spricht in einer Anderen Sache, von anderer Sache. „Von einer Stimme, mit eines Stimme Beides zusammen Nicht Eines sondern : Keines“ , so heißt es im Gedicht. Das entweder, oder, ontologisch getrennt aber doch beides zusammen, nur nicht in eines  gefasst sondern eher in nichts, niemand, keines, ein Gleiches. In der Tragödie sieht Einer die ganze Brutalität, ein Anderer sieht es als humorvolle Inszenierung, ein Dritter sieht nur das ästhetische Erlebnis. Beim Einmarsch der Truppen erlebt die Eine[1] das Entsetzliche, die ungeheuere Brutalität, das Brüllen, Singen und Marschieren in Todesangst erlebt; während ein Anderer die Begeisterung, den Jubel und das Fest empfindet, ein Dritter bleibt gänzlich unbeteiligt. Die persönliche Erfahrung jedes Einzelnen schließt das Ereignis aus. Es bleibt die Distanz. Das Direkte ist poetologisch unverständlich. Wer es aber Direkt will, kann es so oder so sehen oder aber Verschweigen, Verstummen. Ein gemeinschaftlicher Diskurs einer Sprache zum Erlebten ist unüberbrückbar. Der Diskurs aus einem Reden und Sprechen ist in einer unüberbrückbaren Mitteilung zum Ereignis, das Ereignis ist isoliert und alleine. Es ist Vergangenheit und Stille, es schweigt. Die Daten des Ereignisses stehen auf seinem Denkmal eingemeißelt. Es bleibt aber weiter diese unüberbrückbare Distanz zum Besonderen, zur Erfahrung. Immer sind es zwei Sonderfälle, die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft und das Erlebte. In einer ständigen Widergeburt wird das Gemachte, das Schöne gezeugt. Das Jungfräuliche wird unsterblich, das selbst als Tod geborene erscheint fort als der unsterbliche, der lautlose Tod, das schweigende Nichts. Die Wahrheit des Handelns in der Kunst und der Einsicht bestimmt nicht über ja und nein sondern um gut und böse. Ich habe mich dazu entschieden der Rede eines bekannten Autoren zuzuhören, weil mich das Thema brennend interessiert. Als denkender Mensch aber gehe ich nicht unvoreingenommen in den Saal und beginne sofort zu Beginn der Rede des Autors mit meinen Überlegungen. Subjektiv liegt es also nicht am Redner, mir sein Wissen zu demonstrieren, sondern an meinem Wollen. Ich bin es, der sich dem Einfluss des Redners nicht preisgeben will. Sprache ist eine Regel, folgt einer Regel und jede Regel ist Kunststück meiner praktischen Vernunft. Zum Kreatürlichen von Regeln gehört, das sie mit anderen Regeln verschmelzen. Der Redner redet keine Rede, er mag vielleicht mit seinen Gedanken irgend sonst wo sein während er redet. Warum sollte er diese Möglichkeit seinem Zuhörer nicht zugestehen. Es ist als besteige er einen Berg und ich folge ihm. Sein Gedanke mag sich bereits auf dem Gipfel befinden, während mein Gedanke noch weit unten im Tal sich befindet. Wir sind nicht auf gleicher Höhe und können es auch niemals sein. Der Redner selbst wird es wohl niemals erreichen mit sich selbst auf gleicher Höhe zu sein.

 

 

 

1.01) Gemeinsames Schweigen

 

 

 

1.02) Gemeinsames Nichts

 

 

 

 

1.03)  Schweigen und Nichts

 

Schweigen ist ein kommunikativer Akt. Als kommunikativer Akt setzt es eine Aktion voraus. Ein Anreden als symbolische Handlung. Es frag in der Sprache um die Zeit eine Aufklärung zu bedenken. Zum weiteren kündigt das Schweigen ein Ende des Dialogs. Wer zuhört schweigt und wer redet verschweigt. Das Schweigen macht den Weg frei zum Nachdenken. Schweigen folgt dem Verstummen. Nachdenken und Konzentration provozieren Schweigen. Wieder das Vergessen wird ein Sprechen gefordert. Dieses Sprechen beginnt mit einer „Schweigeminute“.

 

 

2. ) Lösungskonzepte

 

 

2.1) Wer spricht wird widersprechen

 

Wer so handelt scheint alles zu wissen. Kann die Dinge nachbilden, Ebenbilder schaffen oder Trugbilder.

Das Schweigen aber ist „ etwas“ über das man wieder Reden kann, dem man etwas zusprechen kann.

Hat man das Schweigen zum Gegenstand, dann redet man, spricht dem Schweigen eine Existenz zu.

Die Erkenntnis, das Fortfahren vom Logos zu Logos entsteht in der Wende, der Kehre, im Erfahren der Grenzsituation, im Randzonenparadox des verschwiegenen Erfahrungsraumes. Das Aussprechbare will gesucht und gewonnen sein.

Im Atemlosen verhärtet das Schweigen zur Sprache.

Mit dem Schweigen beginnt die Sprache als Denken und Schreiben.

In dieser Lücke, Pause, Leerstelle. Alles geschriebene, jedes Wort, jede Silbe, jeder Satz ist an dieser stelle Nutzlos.

Hölderlin spricht hier vom Menschen als Zeichen, nicht als Hörer oder Leser. „ Ein Zeichen sind wir, deutungslos“ Wir sind die Setzer von Zeichen, deutungslos!

 

 

3.01) Rede als Denkprozess

Eine Rede ist nicht eine Rede nur weil sie laut geredet wurde. So wie die laute Sprache nicht selbst laut oder leise ist, da zur Sprache nicht laut oder leise passt. Zum Schweigen gehört ebenso nicht „Stille“ oder „Nicht Reden“. Die Rede selber ist ein Denkprozess und damit unsichtbar und unhörbar. Wie können wir also einen Redner, der sichtbar und hörbar spricht, wie können wir uns seinen Denkprozess vorführen? Eine Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann.

 

 

 

3.02) Sprechen ist eine Angelegenheit der Muskeln 

 

Handeln ist eine Angelegenheit der Muskeln (Bewegung). Die Funktion des Geistes ist ihrem Wesen nach eine schweigende, innerliche Operation. Der Geist wäre ein Ort geheimster Gedanken. Dem Sprechenden gegenüber muss man sich selber bewusst sein, man muss etwas kennen. Nur so kann es zu einer Bekanntschaft einem Kennen kommen, einem bekannt sein als einem Verstehen können. Wir nehmen Bezug auf seine Rede vom Datum her. Eine Bezugnahme von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von einem Hier und einem dort.

 

 

3.) Der Mensch verzichtet immer

 

 

 

 

3.01)  Nihilismus im Schweigen der Sprache

 

Das Schweigen der Sprache ist keine Schwarzmalerei, keine Schrift auf weißem Grund. Auch trägt das Schweigen nicht den Hauch einer Verneinung oder einer Anarchie.  Das Schweigen des Menschen ist ohne Sprache, kommt als Mitläufer. Unentdeckt (laut Internet Guru Geert Lovink, Buch Zero Comments) verstauben im Internet Blogs ohne Leser. Keiner braucht sie, keiner liest sie, keiner zitiert sie, keiner kommentiert sie. Laut Lovink ein neuer digitaler Nihilismus: die frühen alten Menschen, die sich nichts zu sagen haben, zuzusprechen war. Die Null, die in der Software aufscheint – „kein Verkehr, niemand da gewesen“, das Nihil von Nihilismus – ist die Regel, nicht die Ausnahme. Man schreibt, aber man liest nicht mehr. Man schreibt blogs: global, aber keiner liest die blogs der Anderen. Man schreibt Lyrik ohne Ende, aber keiner kauft Lyrik. Man redet und keiner hört zu – sie kennen das!

 

 

 

 

 

 

6.) Celan

 

Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.

Manfred H. Freude

 

1.       Ist dieser Satz Erklärung, Interpretation zu meinem Gedicht „Schweigen und Nichts“ und erklärt dieses Gedicht diesen Satz?

2.       Die Beziehung des Impliziten und des Expliziten. Das Eine kann ohne das Andere nicht gedacht oder ausgesprochen werden.

 

Die Sprache Celans verschweigt von Unaussprechlichem und redet damit. Das äußerste Schweigen wird zur Sprache des Stummen, dessen, der nichts sagen kann, weil ihm die Sprache versagt; wie dem Toten, dem Staub, dem Stern. Der Rede wird ihre Sprache genommen. Alles an Haut und Gedärm wird entfernt und es bleibt nur noch der Knochen. Die ausgegrabenen Knochen der frühesten Menschen beginnen zu reden. Im entkernten Text wird das Entsetzliche des Verstummten, des Unausgesprochenen, sichtbar. Wir begreifen was der Redner nicht sagte, ja was er nicht wusste. Nach Celan geht das Kreatürliche des Sprechenden, oder der Sprechende geht kreatürlich mit seinem Dasein zur Sprache. Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.

 

 

5.) Celan Bachmann

 

 

 

 

3.) Celan – Büchnerpreisrede

 

 

 

 

6) Brecht –

Wenn man über Bäume nicht mehr reden darf

 

 

 

 

7. ) Schweigen der Autoritäten - Implizites Wissen

 

 

 

 

 

8.) Platon Menon - Wissen

 

Was wir zu Hause gelernt haben, das wissen wir. Was wollen wir also in der Rede wissen? Das, was wir bereits wissen? Was wir nicht wissen, das können wir nicht wissen, können also nicht Wissen, auch wenn wir wüssten das wir nicht Wissen. Wir nähern uns einer Spur. Fische und Vögel ziehen keine Spur. Doch beobachten wir, wohin sie geflogen oder geschwommen sind, wo sie herkamen und wo sie auf ihrer Reise waren. Anhand dieser Punkte bringen wir, in das Dunkel des Dickichts, Licht. Wir entfernen das Gestrüpp und der Blick wird immer freier und lichter. Redet Einer, so stelle er seine Meinung gegenüber. Ich passe meine Meinung seiner an, entweder unter dem Aspekt wahr oder falsch. Dieses Wahr und Falsch ist die Rede, ist ein „Sprechen“. Die Sprache aber (so steht im Menon[2] ) ist eine ständige Widergeburt. Eine Selbstreflexion zwischen lieben und sterben. Die Sprache ist das Kreatürliche, das menschliche Schicksal. Eine Rede der Seherin/des Priesters ist Tod und Erlösung; etwas medusenhaftgleiches, - man hört die Rede und sieht zurück und blickt versteinert in das Medusenhaupt.

Im Sophistes [3] „der Fremde“ kann reden, er will reden, er will lehren, er will ein dialogisches Lehrgespräch führen (mit seinem Schüler?); aber er ist grundsätzlich zu einer „monologischen Vorlesung“ bereit - niederschreiben? abgeben? herausgeben? Denken und Sprache sind existent, kreatürlich, (Kreation). Das Schreiben ist hier ein Schweigen.  Der göttliche, „gar philosophische“ Mann hat „gelehrt“, er hat „etwas herausgekriegt“ was er herausgefunden , was er gefunden hat, das muss er an einer Grenzmarke abgeben, (Laotse und der Zöllner) als eine Ermahnung, als ein geschriebenes Schweigen. Die Bekehrung bleibt diesem ungeachtet im Haus. Sie wird von der Lehrmeinung zum Wissen. Das Schweigen lässt sich differenzieren, unterteilen. „ [4]dadurch wird das bestehende, implizite Vorwissen des kompetenten Sprachbenutzers ( im Sinne eines knowing how ) sprachlich explizit gemacht (im Sinne eines knowing that). Das Wissen lässt sich aus dem Schweigen heraus ordnen, datieren, zuordnen. Das grenzhafte Schweigen als ein Randzonen Paradox.

„Denken und Rede sind dasselbe. Nur dass das innere Gespräch der Seele mit sich selbst, das was ohne Stimme vor sich geht, Denken genannt wird.“[5]

 

 

12.) Dinge – Gefäße beruhigen

 

Das Schweigen jeder Rede liegt in ihrer Erfahrung. Das Greifbare der Dinge, das in einer Rede enthalten und herauszuziehen ist, liegt weit zurück und ist nur in einer Zukunft herauszureißen. Je höher eine Rede fliegt, je mehr begeht sie eine unwirkliche, lebensfeindliche Zone. Nicht ihre Worte, noch ihr Atem, ihr Herzklopfen oder die Geräusche des Blutes sind vernehmbar. (Das Schweigen des Lemma) Ruhe ist über allen Wipfeln. Wir bewegen uns oberhalb der Baumgrenzen. Die Rede verdeckt wie ein Schleier das Schweigen im Behältnis der Rede. Die Rede gleicht einer Vase, einer Truhe, einem Telefonbuch. Wie das Rad für die Nabe da ist; die Vase oder Truhe, oder das Telefonbuch sind nur das hohle, die Leere, der Raum; das Innen berechnet. Die Gefäße beruhigen die Dinge.

 

 

 

13.) Adorno - Verstummen

 

Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst.

„Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst“. So etwa drückt Adorno in seiner Ästhetischen Theorie sich aus. Ist nicht in allem noch im kleinsten Stäubchen die Spur der gegenständlichen Welt eingeschrieben? Kunst spricht immer, jederzeit spricht das Bild, das Objekt im öffentlichen Raum, schreit hinaus. Auch wenn niemand da ist und schweigt, sobald keiner da ist oder keiner hinhört; wie ein Baum im Wald der umfällt wo nie ein Ohr ist, wird keiner einen Ton hören. Das Gedicht „Der Teppich“ von Stefan George [6] das symbolisch durch betrachtende Versenkung „der immanente Prozesscharakter des Gebildes„ sich entbindet. Hier heißt es: „indem es spricht, wird es zu einem in sich Bewegten“.  Der Redner, der seine Rede spricht, bringt die Bewegung. Es benötigt einen Willen. Die Materie, das ausgesprochene Ding, bewegt sich im Raum. Wenn der Redner ein Glas Wasser auf sein Rednerpult stellt, wird sich das Wasser nach einiger Zeit im Raum verteilen und das Glas ist leer. Alle Dinge, auch die Rede, werden eins im Raum. Zwischen dem Material, dem Ding, dem Körper, bedarf es einer Brücke; die es aber nicht gibt. Der Redner ist keine Brücke für die Sprache. Die Sprache folgt einer Regel. Diese Regel ist vorbestimmt. Ein geübter Zuhörer kann nachvollziehen, dass diese Rede so erfolgen musste und nicht anders. Eine Interpretation, eine Auslegung reicht nur dann an ein Gedicht heran, wenn man die Beziehung seiner Elemente begreift; nicht durch Zerstückelung oder Zerlegen auf seine oder die Ursprünge des Dichters oder der Aufführung. Ein völliges Verstummen einer Rede ist ihr Zerfall der vorher oder sehr viel später erfolgt. Es kommt schließlich auf die Bewegtheit der Rede und Sprache an.

 

 



[1] Ingeborg Bachmann beim Einmarsch der Truppen in Klagenfurt

[2] Platon, Menon (übers. V. M. Kranz Stuttgart 1994 80c -81a-e

[3] Vgl. Das Paradigma des Alphabets, Jürgen Villers, 8. Kapitel  8.2.3

[4] Dito, Villers Das Paradigma des Alphabets

[5] Platon (427-347), griech. Philosoph

 

[6] Stefan George, Werke Bd. I, S. 190

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schweigen und Nichts

von Manfred H. Freude

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gedicht

Vom Schweigen und Nichts

von Manfred H. Freude, anschließend ein zweites

mit einer folgenden Interpretation (Auslegung):

 

Vom Schweigen und Nichts

 

Ineinsgefroren liegt himmelschwer

Tiefschwervergrabenes. Im Körper

Gehäutet

 

Leeres Gerede von Pulten

Die NICHTS sagten. Sprachen. Ja, sprachen

Doch NICHTS sagten. Schwiegen

Schrieben von den Pulten –

Schwiegen

 

Von einer Stimme, mit eines Stimme

Beides zusammen

Nicht Eines sondern : Keines

 

Was redet, aber nicht spricht

Nichts sagt aber schweigt

Denn dort ist Einer

Der nicht redet aber schweigt

Der führt das Wort

Führt es hinaus ins Nichts

 

Doch wo steht das Nichts?

Das Nichts, es steht auf dem Nichts

Das Schwarze, es steht auf dem Weißen

Das Schweigt : Das Schweigen

Das Leichenläuten der Totenglocke

(Auf dem Nichts steht das Nichts)

Ineinsgefroren

Beides zusammen

 

 

© 2008    MANFRED H. FREUDE    Aachen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„VOM SCHWEIGEN UND NICHTS“

 

Dieses längere freirhythmische Gedicht rückt die Reflexion um die beiden Pole „Reden und Schweigen“ in den Mittelpunkt. Sie nutzen das Stilmittel des Paradoxons, um Spannung zu erzeugen, indem Sie ‚nichtssagende Redner’ („sprachen, doch nichts sagten“) mit einem ‚das Wort führenden Schweigenden’ kombinieren. Hier klingt meines Erachtens das alte Ideal von einer dem rein Arbiträren und Zeichenhaften enthobenen Sprache ebenso an wie das bekannte Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.

Das Gedicht bewegt sich, wie schon die Überschrift vermuten lässt, vor allem im Spannungsfeld von abstrakten Begriffen: zentral ist hier die Opposition „Schweigen“ und „Reden“; aber auch „das Nichts“, als Steigerung des Schweigens. Gut gefiel mir, dass Sie diese reflexiven (und weniger ‚griffigen’) Begriffe mit einigen konkreten Bildfeldern koppeln, die es den Lesern ermöglichen, die Situation zu verorten (das Ausgangsbild „leeres Gerede von Pulten“ konnotiert etwa Redner in einem Kongresssaal oder einer Universität).

 

Veränderungsvorschläge:

Wenn Sie redundante Passagen (z. B. Wiederholung von Abstrakta) ausdünnen würden und so das Feld der abstrakten Reflexionen noch etwas komprimieren, würden Sie meiner Ansicht nach dem Gedicht insgesamt noch mehr Kontur, Griffigkeit und Dichte verleihen können.

So ließe sich anfangs das gedoppelte „schwer“ kürzen, vielleicht sogar sofort mit der Spannung erzeugenden Opposition „Himmelschwer“ und „Tiefvergrabenes“ einsteigen. Auch in der 3. Strophe könnte man eine Kürzung in Erwägung ziehen: Da das Wortfeld des Sagens im Text sowieso dominant ist, läge es hier meiner Ansicht nahe, Wiederholungen zu streichen. Ähnliches gilt für die letzte Strophe (s. u.).

Das Stilmittel der Wiederholung ist ein starkes, sollte aber meiner Ansicht nach möglichst akzentuierend, also eher sparsam gebraucht werden. So würde ich vorschlagen, in Strophe 4 das Verb „führt“ nur einmal zu verwenden und in Strophe 5 auf die Stockung des Satzes durch nachgestelltes Pronomen („Das Nichts, es“) zu verzichten. Auch die rhetorische Frage „Wo ist das Nichts“ könnten Sie in meinen Augen hier weglassen, um eine eher plaudernd-kommentierende Tonlage zu vermeiden und die Überlegungen kompakter, direkter und suggestiver zu präsentieren.

Der Vers „nicht Eines, sondern: Keines“ in Strophe 2 läuft meines Erachtens Gefahr, unscharf zu wirken – hier könnte eine Ausdünnung in meinen Augen mehr Klarheit erzeugen.

Formal fände ich es geschmeidig, wenn Sie die Zeilenanfänge klein beginnen, denn so lesen sich die Zeilenübergänge fließender. Wo Sie deutlichere Zäsuren  wünschen, könnten Sie ja – wie in der gelungenen Verszeile „Die nichts sagten. Sprachen. Ja, sprachen“ – konsequent Punkte als Satzzeichen setzen.

Der Titel könnte ohne die Präposition „vom“ etwas direkter und ‚knackiger’ wirken.

 

Vorschlag         

 

Schweigen und Nichts

 

Himmelschwer liegt

Tiefvergrabenes

im Körper. Gehäutet.

 

Leeres Gerede von Pulten.

Die nichts sagten. Sprachen. Ja, sprachen,

doch nichts sagten. Schwiegen.

Schrieben von Pulten,

schwiegen.

 

Von einer Stimme,

mit eines Stimme.

Beides und keins.

 

Dort ist Einer,

der nicht spricht, aber sagt,

der nicht redet. Schweigt.

Der führt das Wort

hinaus ins Nichts.

 

Das Läuten der Totenglocken. Das Schweigen.

Schwarzes steht auf dem Weißen.

Auf dem Nichts steht das Nichts.

Ineinsgefroren.

Zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SCHWEIGEN UND NICHTS

 

0.

Vorwort

1.01

Gemeinsames Schweigen

1.02

Gemeinsames Nichts

1.03

Schweigen und Nichts

2.01

Wer spricht wird widersprechen

2.02

Lösungskonzepte

2.03

Rede als Denkprozess

2.04

Sprechen ist eine Angelegenheit der Muskeln (Bewegung)

3.

Der Mensch verzichtet immer

3.01

Nihilismus im Schweigen der sprache

3.02

Vagheit

3.03

Dinge – Gefäße beruhigen

4.

Schweigen der Autoritäten - Implizites Wissen

5.

Verhärtet - Entfremdet

6.

Celan

6.01

Celan - Büchnerpreisrede

6.02

Celan - Bachmann

7.

Brecht - Wenn man über Bäume nicht mehr reden darf

8.

Platon Menon -Wissen

8.01

Russel / Rhyle

8.02

Heideggers - Naivität

8.03

Gadamer / Derrida  -  Fisch und Vogel spurlos

8.04

Adorno - Verstummen

 

 

Warum diese Schrift?

Begründung:

Aus folgenden Gründen sehe ich mich ernsthaft gezwungen, auch

(entgegen allen Ratschlägen) eine Deutung des Gedichtes zu liefern.

 

1.)    Das Gedicht “ Schweigen und Nichts „<wie andere,> entzieht sich einer fehlerlosen Interpretation, (oder wird ihm, da es noch nicht namhaft rezitiert wurde, seine Ernsthaftigkeit nicht zugesprochen?)

2.)    Die fehlenden Bemühungen von Wissenschaftlern sich mit Unbekanntem zu beschäftigen, mit dem Gedanken, das sie diesem Beliebigkeit unterstellen.

 (Man beschäftigt sich mit Platon und Kant und begeistert sich an der Mehrdeutigkeit ihrer Worte. - Hierbei unterstelle ich, das man sich nur ungern der Mühe unterzieht, auch bei namenlosen Texten, Unerkanntes zu entdecken.)

 

Fundamental gehe ich davon aus, das es für jeden Wissenschaftler und Experten unmöglich ist, das Genie, in und an einem Kunstwerk, sei es Bild, Plastik, Musikstück oder Gedicht zu erkennen. Noch nie wurde große Kunst bei Ihrer Entstehung entdeckt, schon ein Gegensatz.

 

 

Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann

 

Vorwort

 

Interpretation von Schweigen und Nichts:

es geht in diesem Gedicht, einzig um das Schweigen, (um das Nichts). Das Schweigende, es heißt es wird „Nichts“ gesagt, immer. Auch wenn gegenwärtig rar von Sprechen und Reden steht, so ist es doch gerade so, das Austausch be-deutungs-los ist. Es wird immer gesprochen, und immer wird nichts gesagt; „es steht geschrieben…“, doch was steht in der Schrift, was steht in dem Dunklen auf dem Toten, - NICHTS. Es steht dort das Nichts und es schweigt. Der Redner redet, der Zuhörer horcht oder er protokolliert. Der Redner spricht nicht, weil der Hörer ohnehin schon weiß oder vermerkt, weil er nicht weiß was er nicht weiß. Unverständlich also jede Rede. Die Schrift steht da, ohne den Leser, als ein Nichts. Viele Bücher in vielen Regalen, sind allesamt bedeutungsloses Nichts. Werden sie gelesen, treten sie zu den anderen Worten, verbinden sich mit dem schon Bekannten? Nein es ist keine Wissenschaft. Die Worte, die Begriffe, sind alle längst bekannt. Eine Rede oder eine Sprache wäre nur eine Erklärung, aber was sollte erklärt werden, was verstanden werden, wenn es nicht ohnehin schon gewusst wäre. Man nur selber eben keine Erklärung hätte und es nicht beschreiben könnte. Das Schweigen ist keine Reflexion, auch nicht das Reden. Reflexion ist Einbildungskraft, ist Denken. Aber weder das Reden noch die Schrift ist DENKEN. Reden ist Wissen, aber wovon wissen wir? Wir wissen was eine Rede ist, können es aber nicht erklären; aber wenn einer erklärt was eine Rede ist, was wissen wir dann? Wissen wir dann mehr was Wissen ist, was wir vorher nicht wussten? So ist es desgleichen mit einer Interpretation. Man liest bescheiden im Kaffeesatz. Man kann interpretieren welcher Kaffe und welche Tasse, aber kann man interpretieren was der Kaffeetrinker dachte, oder welche Person er war? Das ist Wahrsagen. Ist der Interpret ein Wahrsager? Wäre diese Überlegung bedeutungslos, sollte man Schweigen, es wäre Nichts. Wir reflektieren, Denken und Reflexion, wir blicken nur rückbezüglich. In diesem plötzlichen Augenblick, werden wir bereits zu Stein, wir begegnen dem Medusenhaupt. Wir schaffen etwas vollkommen Neues. Wir treten aus dem Text, stellen diesen oder uns selber auf den Kopf. Treten an die Stelle eines neuen Schöpfers und an die Stelle von Büchners Lenz, der am liebsten auf dem Kopf gehen wollte. Dies ist aber die andere Geschichte. Das Gedicht redet alleine vom Schweigen. Hier vielleicht kommt eher Wittgenstein zum Zuge: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Aber gibt es ein Ding wovon man sprechen kann? Wir hören nur das Stumme, das Stille, das Glockenläuten, das auch aus dem Gedicht hervorkommt; Heideggers Geläut der Stille? Vor allem aber ist es immer beides. Insofern also eine Reflexion, aber eine subjektive Reflexion, ohne ich, ohne du und ohne wir. Es gibt keine Antwort. Eine, oder JEDE Antwort die wir finden war bereits da und ist immer dort. Nur herausgeholt, also nicht vom Redenden, sondern vom Schweigenden, vom Stummen, vom Stein der nicht spricht. Von der Grenze, an der die Rede, der Gedanke abgegeben wird und bei seinem zurückblicken zu Stein wurde. Das Schweigen ist kommunikativ aber das Reden ist Nichts-sagend, besonders für Zuhörer. Eine Raumstation die schweigend im Raum schwebt, spricht. Spricht und schweigt. Technik ist stumm aber redend. Die große Rede, die automatische Rede, verweigert eine Antwort, ein eisiges Schweigen. Ich spreche nicht vom Gebet oder der Rede des Pfarrers und die Gemeinde schweigt. Ich spreche von beidem. Der Pfarrer schweigt indem er redet und die Gemeinde schweigt indem sie aus ihrer Andacht redet, beides. Das drückt das Gedicht aus, beides, keine Disjunktion. Eher eine Gleichzeitigkeit eines Atoms oder eines Elementarteilchens das zeitgleich selbst an verschiedenen Orten anwesend ist. Das Gedicht gleicht einer Zeitungsanzeige. Sorgfältig formuliert. Aber wo steht es? Auf welcher Seite? Wer ist sein Leser? Interessiert? Zeigt er Interesse? Er nimmt etwas wahr, etwas für wahr halten. Das Gedicht, die Berichte, sie sprechen. Der interessierte Leser sucht sein Gegenüber. Er redet mit dem Text aber es ist eine Automatische Rede. Das Problem des zum Sprechen bringen ist ein Bild das wir uns von ihm machen. Es erzeugen. Wir müssen vergleichen. Dieses Bild mit dem Unserigen vergleichen. Das können wir aber nicht übereinander bringen, noch können wir es nebeneinander bringen. Nur in Gedanken, in Reflexionen. Wir müssen beide Bilder erst beieinander bringen, kooperativ miteinander vereinigen. Schreiben, malen, fotografieren. Des Gegenüber und unser Bild. Damit werden wir vergleichen. Ohne dieses Vergleichen sagt uns das Bild oder die Sprache des Gegenübers Nichts. Wir entwickeln unsere Theorie. Auch wenn diese Theorie falsch ist, können wir sie überprüfen. Nur so lernen wir. Die unausgesprochenen Worte der Rede fallen zurück und werden zum Überlebenden Schweigen. Das Ungeschriebene, verhärtet, es wird zur Sprache. Der Gedanke führt zu einem anderen Gedanken. Ein stummer Vorgang von Reflexion. Denken ist einsam, still. Sprachen, ja, aber ihr Sprechen war kein Sprechen. Ihre Reden waren keine Reden. Sie schwiegen und es waren keine Worte; weder in ihnen, noch aus ihnen. Sie verstanden genau. Was sie verstanden, stand auf ihnen geschrieben. War ihnen eingeprägt als schweigende Inschrift. Niemandes Sprache, die Kainsprache. Trugen sie ins Feld um Furche und Furche und an den Grenzen kehrten sie den Vers : vaterländisch. Wendeten sie den Pflug, hoben die Steine. Denn es lagen Steine in den Furchen und Worte fielen aus der Erde und vom Himmel. Widerworte von Reihe zu Reihe, vaterländisch. Reden, Gespräche - reden und sprechen. Es fällt ein Gegenwort, es kommt etwas dazwischen, a priori einer Idee, selbstverständliches einer These. Kein Sein oder Nicht-Sein, eher ein Unterschied. Etwas dazwischen, was immer schon da war, es setzt sich ein Wort dazwischen. Hiermit setzt das Sprechen ein. Es spricht ein Immer-noch am Rand des Verschweigens. Es bleibt was gesprochen und beginnt eine Gründung, ein Riss. Es spricht eine Widerrede in der gleichen Rede. Spricht in einer Anderen Sache, von anderer Sache. „Von einer Stimme, mit eines Stimme Beides zusammen Nicht Eines sondern : Keines“ , so heißt es im Gedicht. Das entweder, oder, ontologisch getrennt aber doch beides zusammen, nur nicht in eines  gefasst sondern eher in nichts, niemand, keines, ein Gleiches. In der Tragödie sieht Einer die ganze Brutalität, ein Anderer sieht es als humorvolle Inszenierung, ein Dritter sieht nur das ästhetische Erlebnis. Beim Einmarsch der Truppen erlebt die Eine[1] das Entsetzliche, die ungeheuere Brutalität, das Brüllen, Singen und Marschieren in Todesangst erlebt; während ein Anderer die Begeisterung, den Jubel und das Fest empfindet, ein Dritter bleibt gänzlich unbeteiligt. Die persönliche Erfahrung jedes Einzelnen schließt das Ereignis aus. Es bleibt die Distanz. Das Direkte ist poetologisch unverständlich. Wer es aber Direkt will, kann es so oder so sehen oder aber Verschweigen, Verstummen. Ein gemeinschaftlicher Diskurs einer Sprache zum Erlebten ist unüberbrückbar. Der Diskurs aus einem Reden und Sprechen ist in einer unüberbrückbaren Mitteilung zum Ereignis, das Ereignis ist isoliert und alleine. Es ist Vergangenheit und Stille, es schweigt. Die Daten des Ereignisses stehen auf seinem Denkmal eingemeißelt. Es bleibt aber weiter diese unüberbrückbare Distanz zum Besonderen, zur Erfahrung. Immer sind es zwei Sonderfälle, die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft und das Erlebte. In einer ständigen Widergeburt wird das Gemachte, das Schöne gezeugt. Das Jungfräuliche wird unsterblich, das selbst als Tod geborene erscheint fort als der unsterbliche, der lautlose Tod, das schweigende Nichts. Die Wahrheit des Handelns in der Kunst und der Einsicht bestimmt nicht über ja und nein sondern um gut und böse. Ich habe mich dazu entschieden der Rede eines bekannten Autoren zuzuhören, weil mich das Thema brennend interessiert. Als denkender Mensch aber gehe ich nicht unvoreingenommen in den Saal und beginne sofort zu Beginn der Rede des Autors mit meinen Überlegungen. Subjektiv liegt es also nicht am Redner, mir sein Wissen zu demonstrieren, sondern an meinem Wollen. Ich bin es, der sich dem Einfluss des Redners nicht preisgeben will. Sprache ist eine Regel, folgt einer Regel und jede Regel ist Kunststück meiner praktischen Vernunft. Zum Kreatürlichen von Regeln gehört, das sie mit anderen Regeln verschmelzen. Der Redner redet keine Rede, er mag vielleicht mit seinen Gedanken irgend sonst wo sein während er redet. Warum sollte er diese Möglichkeit seinem Zuhörer nicht zugestehen. Es ist als besteige er einen Berg und ich folge ihm. Sein Gedanke mag sich bereits auf dem Gipfel befinden, während mein Gedanke noch weit unten im Tal sich befindet. Wir sind nicht auf gleicher Höhe und können es auch niemals sein. Der Redner selbst wird es wohl niemals erreichen mit sich selbst auf gleicher Höhe zu sein.

 

 

 

1.01) Gemeinsames Schweigen

 

 

 

1.02) Gemeinsames Nichts

 

 

 

 

1.03)  Schweigen und Nichts

 

Schweigen ist ein kommunikativer Akt. Als kommunikativer Akt setzt es eine Aktion voraus. Ein Anreden als symbolische Handlung. Es frag in der Sprache um die Zeit eine Aufklärung zu bedenken. Zum weiteren kündigt das Schweigen ein Ende des Dialogs. Wer zuhört schweigt und wer redet verschweigt. Das Schweigen macht den Weg frei zum Nachdenken. Schweigen folgt dem Verstummen. Nachdenken und Konzentration provozieren Schweigen. Wieder das Vergessen wird ein Sprechen gefordert. Dieses Sprechen beginnt mit einer „Schweigeminute“.

 

 

2. ) Lösungskonzepte

 

 

2.1) Wer spricht wird widersprechen

 

Wer so handelt scheint alles zu wissen. Kann die Dinge nachbilden, Ebenbilder schaffen oder Trugbilder.

Das Schweigen aber ist „ etwas“ über das man wieder Reden kann, dem man etwas zusprechen kann.

Hat man das Schweigen zum Gegenstand, dann redet man, spricht dem Schweigen eine Existenz zu.

Die Erkenntnis, das Fortfahren vom Logos zu Logos entsteht in der Wende, der Kehre, im Erfahren der Grenzsituation, im Randzonenparadox des verschwiegenen Erfahrungsraumes. Das Aussprechbare will gesucht und gewonnen sein.

Im Atemlosen verhärtet das Schweigen zur Sprache.

Mit dem Schweigen beginnt die Sprache als Denken und Schreiben.

In dieser Lücke, Pause, Leerstelle. Alles geschriebene, jedes Wort, jede Silbe, jeder Satz ist an dieser stelle Nutzlos.

Hölderlin spricht hier vom Menschen als Zeichen, nicht als Hörer oder Leser. „ Ein Zeichen sind wir, deutungslos“ Wir sind die Setzer von Zeichen, deutungslos!

 

 

3.01) Rede als Denkprozess

Eine Rede ist nicht eine Rede nur weil sie laut geredet wurde. So wie die laute Sprache nicht selbst laut oder leise ist, da zur Sprache nicht laut oder leise passt. Zum Schweigen gehört ebenso nicht „Stille“ oder „Nicht Reden“. Die Rede selber ist ein Denkprozess und damit unsichtbar und unhörbar. Wie können wir also einen Redner, der sichtbar und hörbar spricht, wie können wir uns seinen Denkprozess vorführen? Eine Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann.

 

 

 

3.02) Sprechen ist eine Angelegenheit der Muskeln 

 

Handeln ist eine Angelegenheit der Muskeln (Bewegung). Die Funktion des Geistes ist ihrem Wesen nach eine schweigende, innerliche Operation. Der Geist wäre ein Ort geheimster Gedanken. Dem Sprechenden gegenüber muss man sich selber bewusst sein, man muss etwas kennen. Nur so kann es zu einer Bekanntschaft einem Kennen kommen, einem bekannt sein als einem Verstehen können. Wir nehmen Bezug auf seine Rede vom Datum her. Eine Bezugnahme von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von einem Hier und einem dort.

 

 

3.) Der Mensch verzichtet immer

 

 

 

 

3.01)  Nihilismus im Schweigen der Sprache

 

Das Schweigen der Sprache ist keine Schwarzmalerei, keine Schrift auf weißem Grund. Auch trägt das Schweigen nicht den Hauch einer Verneinung oder einer Anarchie.  Das Schweigen des Menschen ist ohne Sprache, kommt als Mitläufer. Unentdeckt (laut Internet Guru Geert Lovink, Buch Zero Comments) verstauben im Internet Blogs ohne Leser. Keiner braucht sie, keiner liest sie, keiner zitiert sie, keiner kommentiert sie. Laut Lovink ein neuer digitaler Nihilismus: die frühen alten Menschen, die sich nichts zu sagen haben, zuzusprechen war. Die Null, die in der Software aufscheint – „kein Verkehr, niemand da gewesen“, das Nihil von Nihilismus – ist die Regel, nicht die Ausnahme. Man schreibt, aber man liest nicht mehr. Man schreibt blogs: global, aber keiner liest die blogs der Anderen. Man schreibt Lyrik ohne Ende, aber keiner kauft Lyrik. Man redet und keiner hört zu – sie kennen das!

 

 

 

 

 

 

6.) Celan

 

Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.

Manfred H. Freude

 

1.       Ist dieser Satz Erklärung, Interpretation zu meinem Gedicht „Schweigen und Nichts“ und erklärt dieses Gedicht diesen Satz?

2.       Die Beziehung des Impliziten und des Expliziten. Das Eine kann ohne das Andere nicht gedacht oder ausgesprochen werden.

 

Die Sprache Celans verschweigt von Unaussprechlichem und redet damit. Das äußerste Schweigen wird zur Sprache des Stummen, dessen, der nichts sagen kann, weil ihm die Sprache versagt; wie dem Toten, dem Staub, dem Stern. Der Rede wird ihre Sprache genommen. Alles an Haut und Gedärm wird entfernt und es bleibt nur noch der Knochen. Die ausgegrabenen Knochen der frühesten Menschen beginnen zu reden. Im entkernten Text wird das Entsetzliche des Verstummten, des Unausgesprochenen, sichtbar. Wir begreifen was der Redner nicht sagte, ja was er nicht wusste. Nach Celan geht das Kreatürliche des Sprechenden, oder der Sprechende geht kreatürlich mit seinem Dasein zur Sprache. Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.

 

 

5.) Celan Bachmann

 

 

 

 

3.) Celan – Büchnerpreisrede

 

 

 

 

6) Brecht –

Wenn man über Bäume nicht mehr reden darf

 

 

 

 

7. ) Schweigen der Autoritäten - Implizites Wissen

 

 

 

 

 

8.) Platon Menon - Wissen

 

Was wir zu Hause gelernt haben, das wissen wir. Was wollen wir also in der Rede wissen? Das, was wir bereits wissen? Was wir nicht wissen, das können wir nicht wissen, können also nicht Wissen, auch wenn wir wüssten das wir nicht Wissen. Wir nähern uns einer Spur. Fische und Vögel ziehen keine Spur. Doch beobachten wir, wohin sie geflogen oder geschwommen sind, wo sie herkamen und wo sie auf ihrer Reise waren. Anhand dieser Punkte bringen wir, in das Dunkel des Dickichts, Licht. Wir entfernen das Gestrüpp und der Blick wird immer freier und lichter. Redet Einer, so stelle er seine Meinung gegenüber. Ich passe meine Meinung seiner an, entweder unter dem Aspekt wahr oder falsch. Dieses Wahr und Falsch ist die Rede, ist ein „Sprechen“. Die Sprache aber (so steht im Menon[2] ) ist eine ständige Widergeburt. Eine Selbstreflexion zwischen lieben und sterben. Die Sprache ist das Kreatürliche, das menschliche Schicksal. Eine Rede der Seherin/des Priesters ist Tod und Erlösung; etwas medusenhaftgleiches, - man hört die Rede und sieht zurück und blickt versteinert in das Medusenhaupt.

Im Sophistes [3] „der Fremde“ kann reden, er will reden, er will lehren, er will ein dialogisches Lehrgespräch führen (mit seinem Schüler?); aber er ist grundsätzlich zu einer „monologischen Vorlesung“ bereit - niederschreiben? abgeben? herausgeben? Denken und Sprache sind existent, kreatürlich, (Kreation). Das Schreiben ist hier ein Schweigen.  Der göttliche, „gar philosophische“ Mann hat „gelehrt“, er hat „etwas herausgekriegt“ was er herausgefunden , was er gefunden hat, das muss er an einer Grenzmarke abgeben, (Laotse und der Zöllner) als eine Ermahnung, als ein geschriebenes Schweigen. Die Bekehrung bleibt diesem ungeachtet im Haus. Sie wird von der Lehrmeinung zum Wissen. Das Schweigen lässt sich differenzieren, unterteilen. „ [4]dadurch wird das bestehende, implizite Vorwissen des kompetenten Sprachbenutzers ( im Sinne eines knowing how ) sprachlich explizit gemacht (im Sinne eines knowing that). Das Wissen lässt sich aus dem Schweigen heraus ordnen, datieren, zuordnen. Das grenzhafte Schweigen als ein Randzonen Paradox.

„Denken und Rede sind dasselbe. Nur dass das innere Gespräch der Seele mit sich selbst, das was ohne Stimme vor sich geht, Denken genannt wird.“[5]

 

 

12.) Dinge – Gefäße beruhigen

 

Das Schweigen jeder Rede liegt in ihrer Erfahrung. Das Greifbare der Dinge, das in einer Rede enthalten und herauszuziehen ist, liegt weit zurück und ist nur in einer Zukunft herauszureißen. Je höher eine Rede fliegt, je mehr begeht sie eine unwirkliche, lebensfeindliche Zone. Nicht ihre Worte, noch ihr Atem, ihr Herzklopfen oder die Geräusche des Blutes sind vernehmbar. (Das Schweigen des Lemma) Ruhe ist über allen Wipfeln. Wir bewegen uns oberhalb der Baumgrenzen. Die Rede verdeckt wie ein Schleier das Schweigen im Behältnis der Rede. Die Rede gleicht einer Vase, einer Truhe, einem Telefonbuch. Wie das Rad für die Nabe da ist; die Vase oder Truhe, oder das Telefonbuch sind nur das hohle, die Leere, der Raum; das Innen berechnet. Die Gefäße beruhigen die Dinge.

 

 

 

13.) Adorno - Verstummen

 

Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst.

„Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst“. So etwa drückt Adorno in seiner Ästhetischen Theorie sich aus. Ist nicht in allem noch im kleinsten Stäubchen die Spur der gegenständlichen Welt eingeschrieben? Kunst spricht immer, jederzeit spricht das Bild, das Objekt im öffentlichen Raum, schreit hinaus. Auch wenn niemand da ist und schweigt, sobald keiner da ist oder keiner hinhört; wie ein Baum im Wald der umfällt wo nie ein Ohr ist, wird keiner einen Ton hören. Das Gedicht „Der Teppich“ von Stefan George [6] das symbolisch durch betrachtende Versenkung „der immanente Prozesscharakter des Gebildes„ sich entbindet. Hier heißt es: „indem es spricht, wird es zu einem in sich Bewegten“.  Der Redner, der seine Rede spricht, bringt die Bewegung. Es benötigt einen Willen. Die Materie, das ausgesprochene Ding, bewegt sich im Raum. Wenn der Redner ein Glas Wasser auf sein Rednerpult stellt, wird sich das Wasser nach einiger Zeit im Raum verteilen und das Glas ist leer. Alle Dinge, auch die Rede, werden eins im Raum. Zwischen dem Material, dem Ding, dem Körper, bedarf es einer Brücke; die es aber nicht gibt. Der Redner ist keine Brücke für die Sprache. Die Sprache folgt einer Regel. Diese Regel ist vorbestimmt. Ein geübter Zuhörer kann nachvollziehen, dass diese Rede so erfolgen musste und nicht anders. Eine Interpretation, eine Auslegung reicht nur dann an ein Gedicht heran, wenn man die Beziehung seiner Elemente begreift; nicht durch Zerstückelung oder Zerlegen auf seine oder die Ursprünge des Dichters oder der Aufführung. Ein völliges Verstummen einer Rede ist ihr Zerfall der vorher oder sehr viel später erfolgt. Es kommt schließlich auf die Bewegtheit der Rede und Sprache an.

 

 



[1] Ingeborg Bachmann beim Einmarsch der Truppen in Klagenfurt

[2] Platon, Menon (übers. V. M. Kranz Stuttgart 1994 80c -81a-e

[3] Vgl. Das Paradigma des Alphabets, Jürgen Villers, 8. Kapitel  8.2.3

[4] Dito, Villers Das Paradigma des Alphabets

[5] Platon (427-347), griech. Philosoph

 

[6] Stefan George, Werke Bd. I, S. 190